Film

Finding Vivian Maier (2013)

Finding Vivian Maier

Manchmal schreibt das Leben wirklich die besten Geschichten. Die Entdeckung der Fotografien der bis dahin unbekannten Vivian Maier ist eine solche, die es wirklich wert ist, erzählt zu werden. 2007 ersteigert der junge Hobby-Historiker John Maloof auf einer Auktion eine Kiste mit Negativen. Als er die Bilder genauer betrachtet, wird ihm klar: hier hat er einen wirklichen Fund gemacht! Die auf den Fotos abgebildeten Straßenszenen und Menschen sind mit einer solch beeindruckender Beobachtungsgabe und dem richtigen Gespür für Bildkomposition abgelichtet, wie man es nur selten zu Gesicht bekommt. Maloof wird neugierig: Wer steckt hinter diesen Fotos? Und geht bei seinen Recherchen zunächst leer aus: nicht mal eine Google-Suchanfrage kann in irgendeiner Weise Licht ins Dunkel bringen. Doch er bleibt hartnäckig, bis er eines Tages tatsächlich jemanden findet, der ihm mehr über das Phantom Vivian Maier verraten kann: zu seiner großen Überraschung ist es eine Familie, die berichtet, dass Maier vor vielen Jahren einmal in ihrem Haus als Kindermädchen angestellt war.

Der Dokumentarfilm „Finding Vivian Maier“ nimmt den Zuschauer mit auf eine spannende Entdeckungsreise auf der Suche nach einer großen Künstlerin, die jedoch selbst zu Lebzeiten ihre Fotos nie in die Öffentlichkeit brachte – und erst posthum zu Ruhm gekommen ist. So wurden ihre Fotos mittlerweile u.a. in Chicago, New York, London sowie in Hamburg und München ausgestellt. Immer öffnet sich noch ein Schuhkarton, Maloof stößt auf weitere Menschen aus der Vergangenheit, die teils überraschende, als auch verstörende Anekdoten über die Nanny mit der Rolleiflex-Kamera berichtet können. Vivian Maier habe immer sehr zurückgezogen gelebt, niemand durfte ihr zu nahe kommen, sie habe einen eigenartigen französischen Akzent gehabt, teils Männerkleidung und übergroße Hüte getragen – und ihre Umwelt „wie ein Spion“ mit Hilfe von Aufnahmegeräten und natürlich auch mit ihrer Fotokamera dokumentiert. Ein vielschichtiges Porträt einer vermutlich sehr einsamen und zutiefst unsicheren Person beginnt sich mit jeder Filmminute weiter zu entfalten. Maloofs Spurensuche führt ihn sogar bis nach Frankreich, wo er schließlich doch noch Verwandte auftut. Rätselhaft bleibt Vivian Maier hingegen bis zum Schluss, denn eine große Frage bleibt ungeklärt: Warum hat sie zu Lebzeiten ihre Fotos, die doch augenscheinlich ohne Zweifel mit Kunstgrößen wie Diane Arbus, Robert Frank und Henri Cartier-Bresson mithalten können, niemandem gezeigt? Denn hätte sie ihre Bilder veröffentlicht – dies stellt die Dokumentation vollständig außer Frage – wäre sie zu großer Berühmtheit gelangt.

So ist es immerhin erfreulich, dass die Künstlerin, die vermutlich zu Lebzeiten so viel Rampenlicht gar nicht vertragen hätte, es doch noch zu spätem Ruhm geschafft hat. „Finding Vivian Maier“ entwirft jedenfalls ein faszinierendes Porträt der Person hinter den Fotos. Eine Portion Voyeurismus ist da natürlich dabei – aber dies ist auch durchaus verständlich. Hinter jeder großen Kunst steckt eben doch immer auch ein Mensch, der es wert ist, entdeckt zu werden. Auch, wenn er das selbst vielleicht gar nicht möchte. Sehenswerte, spannend aufbereitete Doku!

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Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
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  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
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  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
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