Film

Thomas Crown ist nicht zu fassen

Nicht zu fassen: Thomas Crown

Die Story in drei Sätzen: Thomas Crown ist attraktiv, vermögend, erfolgreich – und er hat gerade den perfekten Bankraub durchgezogen. Die Versicherungsdetektivin Vicky Anderson (jung, schön, hartnäckig) stellt ihm offen nach und will die Tat beweisen, nicht zuletzt um eine hohe Provision zu kassieren. Aus dem Wettstreit zwischen Crown und ihr entwickelt sich schon bald eine intime Beziehung, an deren Ende eine Entscheidung fallen muss.

Wie war’s: Ich habe mich ein wenig schwer getan mit dieser Thomas-Crown-Verfilmung aus dem Jahr 1968. Auf der einen Seite steht eine sehr gute Kameraführung und die für ihre Zeit äußerst innovative Split-Screen-Technik, mit welcher beispielsweise der Bankraub aus den unterschiedlichsten Perspektiven parallel zu sehen ist. Auch die Musik (mal jazzig-ruhig, mal spannungstreibend) ist sehr stimmig und unterstützt die Aussage der Bilder. Steve McQueen als vom Leben gelangweilter Geschäftsmann und Faye Dunaway als spitzfindige Versicherungsdetektivin spielen sehr gut zusammen – und miteinander: Denn in weiten Teilen handelt es sich um ein Psychospiel,  was durch eine stimmungsvoll in Szene gesetzte Schachpartie unterstrichen wird. Es folgt, was einige Autoren von Wikipedia fälschlicherweise als „den zu seiner Zeit längsten Kuss (55 Sekunden) der Filmgeschichte“ bezeichnen. Ja, die 55 Sekunden mögen stimmen. Aber es handelt sich um eine ganze Folge von Küssen, sodass eher von einer Kussszene zu sprechen ist (im übrigen schönes Wort mit drei ’s‘).

Trotz der hohen handwerklichen Qualität (nicht nur der Küsse) hat mich „Thomas Crown“ nicht so wirklich packen können. Vielleicht liegt es daran, dass Crown den Banküberfall zwar perfekt geplant hat, an der Tat selbst aber nicht beteiligt war: Fünf anonym angeheuerte Gangster machen sich für ihn die Finger schmutzig. Dadurch dass der Raub gleich zu Beginn geschieht, geht es letztlich auch nur darum ob die Versicherung ihm die Tat beweisen kann. Dass ist mir als Zuschauer aber relativ egal. Weder der ruhige Crown (dem Geld egal ist) noch die lebhafte Anderson (der ihre Provision überaus wichtig ist) sind aus sich heraus sonderlich sympathische Figuren. Über weite Strecken schleppt sich der Film eher spannungsarm wenn auch gut inszeniert dahin. Die angeblichen Beweise gegen Crown werden nie offen gelegt, was aber vermutlich auch nicht das Ziel des Films ist. Es geht vielmehr um den ungleichen Machtkampf zwischen Crown und Anderson, der in einem überraschenden und packenden Finale gipfelt. Letzteres entschädigt für manche Länge.

Der Dialog:

Thomas Crown und Vicky Anderson liegen im Bett. Er hält eine rauchende Zigarre in den Händen und grinst. Gerade hat er angekündigt, noch eine zweite Bank ausrauben zu wollen.
Vicky Anderson: Aber, was soll das? Was willst du damit beweisen Thommy? Du brauchst doch das Geld nicht.
Thomas Crown: Es geht nicht ums Geld. Das ist unwichtig. Es geht um mich. (Pause) Es geht um mich und das System.  (wiederholt langsamer) Das System.
Thomas Crown zieht genüßlich an seiner Zigarre, Vicky Anderson guckt verstört.

Diverse reichlich nutzlose Fakten:

Originaltitel des Films: The Thomas Crown Affair
Zwei Oskars: Beide für Filmmusik
Regisseur: Norman Jewison
Länge: etwa 100 Minuten
Remake: Im Jahr 1999 mit Pierce Brosnan und Rene Russo. Soweit ich mich erinnere war er nicht besonders spannend, in der IMDB liegt er mit 6.6 Punkten (Skala 1 bis 10) noch unter der 6.9 vom Original.

Lukas

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