Kunst & Fotografie

Frieren für den Kunstgenuss


So..hab ich es also doch noch geschafft. Seit Monaten stehen sich die Leute vor dem Bode-Museum auf der Museumsinsel die Beine in den Bauch: für faszinierende Kunst, die vielleicht so schnell nicht wieder nach Berlin kommt. Seit August läuft nämlich die Ausstellung „Gesichter der Renaissance„, die berühmte Gemälde der alten Meister zeigt: Botticelli, Leonardo da Vinci, Donatello..um nur einige wenige zu nennen. Angereist sind die Bildnisse schöner Frauen und reicher Kaufleute aus Kunstmetropolen wie Paris, Rom, Florenz und New York… An diesem Sonntag geht die Ausstellung zu Ende. Und ich hatte es natürlich mal wieder aufgeschoben: Bisher hatte ich mich vor der großen Schlange gegraust, Bilder aus der RBB-Abendschau, wo Besucher teilweise bis zur nächsten S-Bahn-Station standen (und die ist nicht gleich um die Ecke..) hatten unter anderem dazu beigetragen. Aber nun gut. Heute habe ich mir schließlich doch ein Herz gefasst und mich auf den Weg gemacht.

Als ich ankam, war der Andrang tatsächlich schon enorm, die Besucherströme schlängelten sich bis über die Brücke, die zum Bode-Museum führt. Eine Museumsordnerin in orangefarbener Weste lief umher und verkündete: „Im Moment ist die Kasse zu. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Sie heute noch reinkommen. Kommen Sie am besten morgen früh ab 10 Uhr wieder.“ Nochmal Fahrgeld investieren, um dann morgens wiederzukommen? Keine Lust. Wie sagt man so schön: Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Das sahen die Wartenden um mich herum wohl auch so. Keiner machte Anstalten, zu gehen.

Zum Glück hatte ich eine Buchlektüre dabei, die mich ein bisschen vom Gewarte in der Kälte ablenkte. Raymond Chandlers düstere Kriminalstory passte zufälligerweise außerdem perfekt zu dieser pessimistisch angehauchten Wartestimmung. Um mich herum wurde mal wieder (typisch Berliner!) rumgemotzt: „Was is’n das hier? Is‘ doch alles schlecht organisiert! Und die Vip-Tickets gibts och nich mehr. Sauerei!“, brummelte ein älterer Herr mit Regencape. Zwei Frauen hinter mir tauschten sich derweil über vergangene Museums-Warte-Erlebnisse aus: „Weißte noch bei Frida Kahlo? Mann! Was haben wir da angestanden! Das ging ja keinen Zentimeter vorwärts! Und dann erst bei den Franzosen! Dann werden wir das jetzt auch schaffen!“ (zur Erklärung: bei der Frida Kahlo-Ausstellung letztes Jahr standen die Leute teilweise schon früh morgens um 7 oder bis in die späten Abendstunden an, um dann doch nicht rein zu kommen, ebenso bei der Impressionismus-Ausstelllung 2007) Mann! Da hatte ich ja wirklich hartgesottene Mitwartende! Respekt. Zu diesen beiden Ausstellungen hatte ich es nämlich genau deswegen nicht geschafft, schlicht aus dem Grund, weil ich keine Lust auf ewiges (und dann vielleicht sogar vergebliches) Warten hatte.

Doch dann, vielleicht nach einer halben oder dreiviertel Stunde, ging’s tatsächlich voran! Hatte die Kasse wohl doch wieder früher geöffnet, als angekündigt. Also schnell Ticket gekauft, zur Garderobe und dann – wieder warten. Diesmal aber immerhin im Warmen. Es dürfen nämlich immer nur eine bestimmte Anzahl an Personen in die Ausstellung, vermutlich um die Kunstwerke nicht zu beeinträchtigen (Luftfeuchtigkeit und so..), wie im Bürgeramt werden auf kleinen Bildschirmen die Ticketnummern angezeigt, denen der Einlass gewährt wird. Meine Nummer war natürlich noch nicht dran. Also machte ich mich schon mal mit dem ultraschicken iPod-Museumsguide vertraut…

Eine halbe Stunde später war’s dann soweit. Endlich rein! Und das Warten hatte sich wirklich gelohnt. So viele Meisterwerke wird man wohl nicht so schnell wieder miteinander vereint betrachten können! Vor allem die Porträts, die in Florenz entstanden, (und dort teilweise in den Uffizien zu sehen sind) haben mir sehr gut gefallen. Einzig nervig war, dass die Ausstellungsräume ziemlich überfüllt waren und man sich teilweise ziemlich durchdrängeln musste, um überhaupt was zu sehen. Auch der eigentliche Publikumsmagnet der Ausstellung, die Dame mit dem Hermelin, hatte  ja schon im Oktober ihren Heimweg frühzeitig angetreten und konnte so nur auf dem kleinen iPod-Bildschirmchen begutachtet werden. (Ich muss hier wohl nur am Rande erwähnen, was da besuchertechnisch wieder los war, in der Nacht vor ihrem Abtransport…kilometerlange Schlange!)

Insgesamt eine sehr lohnenswerte Ausstellung. Freue mich, dass ich es noch einigermaßen schnell reingeschafft habe. Wer jetzt vor Sonntag noch reinwill, sollte vermutlich schon mal Schlafsack und Zelt mitbringen! Vor dem Bode-Museum werden sich garantiert wieder dramatische Szenen abspielen…

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