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Literarische Orte: Kafka in Prag

Kafka in Prag

Prag ohne Kafka, das ist eigentlich ziemlich unmöglich. Ob dem eher schüchternen und selbstkritischen Kafka das große Aufsehen um seine Person gefallen hätte, ist zwar eine andere Frage. Aber vor allem als literaturinteressierter Mensch kommt man in Prag an dem großen Literaten wohl kaum vorbei! Ich habe es mir auf meinem Trip in die schöne Stadt an der Moldau zur Aufgabe gemacht, Kafka in Prag aufzuspüren.

Im Studium habe ich mich das eine oder andere Mal mit seinem zwar schmalen, aber eindrucksvollen Werk beschäftigt. Ob seine Kurzgeschichten oder seine Romane: Leicht zu entziffern ist die Intention, die hinter seinen Texten steht, eigentlich nie. Vor allem kann man in seine Texte – je nach persönlicher Sichtweise und (Lese- und Lebens-)Erfahrung – das unterschiedlichste hineininterpretieren. Das kann zum einen sehr spannend sein, zum anderen aber auch unglaublich frustrierend. Ich kann mich noch gut an die stundenlangen Diskussionen in einem Kafka-Seminar erinnern, in dem die Ansichten eigentlich immer stark auseinanderdrifteten bzw. die abenteuerlichsten Thesen entwickelt wurden. Da habe ich mich das eine oder andere Mal gefragt, ob so manche Interpretation nicht doch etwas zu weit geht? Zu meinen absoluten Lieblingsautoren würde ich Kafka vielleicht nicht zählen, zu pessimistisch, düster und abgründig sind mir einige seiner Texte, um mich laufend damit beschäftigen (und belasten) zu wollen. Dennoch kann ich eine gewisse Faszination für seine vielschichtigen Texte nicht abstreiten. Vor allem Erzählungen wie “Der Hungerkünstler”, mit denen in mich in meinem Studium intensiv auseinandergesetzt habe, lassen mich einfach nicht los und regen mich immer wieder zum Nachdenken an.

Soweit so gut: Während meines Prag-Städtetrips konnte ich es natürlich nicht lassen, ein paar bekannte “Kafka-Orte” aufzusuchen. Gehört ja quasi zum “Kultur-Standardprogramm”. Ein paar möchte ich Euch jetzt hier vorstellen. Vielleicht habt Ihr bei Eurem nächsten Prag-Trip ja Lust, Euch auf Kafka-Spurensuche zu begeben.

Das Kafka-Museum

Für alle, die sich für das Leben und Werk des berühmten Schriftstellers interessieren, ist das Kafka-Museum sicher die erste Adresse. Die Ausstellung ist sehr anschaulich aufbereitet, zum Teil sogar dreisprachig (deutsch/englisch/tschechisch) und zeigt in zahlreichen “kafkaesk” gestalteten Räumen die wichtigsten biographischen, historischen und literarischen Aspekte. So nimmt eine mit Musik untermalte Diashow den Besucher mit in die alten Stadtquartiere, in denen sich Kafka in seiner Kindheit und Jugend aufhielt oder präsentiert in ansprechend gestalteten Glaskästen die wichtigsten Wegbegleiter, Freunde und anderen Bezugspersonen, die Kafkas Literatur maßgeblich beeinflussten. An den Wänden finden sich häufig sehr treffend gewählte Zitate, die Kafkas damalige Lebenssituation, seine Hoffnung und Ängste widerspiegeln.

Spätestens am Ende der Ausstellung geht es dann eine Treppe hinunter…wir steigen quasi im wahrsten Sinne des Wortes in die “seelischen Abgründe” Kafkas hinab. Hier wartet ein schier endlos wirkender Korridor auf den Besucher. An den Wänden: bis zur Decke reichende Schubladenschränke, die mit den fiktiven Figurennamen aus Kafkas Werken beschriftet sind. In einigen geöffneten Schubladen liegen Buchausgaben des jeweiligen Werks. Im Großen und Ganzen ist das Kafka-Museum ein guter Einstieg für alle, die sich einen ersten Eindruck verschaffen möchten. Unterhaltsam und abwechslungsreich, aber dennoch nicht trivial!

