Film

Whatever Works – Liebe sich, wer kann (2009)

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Mehrere positive Rezensionen im Netz (u.a. bei critic.de und im Blog meiner Schwester) haben mich ermuntert, mir auch mal den neuen Woody Allen-Film Whatever Works – Liebe sich, wer kann anzuschauen. Nach dem sehr guten Match Point und dem ziemlich enttäuschenden Vicky, Cristina, Barcelona war ich gespannt, was der gebürtige New Yorker Allen diesmal auftischen würde.

Die Story in vier Sätzen: Der neurotische, verbitterte Ex-Physiker Boris Yellnikoff sieht seinen Lebenssinn nur noch darin, alles schlecht zu reden und die Sinnlosigkeit des Seins in seinen Theorien herauszustellen. Eines Abends stolpert ihm die junge, naive Ausreißerin Melody ins Haus, die beiden verlieben sich, werden ein Paar und heiraten. Melodys frisch geschiedene, erzkonservative Mutter taucht auf, versucht ihre Tochter neu zu verkuppeln und findet schließlich in New York selbst mehrere Partner. Am Ende sind alle glücklich.

Wie war’s: „Dies ist kein Wohlfühlfilm“ raunzt Boris Yellnikoff die Zuschauer gleich in der ersten Szene an. Das ist natürlich ausgemachter Quatsch, denn bei Whatever Works handelt es sich um genau das. Verdeckt wird es freilich von den skurrilen Charakteren: Da trifft der nihilistische Pessimist Yellnikoff auf das supernaive Blondchen Melody, ihre ebenso tumbe Südstaatenmutter wird mit den liberalen Werten in der Künstlerszene New Yorks konfrontiert und ihr Vater entdeckt nach einem Kneipenbesuch plötzlich seine homosexuellen Neigungen. Das alles ist ziemlich konstruiert und kann eigentlich nur funktionieren, wenn die zweite wichtige Zutat einer Komödie stimmt: Die lustigen Pointen. Doch genau an diesen mangelt es Whatever Works leider. Woody Allen hat das Skript dem Bekunden nach schon in den 1970er Jahren geschrieben und aus dieser Zeit scheinen auch die Gags zu stammen. Das geht dann zum Beispiel so:

Melody: Ja, worin sind sie ein Genie?
Boris: In Quantenmechanik
Melody: Und in welchem Bereich genau…Musik?

Ha ha ha, was haben wir gelacht. Aber: Melodys Blödheit ist nicht konstant. In einer anderen Szene äußert sie plötzlich Theoriemuster, die ihre Vorstellungskraft eigentlich weit übersteigen müssten und schafft es so Boris davon zu überzeugen, dass sie doch auf einer Wellenlänge liegen. Dieser plötzliche Wechsel zwischen superblöd und halbwegs schlau ist schlicht unglaubwürdig, muss aber vermutlich sein, damit die Story überhaupt irgendwie weitergeht. Das Handlungsgerüst ist nämlich höchst wackelig und zielt nur darauf ab, jede Person mit einer Herausforderung beziehungstechnischer Art zu konfrontieren. Melodys Mutter Marietta (natürlich fundamentale Christin, Abtreibungsgegnerin, Patriotin, Klischeefigur) trifft auf den Hobby-Philosophen Leo, wird selbst zur Künstlerin und wirft ihre ganzen bisherigen Überzeugungen über den Haufen. Melodys Vater überdenkt zwei gescheiterte Beziehungen in einer Kneipe und kommt prompt mit einem Schwulen ins Gespräch. Völlig logisch, dass er auch selbst gleich schwul wird. Und selbst Boris findet nach einer Trennung von Melody noch eine passende Frau. Sie wird fünf Minuten vor Schluss aus dem Hut gezaubert und passt ziemlich perfekt zu ihm. Schnell noch eine Abschiedsszene, in der alle glücklich zusammen Silvester feiern. Sogar Boris ist nicht mehr ganz so griesgrämig. Spätestens da ist der Groschenroman perfekt. Das eigentlich Ärgerliche an Woody Allens Film ist aber, dass er seine Herkunft nicht eingesteht, sondern sie mit einer Vielzahl an pseudointellektuellen Betrachtungen über die Welt, die Religion und die Liebe verkleistert. Es wird entsetzlich viel gelabert und verflucht wenig gehandelt. Erkenntnis am Ende gleich Null. Eine große Enttäuschung.

Fakten zum Film
Original-Titel: Whatever Works
Länge: 92 Minuten
Regie: Woody Allen
Schauspieler: Larry David, Evan Rachel Wood, Patricia Clarkson
Wertung IMDB: 7.4 von 10 Sternen, was ich für viel zu hoch halte (vermutlich wird Wert im Laufe der Zeit auch noch etwas sinken)
Tomatometer von rottentomatoes.com: 47 % aus 124 ausgewerteten Filmkritiken.
Metacritic: 45 % aus 30 ausgewerteten Rezensionen.

Lukas

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    2 KOMMENTARE

  • ArtiBerlin 18. Dezember 2009 Reply

    Neuer Woody Allen. Zynisch und doch einfühlsam. Nach dem Film geht man aus dem Kino und will die ganze Welt ironisieren. Wunderbar!

  • Resu 18. Dezember 2009 Reply

    Schöner Post! Mir ging’s genau so… Das gesamte Thema Liebe/Beziehungen wurde viel zu einseitig dargestellt. Plus: Flache Charaktere mit erzwungener und vorhersehbarer Tiefe.

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