Literatur Theater & Musik

„Geld ist alles. Geld ist Leben!“ – Die Kameliendame in der Volksbühne

Wer liebt, muss zahlen. In der Neubearbeitung der „Kameliendame“, die der Regisseur Clemens Schönborn in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz wieder auf die Bühne gebracht hat, spielt Geld die Hauptrolle. Schon bereits in der ersten Szene sieht man Marguerite Gautier, die Lebedame und Edelprostituierte, die ihren Spitznamen wegen ihrer Vorliebe für Kamelien trägt, ihre Dollarscheinchen zählen und in einem Geheimversteck unter der hölzernen Bühne verstauen. Einer ihrer Freier bettelt sie verzweifelt an, doch einen Abend mit ihm in der Oper zu verbringen: „Damit alle sehen, dass ich Sie mir noch leisten kann!“ Doch Marguerite bleibt hart. Nur wer ihr finanziell etwas bieten kann, darf die Nacht mit ihr verbringen – bis sie sich plötzlich selbst in einen jungen Verehrer zu verlieben beginnt…

Sophie Rois (bekannt aus vielen deutschen Filmen, zuletzt etwa aus Tom Tykwers „Drei“) spielt die geldgierige Kurtisane Marguerite mit ebenso viel Energie und Spielfreude wie mit einer gehörigen Portion Witz. Wenn sie minutenlang ihre schwindsüchtigen Hustenanfälle bekommt, röchelt und sich kaum noch auf den Beinen halten kann, wirkt das Geschehen plötzlich sehr absurd und lässt einen auflachen. Auch wie eine zarte und zierliche Person wie Sophie Rois eine derartig biestige Präsenz auf der Bühne haben kann und plötzlich aus tiefer Verachtung heraus „Arschloch“ faucht, ist einfach nur sehr erstaunlich und macht Spaß anzusehen.

Das ganze Stück wird immer wieder durch den Chor und vor allem durch ein kleines Salonorchester aufgelockert, die direkt hinter den Schauspielern sitzen und das Geschehen teilweise kommentieren, teilweise zur Illusionsdurchbrechung sogar direkt von den Figuren angesprochen werden. Einer der Hauptdarsteller, Kai Ingo-Rudolph, der den jungen Liebhaber der Kameliendame spielt, beeindruckt mit seinem Gesangstalent, wenn er selbst während er ein Frühstücksei für seine Angebetete kocht, verliebt seine Arien vor sich hin trällert.

Schönborns Stückfassung kommentiert mit der Allgegenwärtigkeit von Geld und letztendlich mit der Frage, wofür sich eine extravagante Frau wie Marguerite letztendlich entscheidet – für Geld oder für ihre große Liebe – in erster Linie die ständige Gier nach Konsum in der heutigen Gesellschaft. Ständig geht es nur um Umsatzzahlen und wie man sich am besten verkauft, um größtmöglichen Erfolg im Leben zu haben. Marguerite scheitert letztendlich daran, dass sie sich zwar für kurze Zeit aus ihrem Pariser Luxusleben verabschieden kann, um ein einfacheres und vor allem gesunderes Leben mit einem lieben, aber wenig zahlungskräftigen Mann zu verbringen. Allerdings holt sie ihre Geltungssucht ein – sie kann ihr altes Leben nicht einfach hinter sich lassen. Zu tief ist die Gier nach Extravaganzen in ihr verankert. Als sie wieder in ihr altes Leben zurückkehren will, ist der Weg längst verschlossen. Niemand interessiert sich mehr für sie, ihre früheren Freier haben sich andere, unverbrauchte Damen zur Vergnügung gesucht. Marguerite stirbt – wieder mal minutenlang röchelnd und nach Luft japsend – einsam, mittelos und mit gebrochenem Herzen. In ihren Schlussworten wiederholt sie die Essenz, die Botschaft, die sich durch das ganze Stück zieht: „Geld ist alles. Geld ist Leben!“

Meiner Meinung nach hat Regisseur Clemens Schönborn hier auf jeden Fall eine gelungene, unterhaltsame Adaption des berühmten Romans von Alexandre Dumas abgeliefert. Die Schauspieler blühen in ihren Rollen auf, die Musikuntermalung lockert das Stück auf und nicht zuletzt ist auch die Einbindung von modernen Elementen gut gelungen. Der doch sehr meckerigen Theaterkritik, die das Stück förmlich verrissen hat (z.B Frankfurter Rundschau: „Ein Brühwürfel, der im Glas mit heißem Wasser landet, sich auflöst, Würze vortäuscht, aber einfach nur ziemlich fade schmeckt.“) kann ich mich nicht anschließen. Ich hatte jedenfalls einen anregenden Theaterabend. 🙂

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    2 KOMMENTARE

  • Unterwegs in Sachen KUNST 27. Dezember 2011 Reply

    Kling vielverspreched; nach „state of the art“ – wie lange wird das Stück gespielt? Herzliche Grüße:)

  • sommerdiebe 27. Dezember 2011 Reply

    Hey,

    das Stück lief schon das ganze Jahr über – und wird auch 2012 noch gespielt. Am 14.01 zum Beispiel 😉

    Liebe Grüße!

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