Kafka in Prag: Kafka-Museum

Kafka in Prag: Kafka-Museum

Vom Stoffbeutel bis zum Brillen-Etui: Kafka-Merchandise

Vom Stoffbeutel bis zum Brillen-Etui: Kafka-Merchandise

Kafkas Grab auf dem jüdischen Friedhof

An meinem zweiten Tag in Prag hatte ich Lust, die Stadt außerhalb des sehr touristischen Zentrum zu entdecken. In zahlreichen Blogs hatte ich gelesen, dass der Alte jüdische Friedhof in der Innenstadt sehr überfüllt sein soll – und zudem ein Eintrittsgeld erhoben wird. Dann hatte ich außerdem erfahren, dass sich auch aus einem anderen Grund der Besuch des Neuen jüdischen Friedhofs im Stadtteil Žižkov lohnen würde: Franz Kafka liegt dort begraben!

Kafka in Prag: Hier fand er seine letzte Ruhe.

Kafka in Prag: Hier fand er seine letzte Ruhe.

Der Weg zu seinem Grab stellte sich dann aber doch nicht als so leicht heraus. Da ich nicht wusste, wo es sich auf diesem schier endlosen Friedhof befinden sollte, irrte ich erstmal eine ganze Weile ziellos umher. Der Friedhof war menschenleer, von anderen (Kafka-)Touristen keine Spur! Ich wollte meine kafkaeske Suche nach einer guten Stunde schon fast aufgeben, als ich schließlich ein paar Friedhofsgärtner traf. Diese konnten zwar weder Englisch noch Deutsch, aber das Wort “Kafka” ist zum Glück international verständlich. Einer der Gärtner erläuterte mir mit Händen und Füßen, wie ich zu seinem Grab kommen würde. Und dann verstand ich plötzlich! Der Neue jüdische Friedhof hat zwei Teile, die durch eine Straße voneinander getrennt sind. Muss man erstmal drauf kommen! Kafkas Grab befindet sich jedenfalls im östlichen Teil, unweit der jüdischen Synagoge – und ist sogar sehr touristenfreundlich ausgeschildert. Am Grab selbst traf ich nur einen anderen Kafka-Fan, ansonsten war es hier wie überall auf dem verwunschenen Friedhof sehr ruhig. Man kann also hier definitiv von einem kleinen “Kafka-Geheimtipp” außerhalb des trubeligen Zentrums sprechen. Anbei noch eine Karte, damit Ihr das Grab leichter findet als ich:

Kafkas Grab auf dem Neuen jüdischen Friedhof in Prag

Kafkas Grab auf dem Neuen jüdischen Friedhof in Prag

Kafka in Prag: Auf Spurensuche in der Altstadt

Kafkas Zuhause war das jüdische Ghetto und Altstadtviertel Josephstadt. Einige der Orte, an denen er lebte, studierte und arbeitete, lassen sich auch heute noch besichtigen – wenn auch nicht mehr in ursprünglicher Form. So wurde zum Beispiel sein Geburtshaus nahe der St. Niklaskirche mittlerweile umgebaut. Eine Kafka-Büste und Gedenktafel erinnern jedoch an den großen Schriftsteller. Der beste Tipp um Kafkas Prag zu erkunden ist wohl immer noch, auf eigene Faust loszuziehen, durch die verschlungenen Gassen des jüdischen Viertels zu schlendern und sich zumindest mithilfe der prunkvollen Jugendstilfassaden einen groben Eindruck vom damaligen Literatenleben in den Kaffeehäusern und Kulturpalästen zu verschaffen.

Kafka in Prag: Josephstadt

Kafka in Prag: Josephstadt

Wo habt Ihr Kafka in Prag aufgespürt? Welche literarischen und kulturellen Orte könnt Ihr noch empfehlen? Ich freue mich über Eure Tipps und Kommentare!

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  • Hach, St. Petersburg.. Ich vermisse es jetzt schon. 9 Tage waren nicht zu lang, auch wenn mich viele in meinem Umfeld ungläubig fragten, ob ich noch woanders hinfahre. Nein, ich hätte es selbst nicht gedacht, 9 Tage waren fast zu kurz, um diese vielfältige Stadt voller Kultur zu entdecken. So viele Stadtquartiere, Inseln zum Flanieren, coole moderne Cafés, freundliche Menschen. Hier hätte ich sogar gut und gerne noch mehr Zeit verbringen können. Ich komme wieder, vielleicht dann auch mal nach Moskau.
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