Film

Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Die Hollywood Classics-Box

Auf den ersten Blick begeistert die goldschimmernde DVD-Box, von der einen Regielegende Alfred Hitchcock mit seinem kritischen Blick ansieht. Die breite Aufschrift „Hollywood Classics“ prangt darüber. Wow, was da wohl drin ist! Sicher Filme, über die man sich als Cineast freut. Doch dann kommt der zweite Blick, nämlich auf die Liste der Filme, die in diesem Steelbook enthalten sind. Meine ersten Gedanken: “Kenn ich nicht. Noch nie gehört. Ah! Marilyn Monroe! Hitchcock..hm, aber der Rest? Noch nie gehört.“

Als man dann die Box öffnet, wird gleich klar: Hier wurde gespart. Die DVDs (insgesamt 3) sind alle aufeinander gestapelt, auf jeder DVD sind 3 Filme. Schon sehr unüblich. Aber gleichzeitig auch unpraktisch. Will man sich eine echte Filmsammlung anlegen, ist es ja irgendwo doch sehr spärlich, wenn man die Filme nicht als Einzel-DVDs hat…

Dann folgt aber natürlich auch die Sichtung. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass ich es noch nicht geschafft habe, alle enthaltenen „Filmmeisterwerke“ (hust!) zu sichten. Ein Film, der sich auf jeden Fall lohnt, ist natürlich Hitchcocks „Ich kämpfe um dich“. Vielleicht nicht eines seiner stärksten Werke, ist aber sicherlich einer der sehenswerten Klassiker in dieser Box. Die Hemingway-Verfilmung „Schnee am Kilimandscharo“ mit Gregory Peck und Hildegard Knef kommt zwar sicher nicht an die literarische Vorlage heran, ist aber dennoch ganz unterhaltsam. „Meet John Doe“, von Oscarpreisträger Frank Capra – kann man sich vielleicht noch ansehen…dann hört’s aber auch schnell auf. „Hometown Story“, ein früher Film mit Marilyn Monroe… nichts gegen sie, aber es hat schon seine Gründe, warum dieser Film nicht in die Filmgeschichte eingegangen ist.

„Velocity“, ein sehr früher Film mit Jack Nicholson über Rennfahrer – muss auch nicht unbedingt sein. Ein Amazon-Kunde deckt hier sogar eine schlimme Täuschung auf: „Außerdem ist der Film „Velocity“ auf keiner der DVDs vorhanden, stattdessen ein billiger 90er Jahre Trash-Film, bei dem nach ca. einer halben Stunde einer des Hauptdarsteller anfängt aus seiner Jugend zu erzählen und auf einmal ein Teil des Films mit Jack Nicholson als Rückblick eingespielt wird. Zum Schluss geht’s dann mit dem Trash-Film wieder weiter, nachdem der ca. 60min Rückblick zu Ende ist – was für ein Witz!“

Und tatsächlich! Es handelt sich wirklich nicht um den Nicholson-Film von 1960, sondern um einen Zusammenschnitt des alten und des neuen Films. Selten so einen Schund gesehen! 😉 Wohl wirklich nur was für Fans des Trash-Genres!

Ich wollte jedoch noch nicht aufgeben. Vielleicht schlummerten in dieser Box ja doch noch ein paar längst vergessene, aber brilliante Filmperlen! Also noch einen Film gesichtet: Den doch arg trashigen, aber doch am Rande belustigenden „Weg nach Bali“ hab ich mir dann tatsächlich noch bis zum Schluss angeguckt. Wie gesagt, schrecklich albern, furchtbar peinliche Wortspiele, überdrehte Synchronisation, schräge Tanz- und Gesangseinlagen (fast jede dritte Szene) – aber was soll’s? Sicher kein Juwel der Filmgeschichte, aber in der richtigen Stimmung ganz witzig.

Fazit also: Für wahre Filmfreunde ist die Box nicht lohnenswert, die wenigen wirklich sehenswerten Klassiker auf dieser Box holt man sich wohl besser als Einzel-DVDs. Überhaupt bekommt man das Gefühl, dass es sich bei dieser „Hollywood Classics“-Box um eine Mogelpackung handelt. Hier wurde an jedem Ende gespart: mehrere Filme auf einer DVD, keine Extras, teilweise nur die Synchron- und nicht die Originalfassung, was normalerweise ja schon zur Grundausstattung gehört.
Ich habe die Box glücklicherweise irgendwann mal beim weihnachtlichen Julklapp ergattert, somit auch keinen Cent dafür ausgegeben. 9,95 Euro ist auch sicher eindeutig zu viel Geld für eine Box, die einem so wenig bietet.

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