Film

Dracula jagt Minimädchen (1972)

Die Story in drei Sätzen: 100 Jahre nach seinem unfreiwilligen Ableben wird Graf Dracula im Jahr 1972 von einer Partyclique während einer schwarzen Messe wiederbelebt. Unter den Teenagern befindet sich auch Jessica, eine Ururenkelin des bekannten Vampirjägers van Helsing. Schon bald schwebt sie in großer Gefahr, denn Dracula und sein Assistent Johnny Alucard wollen sie und ihre Familie ein für alle mal auslöschen.

Wie war’s: Die britischen Hammer-Studios produzierten seit den 1950er Jahren Horrorfilme am Fließband. Dracula, Frankenstein, Jekyll & Hyde – was Angst machte und sich gut verkaufen ließ, wurde in immer neuen Varianten in die Kinos gebracht. Dracula jagt Minimädchen (oder Dracula A.D. 1972 wie der Film im Original heisst) setzt dann auch auf klassische Elemente der wilden Siebziger: Fetzige Rockmusik, Drogenkonsum und schrille Farben dominieren die Szenerie und sollen der alten Geschichte um den Fürsten der Finsternis neue Frische verleihen. Wer jetzt an einen Graf Dracula denkt, der auf einer illegalen Hausparty in der Ecke steht und an seinem Joint zieht ehe er sich auf seine weiblichen Opfer stürzt, liegt gänzlich falsch. Dracula jagt die Minimädchen nämlich nicht selbst, er lässt jagen. Johnny Alucard (man lese seinen Namen mal rückwärts) erledigt die Drecksarbeit für den rumänischen Fürsten. Er überredet die Clique zu der schwarzen Messe, führt in einer entweihten Kirche das okkulte Ritual durch und erweckt so Dracula zum Leben. Doch statt Dankbarkeit warten nur neue Aufträge auf ihn: Der Fürst der Finsternis braucht ständig Blut, einige Freundinnen von Jessica van Helsing müssen also dran glauben. In einem zweiten Handlungsstrang ermittelt die Londoner Polizei nun ziemlich ratlos in den Mordfällen (denn Vampire, so kann man sich an dieser Stelle merken, sind beim Verstecken von Leichen ziemlich ungeschickt) und kontaktiert Jessicas Großvater, einen bekannten Vampirologen der Londoner Universität. Während Jessica leichtsinnig in Draculas Arme läuft, nimmt er den Kampf gegen das Böse auf. Mit Pfählen und Weihwasser bewaffnet stellt er Dracula zur Rede. Der hat außer seinen scharfen Zähnen nicht viel zu bieten und stirbt deshalb nach kurzem Kampf. Das Gute gewinnt nicht nur den Kampf über das Böse, die Großelterngeneration hilft in diesem Moment auch ihren sich auf Abwegen befindlichen Enkeln aus der Patsche. Dracula jagt Minimädchen bringt also sogar eine generationenverbindende Botschaft mit.

Christopher Lee spielt wie schon des Öfteren in seiner Karriere Graf Dracula. Freilich beschränkt sich sein Part dieses Mal im Wesentlichen auf das Umherlaufen in der entweihten Kirche und das böse gucken. Fast wirkt der Fürst der Finsternis ein wenig hilflos – ohne seinen Helfer Alucard als Blutbeschaffer wäre er völlig aufgeschmissen. Peter Cushing überzeugt als Helsing-Großvater, er ist neben seiner Enkelin Jessica der eigentliche Held des Films. In Ausstattung und Kameraführung bietet Dracula jagt Minimädchen solide B-Movie-Qualität, es handelt sich also nicht um einen absoluten Trashfilm alá Ed Wood. Allzu viel sollte man allerdings auch nicht erwarten: Die Charaktere bleiben alle eher oberflächlich, auf spannende Wendungen wartet man vergeblich. Alles in allem ein doch eher blutleerer Dracula.

Der Dialog:

Jessica sitzt im Arbeitszimmer ihres Großvaters und liest ein Buch über schwarze Messen. Er tritt hinzu und spricht sie leicht verärgert an (vielleicht auch weil ihre Füße auf seinem Schreibtisch liegen):
Großvater: Jessica, was machst du denn hier?
Jessica (grinsend): Bisschen schmökern…
Großvater: Das hier ist mein Arbeitszimmer und keine Leihbibliothek.
Jessica (tut naiv): Tatsächlich?
Großvater (nimmt ihr das Buch aus der Hand): Über die schwarze Messe…was willst du damit?
Jessica: Ach, nur so ein bisschen die Nerven kitzeln
Großvater: Jessica, dieses Buch ist ein keine Unterhaltungslektüre. Das ist ein wissenschaftliches Werk.
Jessica (steht auf und lacht): Man kann dieses Zeug in jedem billigen Buchladen in Soho kaufen. Ist doch letzten Endes alles Käse.
Großvater: Was heißt das?
Jessica: Überspannt, verrückt, Kobolde, Spuk, Zauberei und all das Gefasel.
Großvater: Du machst dich über alles lustig, was nicht deiner sogenannten progressiven Weltanschauung entspricht. (tritt näher) Jessica, die Erforschung des Okkulten ist in unserer Familie Tradition. Seit Generationen. Für uns ist das eine ernsthafte Wissenschaft.

Fakten, Fakten, Fakten:

Regie: Alan Gibson
Bekannteste Schauspieler: Christopher Lee, Peter Cushing
Länge: 92 Minuten
Tipp: Achtet mal auf die zahlreichen Dracula-Bilder an den Wänden. In fast jeder Wohnung scheint ein Bild des Fürstens der Finsternis zu hängen.
IMDB: Die International Movie Data Base bewertet den Film mit 5,4 von 10 Sternen – diesem Ergebnis kann ich mich nur anschließen.

Lukas

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    3 KOMMENTARE

  • Pete 11. September 2009 Reply

    Sicherlich keines der besseren Sequels, aber interessant, da Hammers Gotik-Formel in die Neuzeit transportiert wurde, was zumindest für Abwechslung sorgte.

  • Janneke Knudsen 11. September 2009 Reply

    Der Spamschutz ist gar nicht so easy 🙂 Den Film muss ich mir unbedingt mal reinziehen. Der scheint so schlecht zu sein, dass er wieder gut sein könnte.

  • Marc 11. September 2009 Reply

    Ich fande den Film eigentlich recht unterhaltsam, nun ja ist ja alles wie immer Geschmackssache…

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  • Hach, St. Petersburg.. Ich vermisse es jetzt schon. 9 Tage waren nicht zu lang, auch wenn mich viele in meinem Umfeld ungläubig fragten, ob ich noch woanders hinfahre. Nein, ich hätte es selbst nicht gedacht, 9 Tage waren fast zu kurz, um diese vielfältige Stadt voller Kultur zu entdecken. So viele Stadtquartiere, Inseln zum Flanieren, coole moderne Cafés, freundliche Menschen. Hier hätte ich sogar gut und gerne noch mehr Zeit verbringen können. Ich komme wieder, vielleicht dann auch mal nach Moskau.
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