Literatur

Literatur in 300 Wörtern (4): Judith Hermann – Nichts als Gespenster

Mittlerweile geht meine Literatur-Serie schon in die vierte Runde. Ich halte tatsächlich gut durch bisher. Juhu! 🙂 Beim grauen Novemberwetter draußen braucht man auf jeden Fall guten Lesestoff. Einen Lektürevorschlag für einen gut geschriebenen Kurzgeschichtenband unterbreite ich euch hier: Judith Hermanns „Nichts als Gespenster“.

Inhalt in 3 Sätzen:

Judith Hermanns Erzählband rückt Figuren in den Fokus, die mitten im Leben stehen, aber doch noch nicht so wirklich angekommen sind. Ob im verschneiten Island, in der Wüste Nevadas, in den engen Gassen Venedigs oder irgendwo in der ostdeutschen Provinz – immer werden die Protagonisten vor Entscheidungen gestellt. Es sind Entscheidungen, vor denen sie zunächst davonlaufen wollen, die früher oder später aber unausweichlich werden…

Lieblingszitat:

 „Ruth sagte „Versprich mir, dass du niemals etwas mit ihm anfangen wirst.“ Ich erinnere mich, wie sie aussah dabei. Sie saß auf dem Stuhl am Fenster, die nackten Beine hochgezogen, sie hatte geduscht und sich die Haare gewaschen, sie trug nur ihre Unterwäsche, ein Handtuch um den Kopf geschlungen, ihr Gesicht sehr offen, groß, sie sah mich interessiert an, eher belustigt, nicht ängstlich. Sie sagte „Versprich mir das, ja?“, und ich sah an ihr vorbei aus dem Fenster, auf das Parkhaus auf der anderen Straßenseite, es regnete und wurde schon dunkel, die Parkhausreklame leuchtete blau und schön, ich sagte „Also hör mal, warum sollte ich dir das versprechen, natürlich fange ich nichts mit ihm an“. Ruth sagte „Ich weiß. Versprich es mir trotzdem“, und dann sah ich sie wieder an, sie hätte es nicht sagen sollen.“ (Aus: „Ruth“)

Judith Hermanns Erzählungen sind auf jeden Fall lesenswert. Sie entwickelt interessante Figuren, die sich nicht selten in Gewissenskonflikten oder Situationen des Umbruchs befinden. Soll Caro ihr Versprechen (s.o.), dass sie ihrer besten Freundin Ruth gegeben hat, wirklich brechen – und damit eine lebenslange Freundschaft aufs Spiel setzen? Wie soll Marion ihren fürsorglichen Eltern – ohne ihre Gefühle zu verletzen – endlich klar machen, dass sie mittlerweile ihr eigenes Leben lebt? Und werden es Felix und Ellen auf einer Reise quer durch die USA schaffen, das eisige Schweigen zwischen ihnen zu brechen und wieder eine glückliche Beziehung zu führen?

Dieses Buch ist interessant für Leser, die sich für Zwischenmenschliches interessieren. Judith Hermanns Figuren sind in ihrer Verlorenheit und letztlich auch Unentschlossenheit, mit der sie sich selbst im Weg stehen, sehr authentisch und gut beobachtet.

Und sonst so? Die gleichnamige Verfilmung (Regie: Martin Gypkens) ist sehr sehenswert und eine von wenigen Literaturverfilmungen der letzten Jahre, die ich mit gutem Gewissen weiter empfehlen kann. Eindrucksvolle Bilder, gute Schauspieler (u.a. August Diehl, Fritzi Haberlandt..etc.) – gelungene Umsetzung!

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  • Was für ein inspirierender #Instawalk vorhin im Deutschen Historischen Museum. Hier ist jetzt eine Ausstellung zur Russischen Revolution 1917 angelaufen. Ein paar ausgewählte Blogger/Instagrammer/ Twitterer ..whatever..durften heute an einer exklusiven Kuratorenführung teilnehmen. Danke für die Einladung, @dhmberlin, hat Spaß gemacht! :) .
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  • Sonntags ins Museum, kann man doch auch mal wieder machen. Vor allem, wenn es sich um so ein Schönes handelt. Und #Picasso geht eigentlich auch immer.
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  • #buchpassion Challenge, heute mal kurz und knackig. Mein Lieblingsautor? Truman Capote selbstverständlich! ;)
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  • Schon Tag 4 bei #buchpassion von @kaprizioesblog.
Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
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  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
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  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
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