Literatur

Literatur in 300 Wörtern (7): Wolfgang Herrndorf – Tschick

TschickAls Literaturstudent liest man sehr viel Klassiker – und verliert dabei zugebenermaßen oft leider völlig die Literatur der heutigen (!) Zeit aus den Augen. Dies wollte ich ändern, auch damit diese Literatur-Serie schön vielfältig bleibt! Gelesen, ach was! geradezu verschlungen, habe ich Wolfgang Herrndorfs „Tschick“. Nicht mal 4 Tage – und ich hatte es ausgelesen. Wenn das doch mit dem einen oder anderen Klassiker auch so wäre…
Hier lest ihr jedenfalls die mittlerweile schon 7. Folge meiner Literatur-Serie. Viel Spaß!

Inhalt in 3 Sätzen:

Der 14-jährige Maik Klingenberg ist ein echter Außenseiter – seine Klassenkameraden bezeichnen ihn als „Psycho“ und auf die coolste Party des Jahres ist er auch nicht eingeladen. Doch dann kreuzt der neue Mitschüler Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, auf: Russe, Assi, Sonderling. Dieser steht Anfang der Sommerferien plötzlich vor Maiks Tür und die beiden unternehmen mit einem geklauten Auto eine skurrile Fahrt quer durch Ostdeutschland…

Lieblingszitat:

„Clayderman klimperte, und dass er da so klimperte und dazu das eingedetschte Dach, Tschicks zerstörter Fuß und dass wir in einer hundert Stundenkilometer schnellen, fahrenden Müllkippe unterwegs waren, machte ein ganz seltsames Gefühl in mir. Es war ein euphorisches Gefühl, ein Gefühl der Unzerstörbarkeit. Kein Unfall, keine Behörde und kein physikalisches Gesetz konnten uns aufhalten. Wir waren unterwegs, und wir würden immer unterwegs sein, und wir sangen vor Begeisterung mit, soweit man bei dem Geklimper mitsingen konnte.“

Was zunächst wie eine typische 0815-Teenager-Story beginnt, mausert sich schnell zu etwas weitaus Größerem. Wolfgang Herrndorfs Roman um zwei Außenseiter entwickelt eine enorme Sogwirkung – auch wenn man sich alterstechnisch schon deutlich jenseits der 14 Jahre bewegt! „Tschick“ behandelt Themen des Erwachsenwerdens, die einem selbst nur zu gut bekannt vorkommen: das Problem herauszufinden, wer man wirklich ist – ohne sich dabei für andere zu verbiegen. Die erste Liebe. Oder der Wunsch, einfach mal was zu erleben, frei zu sein, das Leben zu genießen – egal, was die anderen dazu sagen!

Die beiden Protagonisten Maik und Tschick brausen mit dem geklauten Lada über Landstraßen und Autobahnen, treffen sonderbare Menschen, erleben skurrile Abenteuer, die einem beim Lesen immer wieder zum Schmunzeln bringen. Wolfgang Herrndorf flicht dabei stets gekonnt Jugendslang ein – kunstvoll, ohne dass es jemals peinlich wirkt. Klar, stellenweise ist das Aufeinandertreffen derart exzentrischer Figuren innerhalb so kurzer Zeit schon etwas unrealistisch. Dieser Kritikpunkt verschwindet aber schnell, denn das muss man dem Roman einfach lassen: er macht unglaublich Spaß! Atemlos folgt man Maik und Tschick auf ihrem bizarren Roadtrip – wie wird das bloß noch enden? Locker flockig zu lesen, herrlich schnoddrige Dialoge, liebenswerte Figuren – was erwartet man mehr von einer kurzweiligen Lektüre?

Dieses Buch ist für Leser, die auf gut geschriebene junge deutsche Literatur stehen. Amüsante Lektüre für Leser von 9 bis 99 Jahren.

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  • #buchpassion Challenge, heute mal kurz und knackig. Mein Lieblingsautor? Truman Capote selbstverständlich! ;)
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  • Schon Tag 4 bei #buchpassion von @kaprizioesblog.
Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
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  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
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  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
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