Film

Every Thing Will Be Fine (2015)

Every Thing Will Be Fine

Eine dunkle, eiskalte kanadische Winternacht: Der Schriftsteller Tomas Eldon (James Franco) hat nicht nur mit einer Schreibkrise, sondern auch mit Beziehungsproblemen zu kämpfen. Während er mit seinem Auto durch die verschneite Landschaft fährt, unaufmerksam und gedankenverloren, ändert sich sein Leben von einem Moment auf den anderen: er fährt ein kleines Kind an, das bald darauf stirbt. Obwohl es sich um einen Unfall handelt, fühlt sich der introvertierte und kommunikationsscheue Autor verantwortlich für den Tod des Jungen. Schon bald treiben ihn seine Schuldgefühle zu einem Suizidversuch, seine Beziehung scheitert, ebenso wie er beruflich nicht mehr zurande kommt. Wim Wenders neuer Film „Every Thing Will Be Fine“ begleitet den Protagonisten und die anderen Figuren, deren Leben durch den Unfall auf den Kopf gestellt wird, über einen Zeitraum von 12 Jahren. Inwieweit ist es möglich, sich von Schuldgefühlen zu lösen und Vergebung für das Geschehene zu erlangen?  Wie geht die Mutter des Unfallopfers (einfühlsam gespielt von Charlotte Gainsbourg) langfristig mit ihrem Verlust um?  Wie wirkt sich der Unfall auf eigentlich unbeteiligte Personen wie Tomas‘ Lebenspartnerin aus?

Stilistisch herausragend ist in erster Linie Wim Wenders‘ Anwendung der 3D-Technik, die hier als Mittel der Figurencharakterisierung angewandt wird und aufzeigt, dass dreidimensionale Bilder nicht zwangsläufig nur in Effekt-Krachern, sondern auch in Arthouse-Filmen durchaus eine sinnvolle visuelle Ergänzung sein können. Der Film ist stark auf das Innenleben der Hauptfigur konzentriert. Die 3D-Bilder lassen die Isolation von ihrer Umwelt noch stärker zutage treten, ebenso wie die Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen und Empathie für Mitmenschen aufzubringen in den Vordergrund gerückt wird. Der Blick des Zuschauers wird gelenkt, sogar dahingehend, dass man zwangsläufig die Perspektive des Protagonisten einnimmt und so nach stärker gefordert ist, seine Beziehungslosigkeit nachzuempfinden.

James Franco mimt den wortkargen Schriftsteller mit großer Bravour und ist in jedem Fall eine gute Wahl: Sein oft blasiert wirkender Gesichtsausdruck verrät selbst in Ausnahmesituationen eine deutliche Distanz zum Geschehen und die Unfähigkeit, sein Inneres nach Außen zu kehren. Traumatisiert und gleichzeitig unfähig dazu, selbst mit nahestehenden Personen wie seiner langjährigen Freundin Sarah (Rachel Mc Adams) über seine Gefühle zu sprechen, flüchtet sich Tomas schon bald in seine Romanprojekte, in denen er sein Leid verarbeiten kann. Als er schließlich immer mehr Erfolg mit seinen Büchern hat, öffnet sich jedoch auch hier ein weiterer Zwiespalt: Inwieweit ist es richtig, Kapital aus persönlichen Schicksalsschlägen zu schlagen? Ist der Preis für den Erfolg – in diesem Fall den Tod eines Kindes auf dem Gewissen zu haben – zu hoch?

„Every Thing Will Be Fine“ lässt dem Zuschauer Raum für Reflektionen über Schuld, Sühne und Vergebung und zeigt auf, wie sehr einzelne Schicksalsschläge zu Wendepunkten des eigenen Lebens werden können. Ein berührender, ruhiger Film mit einer nachdenklich stimmenden Geschichte und optisch sehr ansprechenden Bildern. Sehenswert!

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    1 KOMMENTAR

  • […] dass die 3D-Technik auch in Arthouse-Filmen ein sinnvolles ästhetisches Stilmittel sein kann. Meine Rezension lest ihr jetzt im Farbfilmblog! Viel Spaß im Kino! Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mir […]

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