Film

Plan 9 from Outer Space (1959)

plan9

Soso. Das ist also der angeblich „schlechteste Film der Welt“ vom „schlechtesten Regisseur aller Zeiten“. Filmfans schmeißen ja gerne mal mit Superlativen um sich, wenn es um die Bewertung von Filmen geht. „Plan 9 from Outer Space“, 1959 von Ed Wood mit einem Minimal-Budget von gerade mal 60.000 $ abgedreht, trägt dieses Etikett. Doch dennoch wird der Film in weiten Teilen der internationalen Cineastengemeinde als Kultfilm gefeiert. Ist der schlechteste Film aller Zeiten also doch sehenswert? Und vor allem: Was ist an ihm so unsagbar schlecht, dass er scheinbar schon wieder gut ist? Ich habe all meinen Mut zusammengenommen, das Experiment gewagt und mir den wohl übelsten Streifen der Filmgeschichte zu Gemüte geführt…

Dilettantismus ist Reinform. Anders kann man Plan 9 from Outer Space wohl in Kürze nicht beschreiben. Die Handlung: an den Haaren herbeigezogen. Aliens versuchen verzweifelt die Menschheit von dem Bau einer für das ganze Universum fatalen Solarbombe abzubringen – und greifen dabei – gezwungenermaßen, denn die Erdlinge ignorieren sie einfach – zu immer drastischeren Maßnahmen. So instrumentalisieren sie schließlich Untote, um die Menschheit zu erschrecken und von ihren Plänen abzubringen. Punkt. Wirklich logisch ist das alles nicht, soll es aber vielleicht auch gar nicht. Oder aber man sollte es – zum eigenen Schutz – lieber gleich verdrängen!

Weiter geht es mit den sogenannten „Effekten“, die ihren Namen wirklich nicht verdient haben. Ufos mit deutlich sichtbaren Schnüren sausen durch’s Bild, mittendrin werden Archivaufnahmen der US-Army reingeschnitten, die Schauspieler sind mit wenig Enthusiasmus bei der Sache und sprechen die sowieso schon äußerst hölzernen Dialoge ohne jegliche Betonung in die Kamera, teilweise werfen sie Blicke zur Seite, vermutlich um vom Skript abzulesen. Dazu, Anschlussfehler soweit das Auge reicht, Stümpereien, die bei einem Film wirklich nicht passieren dürften (Mikrophone ragen ins Bild, die Kulisse wackelt – huch, war da ein Grabstein aus Pappe? Den hat wohl gerade ein Schauspieler umgeworfen…).

Aliens vs. Zombies – im sogenannten „Ufo“ (SIEHT man das etwa nicht?)

Plan 9 from Outer Space kann man sich als Zuschauer wohl wirklich nur mit einer großen Portion Ironie ansehen, andererseits ist man angesichts solcher Amateuraufnahmen wirklich verloren. Dies ist vielleicht auch gerade der Reiz, den der Film ausübt: dieses jegliche Fehlen von Perfektion, dass man in heutigen Filmen so selten (zumindest nicht in dem Ausmaß!) findet. Vielleicht auch die Künstlichkeit, die in jeder noch so kleinen Szene steckt. „Hallo – du guckst einen Film. Und dazu einen, in dem wirklich rein gar nichts so funktioniert, wie es soll“, scheint Ed Woods Trashklassiker laufend zu schreien.

Und dabei war sich Ed Wood der mangelhaften Qualität anscheinend nicht mal bewusst! Er selbst soll bei der Premiere zu Plan 9 from Outer Space vollmundig verkündet haben: „Mit diesem Film gehe ich in die Geschichte ein.“ Er sollte recht behalten. Anders als von ihm allerdings erhofft, sollte er sich jedoch als „schlechtester Regisseur aller Zeiten“ ein Plätzchen in der Filmhistorie sichern. Trash-Fans aus aller Welt verehren seine Filme auch nach über 50 Jahren nahezu kultisch und haben es sich längst zum Hobby gemacht, den Film nach weiteren Fehlern abzusuchen – auch eine Aufgabe! Allein IMDB listet 78 Goofs auf. Andere lassen es mit der Sichtung lieber gleich und wenden sich lieber hochwertigeren Filmproduktionen zu.

Zweitgenannte Reaktion liegt zwar nahe, andererseits macht es auch unsagbar viel Spaß, sich etwa über die doch sehr hanebüchenen Dialoge und das grottenschlechte Schauspiel zu amüsieren. Plan 9 from Outer Space wirkt wirklich so, als hätte ein 12-jähriger (filmbegeisterter, das muss man Ed Wood lassen) Junge seinen Traum von einem richtigen Horror-Sci-Fi-Film zu verwirklichen versucht – mit seinem Taschengeld! Einerseits, sieht man, was dabei herauskommt, andererseits überkommt man stückweit auch Sympathie für einen derartigen Idealisten, der sich von Geldmangel nicht davon abbringen ließ, einen Film zu drehen. Ob einem das Endergebnis nun gefällt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Ohne Frage ist Plan 9 from Outer Space jedoch ein eindrückliches Dokument wie man es – völlig unbeabsichtigt  – schafft einen grottenschlechten Film zu drehen. Und dafür später sogar auch noch gefeiert zu werden! Ist das nicht auch irgendwie Kunst?

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    2 KOMMENTARE

  • David 10. August 2012 Reply

    Solche Filme muss es doch auch geben. Ich find das lustig. Ich meine die SciFi Serie Raumpatrouille Orion war doch auch so. Weil es so schlechte Effekte waren, wurde es ein Kult oder?
    Und die Story, muss ich sagen, find ich ganz süß! Menschen ignorieren die Aliens, obwohl die durchs All fliegen. Ein süßer Ansatz wie ich finde. Und zum ungewollten Lustig sein: Wenn ich mir manch andere Zombiefilme ansehe, muss ich auch oft lachen – bedenke nur, du müsstest dich derart bewegend durchs Bild schleichen 😀 …

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