Film

Die Kunst des negativen Denkens

Die Story in vier Sätzen: Der 33-jährigen Geirr sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl und guckt nur noch Kriegsfilme zu denen er sich wahlweise besäuft oder bekifft. Seine Frau Ingvild lädt eine Feel-Good-Therapiegruppe unter Leitung der Therapeutin Tori ein, um ihn auf andere Gedanken zu bringen und die gemeinsame Beziehung zu retten. Die Behinderten Marte, Lillemor und Asbjørn sehen auch im dunkelsten Tunnel noch Licht, doch an Geirrs sarkastischen Sprüchen droht die Gruppe zu scheitern. Er schafft es Tori mit gezielten Attacken zu vertreiben und die Behinderten durchleben eine außergewöhnliche Nacht an deren Ende zwar einiges Mobiliar zertrümmert wurde, die Welt aber schon wieder ein Stückchen besser aussieht.

Wie war’s: „Kunst des negativen Denkens” ist durchzogen von einem tiefschwarzen Humor. Die Hauptfigur Geirr verweigert sich jeglichem positiven oder politisch korrekten Denken. Laufend reißt er Sprüche über Behinderte und provoziert so die autoritäre Psychologin Tori. Die Therapiegruppe hat unter ihrer Ägide ohnehin nicht viel zu lachen: Wer aufmuckt, muss seine negativen Gedanken in einen „Kotzbeutel” sprechen – wenn das nicht hilft wird auch schon mal gedroht die bevorstehende Teneriffa-Gruppenreise ins Wasser fallen zu lassen. Tori bildet hierbei die Gegenfigur zu Geirr, doch anders als sie muss er sich nicht verstellen: Seine Gedanken sind nun mal zynisch und negativ. Das zeigt sich auch in so skurrilen Spielen, in denen die Gruppe ein Ranking darüber veranstaltet wer von ihnen am behindertsten ist. Doch der Film ist nicht nur eine „Feel-Bad-Komödie” wie vom Verleih angepriesen sondern auch – für skandinavisches Kino typisch – ein Sozialportrait: Den Behinderten geht es nur solange schlecht, bis sie alle „Normalen” verjagt haben. Dann beginnt die Problemlösung auf Norwegisch, bestehend aus mehreren Flaschen hochprozentigem Alkohol und einem dicken Joint. Während die Stimmung im Haus immer besser wird, machen die Ausgeschlossenen sich Vorwürfe und können es doch nicht übers Herz bringen sich von ihren behinderten Partnern zu trennen. In einer weiteren Wendung lässt Regisseur Bård Breien die Situation im Haus eskalieren: Die Therapiegruppe zertrümmert mit Geirr dessen Mobiliar, anschließend wird eine Runde „Russisch Roulette” gespielt. So ist viel Abwechslung in den 79 Minuten Kinofilm, der mit dem Vorurteil aufräumt mit und über Behinderte könne man nicht lachen. Geirr und seine Gruppe zeigen ganz vorzüglich dass nur ein offener und ehrlicher Umgang mit dem Problem zur Besserung beiträgt – ein bitterböser Schlag gegen jegliches Gut-Menschentum.

Diverse reichlich nutzlose Fakten:
Originaltitel: Kunsten å tenke negativt
Regisseur: Bård Breien
Länge: etwa 79 Minuten
Preise: Bester Film der Nordischen Filmtage 2007 (NDR), Beste Regie auf dem Karlovy Vary Festival 2007 und Bestes Buch in Turin 2007
Interessant: Bei „Die Kunst des negativen Denkens” handelt es sich um den ersten Spielfilm von Regisseur Bård Breien, zuvor hat er bereits einen Kurzfilm über einen Berufskiller mit Rückenschmerzen gedreht, der mit Hilfe eines Sozialarbeiters in ein neues Leben zu finden versucht: „Franks prolaps” (nur auf norwegisch erschienen)

Lukas

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