Literatur

Literatur in 300 Wörtern (15): Max Frisch – Mein Name sei Gantenbein

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Max Frisch - Mein Name sei GantenbeinInhalt in 3 Sätzen: Der Erzähler stellt sich in der Rückschau vor, wie es wäre als anderer Mensch gelebt zu haben, er spielt mit Identitäten, die es ihm erlauben, sein Leben aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. So zum Beispiel als Gantenbein, der nach einem Unfall behauptet blind zu sein und so seine Umwelt noch genauer beobachten kann, da sich diese plötzlich nicht mehr verstellt. Oder als Wissenschaftler Enderlin, der einen Ruf nach Harvard erhält, diesen jedoch gar nicht wahrnehmen möchte – oder, oder…oder!

Lieblingszitat: Ich sitze in einer Bar. Nachmittag, daher allein mit dem Barmann, der mir sein Leben erzählt. Warum eigentlich? Er tut’s, und ich höre zu, während ich trinke oder rauche; ich warte auf jemand, ich lese eine Zeitung. So war das! sagt er, während er die Gläser spült. Eine wahre Geschichte also. Ich glaub’s! sage ich. Er trocknet die gespülten Gläser. Ja, sagt er nochmals, so war das! Ich trinke – ich denke: Ein Mann hat eine Erfahrung gemacht, jetzt sucht er die Geschichte seiner Erfahrung…“

Max Frischs Roman „Mein Name sei Gantenbein“, der neben „Stiller“ und „Homo Faber“ zu seinen wohl bekanntesten Werken gehört, entführt den Leser in die komplexe Gedankenwelt eines Protagonisten, der nur schwerlich zu fassen ist. Plötzliche Gedankensprünge, vielschichtige Assoziationsketten und die zahlreichen Identitäten des Erzählers machen den Roman nicht gerade zu einer leichten Lektüre. Dennoch lohnt es sich dranzubleiben, da Max Frisch wie in seinen anderen Werken das Thema der Identität meisterlich immer weiter einkreist und somit den Roman zu einem mitreißenden Leseereignis werden lässt. Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Was wäre, wenn man an einer Stelle seines Lebens anders entschieden hätte? Inwieweit unterscheidet sich Fremd- und Selbstwahrnehmung einer Person? Welche Entscheidungen trifft man wirklich selbst und wie viele trifft man nur, weil andere Menschen sie von einem erwarten? Dies sind nur einige wenige Fragen, die Max Frisch in seinem Werk aufwirft und die den Leser zum Nachdenken anregen.

Dieses Buch ist für Leser, die sich beim Lesen gerne fordern und sich gerne auch mal verwirren lassen. Hat man sich auf Max Frischs komplexes Identitäts- und Vorstellungsspiel erstmal eingelassen, erwartet einen eine sprachlich zwar eher nüchterne, aber dennoch auch sehr eindrucksvolle Lektüre. Max Frisch-Einsteigern seien allerdings vorerst seine Vorgängerromane ans Herz gelegt. Meiner (subjektiven) Meinung nach sind diese um einiges zugänglicher als „Mein Name sei Gantenbein“. Bei letzterem kann ich mir allerdings vorstellen, es erneut in 10, 20 oder vielleicht auch 30 Jahren nochmal zu lesen – einfach um zu erfahren, wie ich die im Buch erläuterten Gedanken dann beurteilen würde.

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