Kunst & Fotografie

Ausstellungstipp: Watching You, Watching Me im Museum für Fotografie Berlin

Watching You, Watching Me

In Zeiten von Smartphones, Google Maps und anderen modernen technischen Innovationen scheint das Thema Überwachung allgegenwärtig zu sein. George Orwells dystopischer Roman 1984, so las ich erst kürzlich in einem Bericht einer großen Tageszeitung, wird in jüngster Zeit wieder zum Bestseller und zeigt damit sehr eindrücklich, wie dieses Thema nach wie vor polarisiert und die Menschen in unserer Gesellschaft beschäftigt. Die aktuelle Ausstellung „Watching You, Watching Me“ im Fotografiemuseum am Zoologischen Garten in Berlin-Charlottenburg nähert sich dem Thema aus der künstlerischen Perspektive, macht aber ebenso klar, dass es sich beim großen Thema der Überwachung vor allem auch um ein historisches Phänomen handelt. Deutlich gemacht wird dies etwa anhand von Bibel-Illustrationen, die nahelegen, dass der Mensch bei all seinem Tun beobachtet wird. In heutiger Zeit kontrollieren Überwachungskameras und Fitness-Apps jeden unserer Schritte. Damals reichte es, die Vorstellung von einem „göttlichen Blick“ zu verbreiten, symbolisiert durch ein Auge, dem nichts entgeht, was auf der Erde passiert.

Als die Kirche zunehmend an Bedeutung verlor, entwickelten politische Vertreter neue Methoden, um Bürger in Schach zu halten und zu prüfen, ob sie gegen gesellschaftliche Normen verstießen. Bereits Herrscher wie Ludwig XIV. nutzten Instrumente der Überwachung, um für Recht und Ordnung zu sorgen und Feinde der eigenen Regierung frühzeitig ausschalten zu können. Ein prominentes Beispiel ist das Prachtschloss Versailles, dessen Parkanlagen nicht allein aus ästhetischen Gründen so gestaltet wurden, wie sie bis heute bestaunt werden können. Ludwig XIV. festigte durch die Gestaltung seines Schlosses nicht nur seine Macht als alleiniger absolutistischer Herrscher. Die auf ein Zentrum zulaufenden Parkanlagen ermöglichten es auch, stets einen guten Überblick über alle Schlossbesucher zu haben und waren eine wichtige Vorsichtsmaßnahme gegen aufrührerische Kräfte. Überwachung wurde hierbei also auf sehr perfide Weise betrieben – unter dem Deckmantel der Ästhetik.

Schloss Versailles

Immer alles im Blick: Schloss Versailles

Ob kleine Spionagekameras aus der Zeit des Kalten Kriegs, beängstigende Polaroid-Fotos der Stasi oder aktuelle Beispiele wie die oft diskutierten Google-Earth-Aufnahmen, bei denen (unwissentlich) auch Passanten abgelichtet wurden: Die Ausstellung „Watching You, Watching Me“ unternimmt einen spannenden Streifzug durch die Geschichte der Überwachung und sensibilisiert den Betrachter für moderne Formen der Kontrolle nachzudenken sowie darüber zu reflektieren, wie große Firmen wie Facebook, Google, Amazon & Co. Daten sammeln und diese persönlichen Informationen für (kommerzielle) Interessen nutzen. Die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit sind längst aufgeweicht. Die entscheidende Frage hierbei bleibt, welche gesellschaftlichen Auswirkungen dies in Zukunft haben wird und inwieweit wir uns in Richtung eines Überwachungsstaats bewegen – wie ihn George Orwell bereits in all seinen extremen Ausmaßen in seinem Roman zum Ausdruck brachte…

Watching You, Watching Me: A Photographic Response to Surveillance
Museum für Fotografie
Jebensstraße 2
10623 Berlin
Noch bis zum 02.07.2017

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  • Was für ein inspirierender #Instawalk vorhin im Deutschen Historischen Museum. Hier ist jetzt eine Ausstellung zur Russischen Revolution 1917 angelaufen. Ein paar ausgewählte Blogger/Instagrammer/ Twitterer ..whatever..durften heute an einer exklusiven Kuratorenführung teilnehmen. Danke für die Einladung, @dhmberlin, hat Spaß gemacht! :) .
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  • #Charlottenburg hat einfach die schönsten Kinos. Hier war ich gestern im altehrwürdigen #CinemaParis, das sich in seinem Programm vor allem auf französischen #Arthouse konzentriert. Ich hab mir Hanekes neuen Film "Happy End" angesehen... Schwer verdaulich, bedrückend, also definitiv ein Film, der nachwirkt. Mehr dazu bald im Blog.
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  • Hände hoch: Wer beobachtet auch gerne Menschen? ✋ 😉 Vicki Baum hat genau dies für ihren Roman #MenschenimHotel gemacht und beschreibt, welche Persönlichkeiten in einem mondänen Hotel im Berlin der 1920er Jahre aufeinandertreffen. Unterhaltsam, pointiert, humorvoll, aber auch mit Tiefgang erweckt Baums Roman auch heute noch die ganz besondere Atmosphäre der "Goldenen Zwanziger" zum Leben. Meine Rezension lest Ihr im Blog -> #linkinbio
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  • Sonntags ins Museum, kann man doch auch mal wieder machen. Vor allem, wenn es sich um so ein Schönes handelt. Und #Picasso geht eigentlich auch immer.
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  • #buchpassion Challenge, heute mal kurz und knackig. Mein Lieblingsautor? Truman Capote selbstverständlich! ;)
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  • Schon Tag 4 bei #buchpassion von @kaprizioesblog.
Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
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  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
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  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
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