Film

Wenn der Urlaub zum Alptraum wird: Westworld (1973)

Der mechanische Revolverheld ("Gunslinger") hat Peter und John genau im Visier

Story in drei Sätzen: Im futuristischen Freizeitpark Delos können Gäste in die Rolle eines Ritters, eines römischen Imperators oder eines Revolverhelden im Wilden Westen schlüpfen. Roboter, die von wirklichen Menschen kaum zu unterscheiden sind, ersetzen die Kontrahenden beim Duell. Peter Martin und John Blane, zwei junge Männer und zugleich die Protagonisten der Geschichte, haben sich für den Wilden Westen entschieden – doch dann drehen die Roboter durch und greifen die Menschen an…

Wie war’s: Westworld beginnt mit einem heiteren Werbespot für den angeblich ungefährlichen Zeitreiseurlaub (Motto: „Der Urlaub von morgen. Schon heute!“), doch schon im folgenden Vorspann wird die Bedrohlichkeit der technisierten Scheinwelt musikalisch untermalt. Szenen mit Peter und John bei der Anreise sind denen im Kontroll- und Überwachungszentrum von Delos radikal entgegen geschnitten – die Menschen kontrollieren die Welt mit Maschinen und Computern, doch ist es nur eine Frage der Zeit bis diese ihr Eigenleben entwickeln und unerbittlich zurückschlagen. Westworld ist der erste abendfüllende Spielfilm von Regisseur und Bestseller-Autor Michael Crichton und er greift bereits auf Motive auf, die zwanzig Jahre später mit „Jurassic Park“ zur Perfektion reifen sollten. Der Freizeitpark Delos ähnelt einem durchgeknallten Paradies: Hier kann der zahlungskräftige Besucher nach Belieben Leute erschießen, die Macht im kleinen Westernstädtchen an sich reißen oder mit den Bardamen ins Bett gehen. Die Maschinen bleiben nach Gefechten als Kollateralschaden am Boden liegen und müssen nachts heimlich repariert werden. Westworld ist nicht zuletzt eine Kritik an den Auswüchsen der Unterhaltungsindustrie, die sich nur wenig um moralische Werte und dafür umso mehr um ihren Profit kümmert.

Die Roboter sind die Helden von Delos, für die Menschen ist bald kein Platz mehr: Als John vom durchgeknallten Revolverhelden-Roboter (großartig gespielt von Yul Brynner) erschossen wird, greift sein Freund Peter nicht zur Waffe sondern nutzt die Gelegenheit zur Flucht. Es wirkt bezeichnend, dass er auch im folgenden Verlauf des Films keine einzige Waffe mehr abfeuert. Während der „Gunslinger“ mit altmodischen Feuerwaffen mordet, setzt sich Peter mit Säure und Feuer und einer gehörigen Portion menschlicher List gegen den scheinbar unverwundbaren Killer-Androiden zur Wehr.

Wenn man Westworld einen Vorwurf machen kann, dann den nicht genug in die Tiefe zu gehen. Am Ende bleiben viele Fragen ungeklärt: Wer steckt hinter dem monströsen Freizeitpark? Welche tieferen Absichten verfolgt die Organisation die Delos betreibt? Anders als erwartet, kommt es am Ende des Films zu keiner Konfrontation von Peter Martin und den Hintermännern. Nichts desto trotz ist Crichton mit Westworld solides Actionkino gelungen. Zugleich ist der Film ein guter Beleg für die These, dass seit den 1970er Jahren kein klassisches Genrekino mehr existiert (vgl. hierzu Borstnar u.a. 2008). Westworld ist eine Mischung aus Western- und Science-Fiction-Elementen. Nicht zuletzt aufgrund dieser Mischung und der originellen Ursprungssidee wirkt der Film auch heute keineswegs verstaubt, sondern hochaktuell und absolut sehenswert.

Der Dialog:

Peter und John laufen verkatert durch die Straßen der Westernstadt.
Revolverheld (schneidet ihnen den Weg ab): „Halt!“
Peter und John: „Ochh…“
Peter: „Hebs dir auf für ein andres Mal. Nicht jetzt schon wieder und nicht DU schon wieder…es ist noch zu früh“
John: „Ich werd ihn diesmal übernehmen. Zieh Freundchen!“
Revolverheld (zieht blitzschnell und schießt)
John (völlig verblüfft): „Ich bin getroffen“
Er fällt um und stirbt vor den Augen seines Freundes.

Diverse reichlich nutzlose Fakten:
Regie: Michael Crichton
Länge: 85 Minuten
Musik: Fred Karlin, ist auf verschiedenen Soundtrack-Samplern erschienen
Fortsetzung: Futureworld – Das Land von übermorgen (1976) mit Peter Fonda und Blythe Danner. Bekam gute Kritiken.
Parallelen: Der böse Android T-800 aus James Camerons Terminator 2 erinnert frappierend an die Figur des Revolverhelden in Westworld
IMDB-Ranking: 7.1 von 10 Sternen, was eine sehr zufriedenstellende Wertung ist.
Remake: Ist angeblich für 2009 in Planung, laut IMDB wird gerade am Drehbuch gearbeitet (Stand: 17. April 2009).

Westworld ist bei Warner Home Video auf DVD erschienen und bei Amazon erhältlich.

Lukas

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Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
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  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
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