Kunst & Fotografie

Ausstellungstipp: Sebastião Salgado im C/O Berlin

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Das neue C/O Berlin, dessen Standort im Alten Postfuhramt ich hier ja noch nachgetrauert hatte, befindet sich seit 2014 im Amerika-Haus in Berlin-Charlottenburg unweit des Zoologischen Gartens. Diese Gegend ist gerade sehr im Aufbruch begriffen. Kontraste soweit das Auge reicht: einerseits der ranzige berühmt-berüchtigte Bahnhof Zoo mit gammeligen Imbissbuden, viel Obdachlosigkeit und verstaubtem West-Berlin-Charme, andererseits wenige Meter weiter das Luxushotel Waldorf Astoria und eine jüngst eröffnete Designer-Shopping Mall namens Bikini Berlin. Arm und Reich, Kargheit und materieller Überfluss liegen hier gleich nebeneinander – das ist eben auch Berlin und die gute Mischung aus Schmuddel und Glamour macht die Hauptstadt aus!

Sicher haben die Macher der renommierten C/O Berlin Foundation diesen Standort nicht zufällig gewählt. Hier weht ein frischer Wind! Das Ausstellungshaus selbst – in geradliniger 1950er Jahre Architektur – ist natürlich längst nicht mit dem alten C/O zu vergleichen, das vor allem durch seine dekadente Atmosphäre mit abgeblätterten Tapeten und knarzenden Dielenböden der ausgestellten Kunst immer einen ganz außergewöhnlichen Raum bot. Auch das Amerika-Haus verbindet spielerisch Alt und Neu miteinander, die Räume sind aber deutlich kleiner, sodass bei großen Namen wie dem brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado mit Gedränge zu rechnen ist. Seine Ausstellung „Genesis“ ist der neue Publikumsmagnet im C/O.

Sebastião Salgado hat sich vor allem durch seine beeindruckenden und bildgewaltigen sozialdokumentarischen Aufnahmen einen Namen gemacht. Für seine Fotoserie unternahm er 32 Reisen in Gebiete der Erde, die in einigen Fällen von indigenen Völkern bewohnt sind, teilweise aber zudem noch die Schönheit gänzlich unberührter Natur aufweisen. Endlose Wüsten, faszinierende Eis- und Gletscherlandschaften, Exkursionen durch die Unweiten des südamerikanischen Regenwalds – wer ein Ticket für diese Ausstellung löst, wird Zeuge prächtiger Aufnahmen fremder Erdteile, die Salgado in insgesamt 245 Bildern mit einem großen Gespür für Formen und Strukturen einfängt.

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© Sebastião Salgado / Amazonas images

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© Sebastião Salgado / Amazonas images

Seine Fotos sind sorgfältig durchkomponiert, in einigen besonders starken Bildern kann man sich für einen Moment völlig verlieren und in ferne Sphären fallen lassen. Selbstverständlich handelt es sich um eine sehr stilisierte Auswahl von Naturaufnahmen, die durch ihre Ästhetik bestechen – was dem Künstler häufig zum Vorwurf gemacht wird, denn dadurch gerät das Reale in den Hintergrund, die Schattenseiten geraten aus dem Fokus. Denn, das ist nur die unterschwellige mahnende Botschaft der Bilder: das, was wir dort in all seiner Pracht und unberührten Schönheit sehen, ist in höchstem Grade bedroht. Um zu sehen, wodurch – dazu muss man wohl nur eine beliebige Tageszeitung aufschlagen: Umweltverschmutzung, Klimawandel, die Zerstörung des Regenwalds. Salgados intensives Engagement für Umwelt- und Naturschutzorganisationen ist bekannt – bereits mit dem von ihm gewählten Ausstellungstitel „Genesis“ verweist er auf die Ursprünglichkeit der von ihm abgelichteten Natur. Ob diese Bedrohung der Natur, die hauptsächlich vom Menschen selbst ausgeht, durch diese Ausstellung zurückgedrängt werden kann, steht auf einem anderen Blatt. Salgado zeigt somit nicht zuletzt noch verbliebene abgeschiedene Paradiese der Erde, die es allerdings zu schützen gilt. Sehr sehenswerte Ausstellung – noch bis zum 16. August im C/O Berlin zu sehen!

C/O Berlin
Hardenbergstraße 22, 10623 Berlin
Täglich 11–20 Uhr

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    1 KOMMENTAR

  • ich liebe deinen blog, so viele tolle ideen! auch diese austellung will ich umbedingt sehen

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  • Sonntags ins Museum, kann man doch auch mal wieder machen. Vor allem, wenn es sich um so ein Schönes handelt. Und #Picasso geht eigentlich auch immer.
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