Theater & Musik

Kopfhörer auf und abrocken! Silent Disco im Lido

Das war sie also: meine erste Kopfhörer-Party bzw. Silent Disco, wie der aktuelle Trend der Indie-Clubszene genannt wird. Das Prinzip ist einfach: Man holt sich für ein geringes Pfand von 2 Euro einen Funkkopfhörer und los geht’s! Auf zwei verschiedenen Kanälen empfängt man dann die Musik, die zwei Djs gerade eifrig zusammenmixen.

Lustig ist das Ganze aber nicht nur für Tanzwütige, sondern auch für passiv-an-der-Bar-Sitzer, die die Tanzbewegungen der Leute beobachten können – ohne aber zu hören, wozu die eigentlich grad tanzen. Die Tanzschritte der Leute beginnt man plötzlich ganz anders wahrzunehmen, man fängt sogar an mitzuraten: „Gehen die grad zu den Hives ab? Oder hab ich da nicht grad eine Textzeile von den Killers aufgeschnappt?“

Ganz so still geht es aber spätestens um 1 Uhr, wenn sich die Tanzfläche schon weitaus mehr gefüllt hat, auch nicht mehr zu. Es wird gegrölt und mitgesungen, was das Zeug hält. Denn ein Aspekt kommt bei der Silent Disco auch noch dazu: Man möchte die Leute, die gerade auf dem anderen Kanal ein anderes Lied hören, mit dem Gesang übertönen, manchmal lassen sich diese lustigerweise nämlich umstimmen und von einem Moment auf den anderen wird in der Mehrzahl nicht mehr zu den Red Hot Chili Peppers, sondern zu „Seven Nation Army“ getanzt. Das noch stimmungsmachendere Lied gewinnt halt – das Clubpublikum ist da gnadenlos. Manchmal entstehen dadurch aber auch interessante Songremixe. Ich habe wohl noch nie so einen schrägen Mix zwischen den Songs „Sex on Fire“ und „Song 2“ gehört. Der simple Refrain vom Kings of Leon-Song („Yeahahooo – the sex is on fire!“) fügt sich gar nicht mal so unpassend in den Chorus von Blur ein: „When I feel heavy metal – woohoo!“

Zwei Kanäle, zwei Songs - das ist Silent Disco.

Dadurch dass man Kopfhörer hat, nimmt man den Song zudem viel intensiver wahr – und wird wirklich dazu verführt mitzusingen. Das Praktische ist ja: Man kann seine eigenen schiefen Töne nicht hören – dafür die Leute ohne Kopfhörer, die vielleicht erst recht Spaß dran haben (oder auch nicht ;)) Ich hab noch nie erlebt, dass in einem Club so viel gesungen wurde – und es macht echt Spaß mit einer Masse von Leuten den Oasis-Klassiker „Wonderwall“ zum Besten zu geben!

Ein weiterer Vorteil der Silent Disco ist zudem: Wenn einem das Lied auf dem einen Kanal gerade nicht zusagt, vielleicht das auf dem anderen?! In welchem Club hat man sonst schon so viel Wahlfreiheit? Vor allem lassen sich so verschiedene Geschmäcker vereinen. Umso witziger wird das Ganze, wenn die Freunde dann vielleicht zu einem ganz anderen Song abgehen, allein schon, weil solche unterhaltsamen Dialoge entstehen (für die man die Kopfhörer allerdings auch mal kurz abnehmen muss):

A: „Hörste auch grad „Wuhu wuhuhu wuhu wuhuhu?“
B: „Echt, das läuft? Nee..ich hör Dedim dedim dedim…“
A: „Ah okay. Dann komm doch mal auf meinen Kanal!“

Und wenn man mal eine Pause vom Tanzen braucht, hat das Prinzip der Silent Disco einen weiteren großen Vorteil: Man kann sich tatsächlich mal unterhalten und muss sich nicht wie in anderen Clubs anschreien, um sich irgendwie verständigen zu können – und kann ganz nebenbei entspannt die Dancemoves der anderen Clubbesucher beobachten.
Klar…ein paar Verbesserungen lassen sich bei dem neuen Clubkonzept sicher noch machen: Der Tragekomfort der Kopfhörer ist nach längerer Zeit nicht mehr so grandios, auch lässt es sich mit den Kopfhörern auch nicht so wild in der Gegend umherspringen wie vielleicht sonst. Und manchmal ist der Akku leer und man muss seinen Kopfhörer umtauschen. Aber ich möchte wirklich nicht meckern: So viel Spaß hatte ich in einem Club schon lange nicht mehr. Die Silent Disco im Lido sieht mich bestimmt als Besucher wieder!

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