Literatur

Sommerlektüre

Sommerdiebe heißt mein Blog und derzeit habe ich wirklich das Gefühl, ein paar fiese Menschen haben den Sommer mitgehen lassen… Es vergeht fast kein Tag, an dem es nicht mindestens einmal (und dann in Strömen!) regnet. Sonne? Liegewiese? Freibad? Nix da. Umso besser also, wenn man das eine oder andere lesenswerte Buch zur Hand hat. Drei kleine Lektürevorschläge, die allesamt äußerst fesselnd, kurzweilig, aber auch nicht ohne Anspruch sind, unterbreite ich euch jetzt! Auch damit diesem ewigen Gerede über das Wetter endlich ein Ende bereitet wird. Denn, wie sagt der gute Oscar so schön: „Conversation about the weather is the last refuge of the unimaginative!“ Also, los da. Lesen, liebe Leute! Das Wetter kann uns mal!

Yasmina Reza: Der Gott des Gemetzels

Yasmina Rezas Theaterstück diente als Vorlage zu Roman Polanskis gleichnamigen Film, der im letzten Winter für viel Aufsehen sorgte. In einem Pariser Wohnzimmer zerfleischen sich zwei Ehepaare mit Worten – und das nur, weil sich ihre Kinder verprügelt haben und dabei zwei Zähne zu Bruch gingen. Der Schlagabtausch zwischen den beiden Elternparteien entfaltet eine derartige Spannung, dass man dieses Buch eigentlich nur in einem Zug lesen – und unmöglich vorher beiseitelegen kann! Packend, teilweise schockierend, aber auch herrlich komisch – eine wunderbare Lektüre also. Danach kann man sich getrost die filmische Adaption von Polanski angucken, die dem Theaterstück von Yasmina Reza in nichts nachsteht!

Jan Peter Bremer: Der amerikanische Investor

Schreibblockade! Jeder, der sich privat oder beruflich mit Worten beschäftigt, kennt das. So auch der Schriftsteller, den Jan Peter Bremer in seinem neuen Roman beleuchtet. Tag für Tag sitzt er in seiner stickigen Altbau-Wohnung, ringt um jedes Wort – und denkt dabei viel nach. Denn nicht nur die Arbeit an seinem Manuskript belastet ihn. Ein unbekannter amerikanischer Investor ist dabei, das Mietshaus, in dem er mit seiner Familie wohnt, von Grund auf zu sanieren – und nun senken sich die Böden ab, die Risse in den Wänden vergrößern sich. Wie soll man da arbeiten? Kurzerhand beschließt der nervlich sowieso schon sehr angeschlagene Schriftsteller dem amerikanischen Investor einen Brief zu schreiben…
Jan Peter Bremers Roman ist mit einem zwar eigenartigen, aber ohne Frage sehr feinsinnigen Humor ausgestattet. Der Protagonist mit seinen merkwürdigen, beinahe absurden Gedankengängen wächst einem schnell ans Herz. Ganz nebenbei teilt der Roman einen charmanten Seitenhieb auf die tatsächliche immer mehr um sich greifende Gentrifizierung in Berliner Bezirken wie z.B. Kreuzberg aus. Eine sehr humorvolle und kurzweilige Lektüre.

Thomas Mann: Der Tod in Venedig

Auch die Weltliteratur darf in diesem Artikel natürlich nicht zu kurz kommen! Literaturnobelpreisträger Thomas Mann hat neben seinen Hauptwerken „Buddenbrooks“ und „Der Zauberberg“ auch kürzere Erzählungen verfasst, die einen guten Einstieg in sein Werk bieten. In „Der Tod in Venedig“ schildert Mann, wie der alternde Schriftsteller Gustav von Aschenbach nach einem Leben voller Disziplin kurzentschlossen eine Reise in die Lagunenstadt unternimmt. Hier verfällt er nicht nur dem schönen Jüngling Tadzio, sondern auch der einmaligen Faszination, die von der dem Untergang geweihten Stadt ausgeht. Aschenbach gerät in einen gefährlichen Sog aus Dekadenz und Todessehnsucht, dem er schließlich nicht mehr standhalten kann. Dies alles schildert Thomas Mann mit einer enormen Sprachgewalt und mithilfe zahlreicher mythologischer Anspielungen. Sicher nicht die leichteste Lektüre, darüber hinaus sehr melancholisch und düster – aber das passt wiederum ja auch wieder zum diesjährigen Sommer.

Damit also, viel Spaß beim Lesen! Freu mich über Kommentare – und natürlich auch über eure Lesevorschläge.

Bis bald,

eure Deborah

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