Film

Rainer Werner Fassbinders BRD-Trilogie – Teil 1: Die Ehe der Maria Braun (1979)

Die BRD-Trilogie

Die sogenannte BRD-Trilogie, bestehend aus den Spielfilmen Die Ehe der Maria Braun (1979), Lola (1981) und Die Sehnsucht der Veronika Voss (1982), zählt zu Fassbinder bekanntesten Werken. In den drei lose miteinander verbundenen Teilen stellt er jeweils eine andere Frauenfigur in das Zentrum der Handlung. Die drei Frauen kämpfen um ihre Existenz, versuchen auch angesichts der Widrigkeiten des Lebens ihre Stärke zu bewahren – was ihnen mehr, manchmal aber auch weniger gelingt. Fassbinders BRD-Trilogie ist ohne Zweifel auch als Statement zur politischen Lage Deutschlands zu sehen. Kernfragen sind stets:  Wie verändert ein Weltkrieg eine Gesellschaft? Und vor allem: Wie prägen die daraus resultierenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen den Einzelnen? Die Antworten fallen bei Fassbinder bitter aus: Korruption, gnadenlose Selbstsüchtigkeit und nicht zuletzt die Isolation des Einzelnen werden schonungslos offengelegt. Geld regiert die Welt – und nicht zuletzt scheint das Credo aller Figuren zu sein: Bloß die eigenen Gefühle zurückzustecken, denn Wohlstand währt am längsten..oder etwa doch nicht?

Anlässlich des 30. Todestages des großen deutschen Ausnahmeregisseurs Rainer Werner Fassbinder lest ihr in einer kleinen Serie drei Texte zu seinem Hauptwerk, der BRD-Trilogie. Den Anfang mache ich heute mit dem Film Die Ehe der Maria Braun, der Fassbinder internationale Anerkennung in der Filmwelt einbrachte.

Die Ehe der Maria Braun (1979)

Den Anfang der Trilogie macht Maria Braun, die inmitten der Wirren des Zweiten Weltkriegs, heiratet und ihren Mann nach nicht mal einem Tag schon wieder verabschieden muss, da er zur Front einberufen wird. Nach dem Krieg erfährt sie durch einen Bekannten, dass ihr Mann verstorben ist – und beginnt kurzerhand sich eine eigene Existenz aufzubauen. In einer Kneipe, in der viele US-Amerikaner verkehren, lernt sie den charmanten Soldaten Bill kennen und stürzt sich in eine leidenschaftliche, aber gleichzeitig doch sehr berechnende Liaison (denn: „Es ist eine schlechte Zeit für Gefühle.“) Doch, oh Schreck, eines Tages steht plötzlich ihr Ehemann Hermann im Schlafzimmer…was nun? Kurzerhand bringt sie ihren Liebhaber um. Hermann nimmt die Schuld auf sich und geht für sie ins Gefängnis. Maria entwickelt sich in der Folge zu einer unabhängigen und nicht zuletzt selbstsüchtigen Geschäftsfrau, die ihr ganzes Leben auf das Streben nach Wohlstand und gesellschaftlichen Status ausrichtet.

Selbstbewusste Geschäfts- und Ehefrau: Maria Braun (Hanna Schygulla)

Hanna Schygulla, eine der wichtigsten Schauspielerinnen in Fassbinders ständigem Ensemble, hatte sich eigentlich geweigert, erneut mit ihm zusammenzuarbeiten, ließ sich allerdings schließlich doch noch zum Dreh überreden. Zum Glück! Denn sie liefert eine sehr intensive und nicht zuletzt sehr glaubwürdige darstellerische Leistung ab. Mit viel Spannung verfolgt man als Zuschauer die Wandlung ihres Charakters von der naiven, treuen Ehefrau zur skrupellosen Geschäftsfrau, die weiß, was sie will – und ihre Ziele mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen versucht. Als sie etwa aus rein finanziellen Motiven eine Affäre mit einem Unternehmer eingeht, stellt sie gleich von Anfang selbstbewusst fest, dass sie immer noch die Zügel in der Hand hält: „Ich möchte nicht, dass Sie denken, Sie haben was mit mir. Denn die Wahrheit ist, dass ich was mit Ihnen habe.“

Geradezu zynisch mutet schließlich das Ende dieser patenten Frauenfigur an. Gerade, als sie alles erreicht haben zu scheint – sowohl privates als auch geschäftliches Glück – wird ihre Existenz jäh durch ein Missgeschick zerstört. Heim und Herd, ihr mühsam aufgebautes Leben in Wohlstand geht im wahrsten Sinne des Wortes in Flammen auf  und lässt nichts anderes zurück als Ruß und Rauch. Während des Niedergangs dieser einprägsamen Protagonistin gewinnt die deutsche Nationalmannschaft die Fußball-WM. „Toor, Toor, Tooor!“, schallt es aus den Fernsehern und Radiogeräten der Bundesrepublik. Gerade zum Zeitpunkt, als Deutschland als Nation wieder an Selbstbewusstsein und Stolz gewinnt, lässt Fassbinder seine Hauptfigur zugrunde gehen. Allein schon aufgrund dieses fulminanten Filmendes ist dieser erste Teil der Trilogie ohne Zweifel sehenswert – und ein faszinierender Auftakt zur BRD-Trilogie!

Und nächste Woche? Da geht es  weiter mit einer ausführlichen Rezension zum 2. Teil der BRD-Trilogie – der bissigen Gesellschaftssatire Lola! Freut euch drauf!

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