Film

Mogelpackung mit Kinski: Adios Companeros

Eine von mehreren absolut gleich ablaufenden Kampfszenen: In Adios Companeros kommt keine Spannung auf

Die Handlung in drei Sätzen: Die Gang um Butch Cassidy landet einen Coup und ein offener Streit über die Aufteilung des Goldes bricht aus, die Bande teilt sich in zwei Lager. Macho Calaghan infiltriert die Seite des Feindes, um Rache zu nehmen. In einer Geisterstadt kommt es zum finalen Showdown und Macho bekommt seine Rache, der Gerächte dagegen eine Axt in den Bauch.

Wie war’s?: Eine Axt im Bauch. Das hört sich gut an, wollte jeder schon mal haben. Doch abgesehen von vier Minuten Dramatik am Ende ist Adios Companeros äußerst langweilig. DVD-Publisher Carol Media fährt alles auf, um diesen Streifen zu verkaufen: Kinski ist vorn groß mit Gewehr (in einer Pose, die er im Film nie einnimmt) zu sehen. Kinski spielt etwa 10 Minuten lang einen Pfarrer in einem Dorf in New Mexico, welches am Anfang des Films vorkommt. Es ist zwar interessant, einen Kinski zu sehen, der von Liebe spricht und Streithähne auseinanderbringt – jedoch auch langweilig.

Die Umschlagsbilder hinten deuten Action an, genauso der Umschlagstext. Großspurig verspricht der Hüllentext, der Bösewicht werde von seinem Freund Reverend Cotton, gespielt von Kinski, bei der Ausführung der Rachetat unterstützt. Das läuft dann schon unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, da Kinski erwiesenermaßen nicht beim Rachefeldzug mitmischt und auch den Bösewicht des Films nicht kennt, geschweige denn sein Freund ist.

Klaus Kinski Adios CompanerosDie Handlung ist vorhersehbar und lässt überraschende Wendungen vermissen. Stattdessen ist alles etwas wirr, denn die deutsche Fassung des Films ist um etwa zehn Minuten gekürzt. Am Anfang schwört der bei einem Kartenspiel betrogene Macho Calagham Rache – am Ende führt er sie aus. Dazwischen reihen sich eigenartige Szenen aneinander, die weder Witz noch Action aufkommen lassen. Bis auf einen gelungenen Running Gag: Einer der Mitstreiter von Macho rennt immerfort mit einer Puppe im Arm herum.

Dieses skurrile Element vermag indes nicht über die sonstige Plattheit des Films hinwegzutäuschen. Die Schauspieler sind bis auf Kinski und Jeff Cameron, der Macho spielt, äußerst durchschnittlich und blass. Genauso farblos ist der Streifen selber. Das Bildmaterial ist so schlecht, dass im letzten Drittel des Films vermehrt Längsstreifen wie eine 70er-Jahre- Tapete das Bild durchziehen und die Farben sind so blass, dass man in den ersten Minuten nicht mal genau weiß, ob es sich um einen Farbfilm handelt.

Dass Kinski für 100.000 DM pro Woche in jedem noch so schlechten Film mitgespielt hat, wie er oft in Interwiews sagte, kann man ihm verzeihen. Doch unverzeihlich ist, dass Regisseur Miles Deem, der in den 70ern Italowestern von der Stange produzierte, in diesem Western kein einziges Duell, dafür aber sechs absolut gleich ablaufende Schlägereien zwischen jeweils zwei verfeindeten Männern inszeniert. Er hätte eine Schlägerei durch ein Kartenspiel, eine durch eine Hetzjagd und zwei durch Duelle ersetzen können, und alles wäre okay gewesen. Nein, nicht alles. Allerdings wären einem die langweiligen Prügelszenen, welche, das weiß man seit Bud Spencer, lustig sein müssen wenn sie über Maßen vorkommen, erspart geblieben.

Der größte Wurf ist allerdings, dass Carol Media dem Streifen den Zweitnamen eines bekannteren Western, nämlich „Für eine Handvoll Dollars – Adios Companeros“ gegeben hat, denn in Wirklichkeit heißt der vorliegende Film auf der DVD „Giù la testa… hombre“ und nicht wie man zuerst vermuten würde „Per una bara piena di dollari“. Hier wurde und wird eindeutig versucht am Erfolg des weltbekannten „Für eine Handvoll Dollar“ von Sergio Leone mit Clint Eastwood in der Hauptrolle zu profitieren.

Alles in allem ein Film, der keine Kreativität seitens der Regie und Darsteller aufkommen lässt. Selbst die Kameraführung wiederholt sich: Sobald jemand einen Weg entlang reitet, wird nach dem ersten Schnitt zuerst auf Himmel, dann auf Bäume und schließlich, nach unten fahrend, auf den Reiter fokussiert. Das Ganze in einem Film, der gerade mal 83 Minuten (laut zweifelhafter Umschlaginfos 87 Minuten) dauert, insgesamt vier Mal.

Für gerade mal 2,99 Euro ist diese Anschaffung zu verschmerzen. Wer mehr bezahlt ist allerdings selber Schuld. Sagt hinterher nicht, das Farbfilmblog hätte euch nicht gewarnt!

Der Dialog

Nach einer Keilerei: „Du hast ne ziemlich harte Linke, Bruder“ —
„Was du nicht sagt, du aber auch“

Diverse reichlich nutzlose Fakten
Premiere:
1971 (It), 1972 (D)
Regisseur und Drehbuch:
Demofilo Fidani
Darsteller:
Jack Betts, Gordon Mitchell, Klaus Kinski, Jeff Cameron
Länge:
83 Minuten (91 Minuten Originalversion)
Jugendfreigabe:
Die Härte dieses Films rechtfertigt höchstens eine Altersfreigabe ab 12 Jahren, und nicht ab 18 Jahren, wie es rot auf der Hülle steht. Dass keine Jugendfreigabe besteht, scheint nur ein weiterer Trick zu sein um die DVD zu verkaufen.
IMDB-Rating:
3.2 von 10 Sternen was für diesen schwachen Streifen absolut angemessen ist.
Alternative Titel (und hier sieht man, dass der Film schon unter den verschiedensten Etiketten lief):
A Balada de Django (Brasilianisches Fernsehen), Ballad of Django, Doppia taglia per Minnesota Stinky, Fistful of Death, Ich will deinen Kopf (BRD), Macho Callaghan se déchaîne (Frankreich), Minnesota – Caçado Vivo ou Morto (Brasilien), Strange Tale of Minnesota Stinky, oder auch einfach: Western Story (USA)

Konstantin

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