Film

Rainer Werner Fassbinders BRD-Trilogie – Teil 2: Lola (1981)

Die BRD-Trilogie

Lola, der zweite Teil der sog. BRD-Trilogie von Rainer Werner Fassbinder, unterscheidet sich schon auf den ersten Blick von seinem Vorgänger, dem Melodram Die Ehe der Maria Braun – von dem ich letzte Woche berichtete. Allein schon die Aufmachung! Kam der erste Teil der Trilogie noch recht düster und in recht dunklen Bildern daher, geht bei Lola eine regelrechte Farbexplosion vonstatten! Die starke weibliche Protagonistin Lola (Barbara Sukowa), die lapidar als „schärfste Hure der Stadt“ betitelt wird, leuchtet stets in bonbonigen Rot- und Rosatönen und auffälligen Glitzerkleidchen.

Thematisch dreht es sich um Fassbinders Lieblingsmaterie – Korruption, und wie jeder Einzelne versucht, ein Stück vom großen Machtkuchen abzubekommen. Angeführt wird das Gerangel um Einfluss von dem schmierigen Bauunternehmer Schuckert (Mario Adorf), der mit seiner undurchsichtigen Art jedes noch so kleine Geschäft in seiner Heimatstadt in der Hand hat, auch das Bordell, in dem die attraktive Lola arbeitet. Doch da betritt der neue Baudezernent, der aufrichtige und korrekte von Bohm (Armin Mueller-Stahl) die Bühne – und scheint die sorgsam eingerichtete korrupte Idylle mit seiner Art komplett durcheinanderzubringen! Schnell durchschaut er die Spielchen, die in dieser Stadt unter der Hand betrieben werden.

Lola (Barbara Sukowa)

Derweil fühlt sich Lola auf seltsame Art und Weise von ihm angezogen. Ein Mann, der nach moralischen Grundsätzen handelt und tatsächlich uneigennützige Entscheidungen fällt?! Keine Frage, diesen Mann möchte sie einer Prüfung unterziehen – und vor allem reizt es sie, von dem ach so korrekten und unvoreingenommenen Gentleman tatsächlich mal als anständige junge Dame betrachtet und nicht bloß auf ihre körperlichen Reize reduziert zu werden. Einmal ein Mensch sein – und nicht bloße Ware! Ihre Avancen haben Erfolg. Bei sonntäglichen Ausflügen ins Umland kommen sich von Bohm und Marie-Luise, wie Lola sich bei ihm nennt, immer näher. Doch es kommt, wie es kommen muss: durch einen Rachefeldzug eines enttäuschten Schuckert-Mitarbeiters erfährt von Bohm von dem wahren Leben seiner liebgewonnenen Herzensdame. Demoralisiert und zutiefst enttäuscht greift er zu dem äußersten Mittel, das er kennt: Er sammelt Material, um Schuckerts Machenschaften ein für alle Mal auffliegen zu lassen…

Interessante Farbgestaltung: von Bohms Welt stets in blau, Lolas in rot. In dieser Einstellung prallen die Welten aufeinander…

Rainer Werner Fassbinders Lola ist ohne Zweifel eine unglaublich bittere Gesellschaftssatire, die die dunklen Seiten der sogenannten „Wirtschaftswunderjahre“ der 1950er Jahre aufzeigt. Doch wer hier mit eintöniger Schwarzmalerei rechnet, hat falsch gedacht. Auch „Bösewichte“ wie der windige Geschäftsmann Schuckert wirken keineswegs unsympathisch und werden mit einem feinen, scharfzüngigen Humor auf eine Art und Weise charakterisiert, die viel Freude beim Anschauen des Films bereitet. Barbara Sukowa verkörpert die Lola mit Bravour. Ihre Rolle wird nicht, wie man bei der Handlungszusammenfassung denken könnte, auf ihre bloße Tätigkeit als Animierdame reduziert, sondern zeigt in ihren durchaus wohlüberlegten Handlungen eine gehörige Portion Intelligenz und Esprit.  Neben herausragenden schauspielerischen Leistungen glänzt Lola vor allem wieder durch die Sorgfalt und den Ideenreichtum seines Regisseurs: jede Einstellung in diesem Film ist gründlich durchdacht und bis ins Feinste durchkomponiert. Ein weiterer Grund also, diesen zweiten Teil der Trilogie auf keinen Fall zu verpassen.

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Und weil dies so ist, lest ihr nächste Woche einen Text über den dritten und letzten Trilogie-Teil: Die Sehnsucht der Veronika Voss! Schaut vorbei!

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