Literatur

Lieblingsliteraten (1): Sylvia Plath

Nachdem meine „Literatur in 300 Wörtern„-Reihe ja scheinbar ganz gut bei euch Bloglesern ankommt, wird diese ab heute Gesellschaft von einer weiteren Serie bekommen. Denn, was mir in letzter Zeit aufgefallen ist: Oft kommt leider der Mensch hinter dem Werk, die Person, die meist auch sehr Persönliches in ihrer Literatur verarbeitet hat, zu kurz. 300 Wörter sind teilweise einfach doch zu wenig, um sich wirklich ausführlich mit dem Leben und dem Werk eines Autors zu beschäftigen. In der Serie „Lieblingsliteraten“ möchte ich mich etwas breiter über die Schriftsteller auslassen, die mich beeindruckt haben und in meinem Bücherregal längst einen Ehrenplatz erlangt haben. (Aber ich werde mich weiter darum bemühen, mich kurz zu fassen – keine Sorge! ;)) Den Anfang mache ich heute mit Sylvia Plath, die sich bereits vor vielen Jahren mit ihrem Roman „Die Glasglocke“ einen festen Platz in meinem literaturliebenden Herzen erkämpft hat…

Sylvia Plath

Sylvia Plath (* 1932 in Jamaica Plain bei Boston, Massachusetts, † 1963 in London)

Sylvia Plath ist vor allem durch ihre eindringliche Lyrik bekannt, insbesondere durch den posthum veröffentlichten Gedichtband „Ariel“. 1963 wurde ihr einziger Roman „Die Glasglocke“ (Original: The Bell Jar) veröffentlicht – etwa einen Monat nach der Publikation beging Plath Selbstmord. Ihr Roman ist stark autobiographisch gefärbt. Sie verarbeitet unter anderem ihren frühen Weg in den Journalismus und schwere Depressionen, die sie während dieser Zeit durchlebte. In ihren Gedichten sind oft Anspielungen auf ihre problematische Beziehung zu ihrem Ehemann Ted Hughes zu finden. In den 1970er Jahren avancierte „Die Glasglocke“ zu einem Kultbuch, speziell in der amerikanischen Frauenbewegung, da Plaths Roman die Gefühle vieler junger Frauen sehr anschaulich widerspiegelte.

O-Ton:

“I can never read all the books I want; I can never be all the people I want and live all the lives I want. I can never train myself in all the skills I want. And why do I want? I want to live and feel all the shades, tones and variations of mental and physical experience possible in life. And I am horribly limited.”

Warum es sich lohnt, ihre Werke zu lesen

Sylvia Plaths Roman zieht mich schon seit Jahren in seinen Bann. Es ist eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss, und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so anschaulich beschreibt. „Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte selbst durchgemacht hat. Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich selbst zerstört.

Auch wenn Plaths Roman ohne Frage ein Schlag in die Magengrube ist, ist er selbstverständlich sehr lesenswert. Plath entwickelt eine Protagonistin, die zwischen Erwartungsdruck und eigenen Wünschen gefangen ist. Auf der einen Seite möchte sie den Anforderungen, die die amerikanische Gesellschaft der 1950er Jahre an sie stellt, erfüllen – auf der anderen Seite sehnt sie sich nach einem freien und unabhängigen Leben. Plaths Alter Ego Esther Greenwood lebt in einer Zeit, in der es für eine Frau noch nicht selbstverständlich ist, einem Studium nachzugehen oder sich anderweitig kreativ und selbstbestimmt zu entfalten. Ihre Bestrebungen werden eher belächelt, sie solle sich doch lieber einen gut situierten Ehemann suchen, als ihre Zeit „mit Büchern und Pauken [zu] verplempern.“ Diese Zerrissenheit zwischen eigenen und fremden Erwartungen lässt einen nicht los – auch nicht, nachdem man das Buch schon lange wieder zugeklappt hat.

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