Film

Nichts für schwache Nerven: Nachtblende (1975)

Nachtblende mit Klaus Kinski und Romy Schneider

Story in drei Sätzen: Nadine (Romy Schneider), eine Schauspielerin, träumt vom großen Durchbruch, wird aber beim Filmdreh vom Paparazzo Servais (Fabio Testi) belästigt, der sich in sie verliebt. Sie hat aber bereits einen Mann (Jaques Dutronc), der jedoch im Laufe der Handlung Selbstmord begeht. Servais wird indes brutal von der Mafia verprügelt, Nadine findet ihn schwer blutend in seiner Wohnung und gesteht ihm ihre Liebe.

Wie war’s?: Nachtblende hat eine wohl einzigartige Starbesetzung. Neben Romy Schneider als schöner aber erfolgloser Schauspielerin agiert Klaus Kinski als konkurrierender Darsteller Karl-Heinz, der durchaus mal die Fäuste kreisen lässt, wenn er Kritik abbekommt. Auch der langjährige Freund Samuel Becketts, Roger Blin, spielt eine kleine Rolle als drogensüchtiger Vater des Paparazzo Servais. Interessant auch, wie sich Künstler selbst spielen – große Teile der Handlung finden hinter den Kulissen eines Theaters statt und auch Proben der verfeindeten Darsteller Nadine und Karl-Heinz (Kinski) werden eindrucksvoll dargestellt. Die Einblicke in die Proben, welche ganze Nächte dauern, haben dem Film wohl den Titel Nachtblende eingebracht.

„Nachtblende“ arbeitet stellenweise über Kontraste: Das dargestellte Theater lebt sehr von seiner barocken Stimmung. Auch Servais‘ Wohnung hat ein altertümliches Flair. Im Gegensatz dazu stehen die Aufnahmen in Nadines Appartment, welches weiß und rein erscheint. Weitere Kontraste entstehen durch die zärtliche Liebe, die zwischen Servais und Nadine entsteht und – auf der anderen Seite – Karl-Heinz, dem seelenlosen Narzisten. Er reagiert als einziger Mensch in der Handlung plump und unbeholfen auf die Tiefen der Depression, mit denen die anderen Figuren zu kämpfen haben.

Besonders pessimistisch zeichnet Regisseur Zulawski die Leben mehrerer Künstler, seien es Fotographen oder Schauspieler, die den schweren Rollen, welche sie spielen um endlich zum Erfolg zu kommen, psychisch nicht gewachsen sind. Auch die ständigen Geldsorgen der Theaterleute werden dargestellt, wobei der Film geschickt Klischees umgeht. Banale Bilder und Dialoge lässt der Film vermissen; umso intensiver ist das Seherlebnis.

Insgesamt ist Nachtblende sehr traurig und dramatisch. Die Verzweiflung und Einsamkeit der gestrandeten Außenseiter wird mit großer Dichte erzählt. Ein theaterhaft durchinszeniertes Wirrwarr aus menschlichen Tragödien, an dessen Ende die Zusammenkunft des Paares kaum noch zählt, obwohl der Streifen im Original L’important c’est d’aimer (Wichtig ist, ich liebe dich) heißt. Kein Wohlfühl-Kino also, dennoch ein fesselnder Film voller tragischer Wendungen, an dem es nichts weiter auszusetzen gibt, als dass er nichts für schwache Nerven ist.

Der Monolog:

Nadines Mann vor seinem Selbstmord zu Nadine: „Ich könnte alles für dich tun – nur nicht leben.“

Diverse reichlich nutzlose Fakten:
Regisseur:
Andrzej Zulawski
Originaltitel: L’important c’est d’amier
Länge: 109 Minuten (105 in deutscher Fassung)
Musik:
Georges Delerue

Konstantin

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