Film

Wer bestimmt, wann wir ins Kino gehen?

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Die Entscheidung ins Kino zu gehen und sich einen Film anzuschauen, ist eine ganz Grundsätzliche geworden: Die weitgehende Etablierung von großen LED- und Plasma-Fernsehgeräten in den Wohnzimmern, unterstützt von einer breiten Front an günstigen HD-Beamern hat das Kino immer mehr in die eigenen vier Wände verlagert. Unterstützt wird dieses Phänomen durch die ständige Verfügbarkeit von unzähligen DVDs und Blu-Rays. Verschwindet ein Film aus dem Kino, taucht er oft nur wenige Wochen später in der Videothek um die Ecke wieder auf – so er nicht ohnehin schon im Internet steht und tausendfach heruntergeladen wird.

Die aktuelle Situation täuscht darüber hinweg, dass diese Verlagerung des Kinos ins Wohnzimmer ein relativ neues Phänomen ist: Die Generation unserer Eltern war es gewohnt, teilweise mehrere Male pro Woche ins Kino zu gehen und einen Film zu schauen. Viele Paare der damaligen Zeit haben sich im Kino erst kennen gelernt. Und zahlreiche Filme der 1970er und 80er Jahre sind überhaupt nur vor dem Hintergrund einer breiten Bereitschaft des Ins-Kino-Gehens erklärbar: Für Italo-Western oder Prügelfilme würde heute vermutlich nur noch eine Minderheit ins Kino gehen. Diese Art von Nischenfilmen, so sie nicht in den Bereich Arthouse fallen, finden sich heute nur noch in den endlosen Regalen der Videotheken wieder. Ein Tag – ein Euro.

Umso interessanter ist die Frage, was uns heute dazu bringt, noch ins Kino zu gehen. In der Süddeutschen Zeitung war gestern ein interessanter Artikel über die Zuspitzung des amerikanischen Kino-Marketings auf das Startwochenende zu lesen. Mit maximalem Einsatz wird versucht, ein „Total-Awareness-Buyout“ zu betreiben. Kurz: Man kann nicht mehr durch die Stadt gehen, ohne dass einem die Werbung für den Film auf Schritt und Tritt verfolgt. Ziel ist es dabei, dass die Leute am Startwochenende ins Kino gehen. Denn der Erfolg dieser Tage wird als Indikator dafür genommen, in wie vielen Sälen der Film in der Folgezeit noch laufen wird. Enttäuscht der Film von den Zuschauerzahlen, wird die Zahl der Säle und Vorführungen radikal zusammengestrichen, nach wenigen Wochen läuft der Film kaum noch.

Diese Art des Marketings ist natürlich sehr teuer und lohnt sich nur – und selbst dort längst nicht immer – für sehr große Produktionen. Ein gutes Beispiel war der letzte Bond-Film, der über eine breite Front von Kanälen und auch über Nischen wie die Filmmusik oder ein extra herausgebrachtes Parfüm promotet wurde.

Wer entscheidet, ob wir uns einen Film anschauen? Ich glaube, in erster Linie sind es Personen oder Medien, denen wir vertrauen. Wenn ich eine positive Filmkritik eines Mediums lese, welches ich schätze, dann ist dies häufig der erste Schritt in Richtung Kino. Es folgt die kritische Betrachtung des Trailers am heimischen Bildschirm. Man ahnt gar nicht, wie viele schlecht geschnittene oder schlicht langweilige Trailer es für aktuelle Kinofilme immer noch gibt.

Nach dem „Trailer-Test“ folgt ein kurzer Blick in die allgemeine Bewertungs-Landschaft. Die IMDB-Wertung wird herangezogen, bei amerikanischen Filmen ist auch ein Blick auf Meta-Kritik-Portale wie rottentomatoes.com hilfreich. Und dann sind da natürlich noch die Freunde, welche den Film vielleicht schon gesehen haben. Hat die Person einen ähnlichen Filmgeschmack wie ich und geht der Daumen in die falsche Richtung, dann gehe ich häufig nicht in den geplanten Film, sondern in einen anderen. Vielleicht im Kino, vielleicht aber auch zuhause auf dem Sofa.

Es ist diese Vielzahl an kleinen Elementen, die zur Entscheidung führen, ins Kino zu gehen oder eben nicht. Diese Verhaltensweisen zu erforschen und die Filmwerbung mittels Social Media noch gezielter auf einen bestimmten Personenkreis zuzuschneiden gehört mit Sicherheit zu den größten Herausforderungen der Filmbranche in den nächsten Jahren. Damit auch in Zukunft am Startwochenende der Saal nicht leer bleibt.

Lukas

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