Literatur

Lieblingsliteraten (2): Truman Capote

Truman Capote

Der US-amerikanische Schriftsteller Truman Capote ist vor allem durch seine eindrucksvolle Prosa bekannt. Bereits als Jugendlicher verfasste er Kurzgeschichten, die in Zeitschriften veröffentlicht wurden. Mit seinem ersten Roman „Other Voices, Other Rooms“ (Andere Stimmen, andere Räume) gelang ihm schließlich der literarische Durchbruch. Sein eigentliches Romandebüt „Summer Crossing“ (Sommerdiebe) blieb vorerst in der Schublade und sollte erst 2004 zufällig wiedergefunden werden…

Weltberühmt wurde Capote schließlich mit seinem Kurzroman über die charmante Lebedame Holly Golightly, die immer, wenn sie das „rote Grausen“ überkommt, zum Schaufenster der großen Juwelierkette Tiffany flüchtet – der Glanz der Auslage macht sie augenblicklich wieder seelenruhig! „Breakfast at Tiffany‘s“ ist ein Buch, welches seinen Zauber beim Lesen jedes Mal wieder aufs Neue entfaltet und durch seine einmalige Atmosphäre begeistert. Wunderbar ist natürlich auch die gleichnamige Verfilmung mit Audrey Hepburn, an der Truman Capote übrigens auch persönlich als Drehbuchautor mitwirkte.

Sein eigentliches Hauptwerk verfasste Capote aber schließlich mit dem Tatsachenroman „In Cold Blood“ (Kaltblütig). Durch einen Zeitungsartikel erfuhr er von einem Familienmord in Kansas, der von zwei Männern verübt wurde. Der Fall ließ ihn nicht mehr los, seine Recherchen wurden immer intensiver. Sechs volle Jahre besuchte er die beiden Mörder immer wieder in ihren Gefängniszellen und versuchte mehr über ihre Motivation zu erfahren. Als das Werk 1965 auf den Markt kam, wurde es ein Riesenerfolg. Capote war endgültig ganz oben angekommen! Nicht zuletzt hatte er mit seinem Roman auch ein neues Genre, den sog. New Journalismus, geschaffen – eine Romangattung, die Fiktion und Realität in spannender Art und Weise miteinander zu verknüpfen vermag.

In kreativer Hinsicht war Truman Capote nach diesem Erfolg völlig ausgelaugt. Er schrieb an Drehbüchern, die er nie vollendete und flüchtete sich in Drogen- und Alkoholexzesse. Erst acht Jahre später veröffentlichte er schließlich das Skandalbuch „Answered Prayers“ (Erhörte Gebete), welches sich mit intimen Begebenheiten der High Society beschäftigte – eine Gesellschaft, zu der Capote in seiner Hochzeit uneingeschränkten Zugriff gehabt hatte. Eine der beschriebenen Damen, die Capote in wenig schmeichelhaftem Licht porträtiert hatte, nahm sich nach der Veröffentlichung des Buches das Leben. Auch viele andere Freunde nahmen ihm seine Indiskretion übel – was nicht zuletzt dazu führte, dass er sich weiter in die Isolation zurückzog, in Depressionen versank, Drogen konsumierte und immer wieder Klinikaufenthalte über sich ergehen lassen musste. Am 25. August 1984 starb Capote völlig zurückgezogen in Los Angeles an einer Überdosis Tabletten.

O-Ton:

„All writing, all art, is an act of faith. If one tries to contribute to human understanding, how can that be called decadent? It’s like saying a declaration of love is an act of decadence. Any work of art, provide it springs from a sincere motivation to further understanding between people, is an act of faith and therefore is an act of love.“

Warum es sich lohnt, seine Werke zu lesen:

Wie wenig sympathisch und überaus exzentrisch Truman Capote als Mensch vielleicht auch gewesen sein mag, seine Werke wirken bis in die heutige Zeit hinein – und werden hoffentlich noch viele Generationen von Lesern in ihren Bann ziehen. Capote entwirft in seinen Erzählungen und Romanen interessante Figuren und schafft es mit wenigen Worten eine einmalige Atmosphäre zu schaffen. Auch wenn ich längst noch nicht sein gesamtes Œuvre kenne, gehört er durch seine gute Beobachtungsgabe und seine besondere Sprache schon lange zu meinen Lieblingsliteraten. Es bleibt noch viel zu entdecken, ich freu mich drauf!

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    1 KOMMENTAR

  • franksbuchsalon 7. Februar 2013 Reply

    Reblogged this on Franks Buchsalon und kommentierte:
    Sicherlich eine sehr subjektive Literaturliste, aber als Anregung mal wieder ein Buch in die Hand zu nehmen doch sehr schön. Außerdem ein wirklich ehrgeiziges Projekt, vor dem ich den Hut ziehe

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