Literatur

Lieblingsliteraten (3): Raymond Carver

Raymond Carver

Raymond Carver (* 1938 in Clatskanie, Oregon, † 1988 in Port Angeles, Washington)

Raymond Carver machte sich in den 1970er und 80er Jahren in der amerikanischen Literaturwelt vor allem durch seine Kurzgeschichten einen Namen. Bereits sein erster Erzählungsband „Will You Please Be Quiet, Please?“ war ein großer Erfolg und sorgte für Furore. Seine Prosa zeichnet sich durch eine starke Einfachheit, durch lakonische und intensive Schilderungen aus. Oberstes Ziel Carvers war es stets, eine Geschichte so auf den Punkt zu bringen, dass sie in einem Zug geschrieben und gelesen werden konnte. Carver hält sich nicht mit umfangreichen, langatmigen Beschreibungen auf, sondern verfolgt einen sehr konzentrierten, nahezu minimalistischen Stil beim Schreiben.

Häufige Themen, so zum Beispiel auch in seinen berühmt gewordenen Werken „What We Talk About When We Talk About Love“ oder „Cathedral“, sind zwischenmenschliche Beziehungen, ebenso die mangelhafte Fähigkeit mit anderen Menschen zu kommunizieren. Carvers Figuren reden häufig aneinander vorbei, behalten ihre Sehnsüchte und Träume für sich, isolieren sich von ihrer Umwelt – oder ertränken ihre Sorgen in Alkohol. Sie sind gewöhnliche Leute, Menschen aus den Arbeitervierteln – weshalb sein Werk teilweise von Literaturkritikern sogar mit dem Etikett „Dirty Realism“ versehen wurde. Und tatsächlich scheint dieser Begriff einen Umstand sehr treffend zu umschreiben: Carvers Protagonisten fluchen hemmungslos, gießen sich Hochprozentiges in rauen Mengen die Kehle hinunter, verhalten sich dann nicht mehr ganz nach den gängigen Verhaltensnormen, greifen teils sogar zu drastischen Mitteln wie Gewalt, um sich verständlich zu machen. Einer von vielen Gründen, warum man Carver unbedingt im Original lesen sollte, da sonst doch ein großes Maß an Atmosphäre verloren geht.

O-Ton:

 „Extremely clever chi-chi writing, or just plain tomfoolery writing, puts me to sleep. Writers don’t need tricks or gimmicks or even necessarily need to be the smartest fellows on the block. At the risk of appearing foolish, a writer sometimes needs to be able to just stand and gape at this or that thing – a sunset or an old shoe – in absolute and simple amazement.”

Und sonst so?

Carvers beeindruckende Prosa hat sogar einen großen Regisseur auf den Plan gerufen, seine Erzählungen filmisch zu adaptieren. Robert Altman nahm sich 1993 den „Short Cuts“ an und realisierte einen sehr sehenswerten Episodenfilm, der die Erzählvorlage kongenial umsetzt.

Wie so oft, sind auch bei Raymond Carver Werk und Leben eng miteinander verwoben. Zeit seines Lebens hatte er mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen und verwickelte sich in mehrere unglückliche Liebesbeziehungen und Ehen – Themen, die auch in seinem Werk einen großen Raum einnehmen und auf die eine oder andere Weise autobiografisch verarbeitet wurden. Am Ende gewann leider doch eindeutig viel zu früh der ungesunde Lebensstil: 1988 starb Carver im Alter von 50 Jahren an Lungenkrebs.

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