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The Square (2017)

The Square / Alamodefilm

The Square – worum geht’s?

Der smarte Kurator Christian (Claes Bang) steht gerade an der Spitze seines beruflichen Erfolgs: In wenigen Wochen startet in einem renommierten Stockholmer Kunstmuseum eine Ausstellung, in dessen Zentrum die Installation The Square steht, die Menschen im öffentlichen Raum zur Solidarität mit Mitmenschen anregen soll. Eines Morgens wird Christian jedoch mitten auf der Straße sein Handy und sein Portemonnaie gestohlen. Dieses Ereignis erschüttert ihn in seinem Weltbild und lässt ihn ernsthaft am Guten im Menschen zweifeln…

The Square – so war’s:

Ein kleiner Vorfall bringt das Leben der eigentlich sehr souveränen und von sich selbst überzeugten Hauptfigur Christian gehörig durcheinander. Aus dem anfänglichen noch jungenhaft-scherzhaftem Vorhaben sich sein Handy doch einfach selbst wiederzuholen, wird spätestens nach zwei Gläsern Rotwein bitterer Ernst. Ausgestattet mit einem Drohbrief macht er sich zu dem Ort auf, an dem sich sein Iphone laut Apple-Ortung befinden soll. In einem Hochhaus, das Christian wohl ansonsten nie im Leben betreten hätte, steckt er in jeden Briefkasten einen Zettel, in dem er offen die Herausgabe seines Iphones fordert. Auf die Idee, die im Haus wohnenden Menschen direkt anzusprechen, kommt er gar nicht. Zu spät merkt er, dass er mit einem Drohbrief in jedem Briefkasten ja eigentlich alle unter Generalverdacht stellt und damit umso mehr seine eigenen Vorurteile ans Tageslicht gebracht werden.

Diese erste Handy-Episode dient im Film „The Square“ als Aufhänger, um die oft scheinheilige Doppelmoral der modernen Gesellschaft offenzulegen. Ausgerechnet die Hauptfigur ist gerade an einem Kunstprojekt beteiligt, das die Bevölkerung zur Solidarität mit sozial Benachteiligten wie beispielsweise Obdachlosen auffordert. Und traut sich selbst kaum in das Plattenbau-Viertel… äußerst fragwürdig, oder?

the square-christian

Stattdessen bleibt er lieber unter seinesgleichen, nimmt an glamourösen Galaabenden teil oder feiert wilde Parties, an denen natürlich nur ausschließlich Bildungsbürger oder Angehörige der Kunst-Szene anwesend sind. Selbstverliebt, eitel und arrogant steht Protagonist Christian im Mittelpunkt des Geschehens – und merkt dabei gar nicht, wie doppelbödig sein eigenes Handeln ist. Überhaupt bekommt die Kunstwelt in Östlunds Film ordentlich ihr Fett weg. Bereits zu Beginn des Films sehen wir eigenartige Sandhaufen, dahinter die kryptische Neonschrift „You have nothing“ – und das soll Kunst sein? Auch die junge Kulturjournalistin Anne (grandios gespielt von Mad-Men-Darstellerin Elizabeth Moss) bringt in ihrem Interview mit dem charmanten Kurator ihr Unverständnis über einen völlig verschwurbelten Text auf der Homepage zum Ausdruck. Christian druckst herum – und kann schließlich selbst nicht erklären, was er mit seinem völlig aufgeblasenen Kunst-Geschwafel eigentlich aussagen wollte. Moderne Kunst – so das traurige Fazit, das sich durch den ganzen Film zieht – geht völlig an den Bedürfnissen der Menschen vorbei, hat kaum noch eine triftige Aussage bzw. versteckt sich hinter einer Fassade aus Ideen, die kaum noch ein Normalsterblicher mit durchschnittlicher Bildung verstehen bzw. berühren vermag. Wichtig ist das Marketing, wie auch zwei überengagierte Social-Media-Redakteure im Laufe des Films verdeutlichen werden. Hauptsache Aufmerksamkeit erregen, die Klickzahlen in die Höhe treiben – für wirklich tiefgründige Marketing-Kampagnen ist die Aufmerksamkeitsspanne der modernen Menschen sowieso viel zu kurz.

Auch die Gesellschaft versteckt sich hinter Aussagen und einer bloßen Fassade aus Gutmütigkeit – anstatt zu handeln und etwas Positives zu ihr beizutragen. Mehr als einmal werden im Film Situationen vorgeführt, in denen eine Person offenkundig andere Menschen um Hilfe bittet: Sei es ein Bettler, ein Obdachloser, ein kleiner Junge oder Hauptfigur Christian selbst. Statt selber einzugreifen und vielleicht schon mit einer kleinen Tat etwas Gutes zu tun, wird die Verantwortung jedoch einfach fortgeschoben. Soll doch ein anderer machen. Soll sich doch ein anderer darum kümmern. Regisseur Östlund zeigt in zahlreichen Episoden, wie es um die Mitmenschlichkeit in modernen Gesellschaften bestellt ist. Er legt hierbei immer wieder bewusst den Finger in die Wunde, sodass man sich als Zuschauer das eine oder andere Mal ertappt fühlt und einem die eigenen Vorurteile mehr als deutlich vor Augen geführt werden.

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    4 KOMMENTARE

  • Jominathor 12. November 2017 Reply

    Wunderschöne Zusammenfassung des Films, habe ihn ebenfalls auf diese Weise interpretiert 🙂 Gerade diese Doppelbödigkeit von Christians Verhalten scheint mir ein zentrales Element zu sein.

    • Deborah 12. November 2017 Reply

      Vielen Dank 🙂

  • uNTERWEGSiNsACHENkUNST 12. November 2017 Reply

    Liebe Deborah! Schön Deinen Sicht der Dinge zu lesen. Auch mich hat’s in den Film gezogen und ich musste feststellen, dass mich zwar mehr als „meine eigene Trägheit im Sessel sitzen“ ließ, doch viel fehlte nicht. Das skandinavisches Kino ist definitiv nicht das Meinige. Totzdem, steckt viel Wahrheit in all den zähen, langatmigen, skurrilen Sequenzen, die nie so richtig in Fahrt gekommen sind. Im Kontext stimme ich Dir zu. Es steckt viel Wahrheit drin – mehr als einem lieb ist. Herzliche Grüße, Daniela

    • Deborah 12. November 2017 Reply

      Liebe Daniela,
      danke für deinen Kommentar. 🙂 Mit dem „skandinavischen Touch“ hast du Recht. Fand einige Szenen sehr skurril und brauchte anfangs auch ein wenig Eingewöhnzeit, um mich darauf einzulassen. Zudem haben mich manche Szenen, wie die „Affenszene“ zunächst auch eher ratlos zurückgelassen. Im Großen und Ganzen hatte der Film für mich aber sehr viel Tiefe und enthält wie gesagt denkwürdige Aussagen über die Gesellschaft, in der wir alle leben.

      Liebe Grüße
      Deborah

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