Film

Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh (1972)

Story in drei Sätzen: François Perrin, ein etwas zerstreuter Geiger kehrt von einer Auslandstournee zurück und gerät am Flughafen völlig zufällig zwischen die Fronten des französischen Geheimdienstes. Deren Chef Toulouse will seinem Erzrivalen Milan, der ständig an seinem Stuhl sägt, eins auswischen. Milan vermutet in Perrin einen ihm gefährlichen Undercover-Agenten und setzt alle legalen (die bildhübsche Agentin Christine) und illegalen Methoden (zwei  Killer) ein um ihn auszuhorchen und aus dem Weg zu räumen.

Wie war’s: „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh” geht von einer originellen Grundsituation aus. Der Geiger Perrin wird zufällig nur anhand seines unterschiedlichen Paar Schuhe ausgewählt und es ist schon sehr vergnüglich den Geheimdienst-Fiesling Milan bei der folgenden Observation zu beobachten. Was der naive Perrin auch tut, er stolpert von einer skurrilen Situation in die nächste und macht sich immer noch mehr verdächtig. Als „ganz ausgekochter Hund” wird er von Milan bald charakterisiert. Noch dazu hat er eine Affäre mit der Frau seines besten Freundes Maurice was für weitere Verwicklungen sorgt, den Fokus aber zugleich von der reinen Spionageparodie weglenkt. Zwei Szenen bleiben im Gedächtnis: Zum einen als Perrin auf die Agentin Christine trifft und mit seiner tollpatschigen Art erst das Zimmer fast in Brand setzt und sich dann mit einem eigenwilligen Dudelsack herumschlägt, während sie ihn eigentlich nur ins Bett bekommen möchte. Die nüchterne Aussage des Observateurs wenige Minuten später: „Jetzt bumsen sie endlich!” Und zum zweiten die Leichen von Milans Agenten, die plötzlich auf Perrins Teppich liegen. Sein Freund Maurice stolpert in die Wohnung und erschrickt – doch als beide zusammen zurückkommen haben sie sich in Luft aufgelöst. Ein ganz klassisches Gagschema! Keiner glaubt dem armen Maurice natürlich, der daraufhin den Verstand verliert . „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh” kam 1972 in die Kinos und machte den jungen Pierre Richard (Geiger Perrin) über die Grenzen Frankreichs hinaus erst bekannt. In Deutschland wurde der Film von Rainer Brandt synchronisiert, der zuvor schon Bud Spencer und Terrence Hill mit unzähligen Sprüchen versorgt hatte. Wie das „Lexikon des Internationalen Films” schon richtig bemerkt hat, kommt die Agentenparodie von Regisseur Yves Robert „nicht ganz ohne Längen” aus. Man könnte auch sagen: „Der große Blonde” gewinnt nie so richtig an Tempo, viele Gags zünden einfach nicht. Der Film mag als Klassiker der französischen Komödie gelten, er hat über die Jahre aber etwas Staub angesetzt. Auch sonst ist die Rolle des „großen Blonden” Pierre Richard nicht ohne Tragik, wurde er von nun an doch vor allem für flache Unterhaltungskomödien gebucht: „Der große Blonde kehrt zurück” (1974), „Der lange Blonde und die kleine Schwarze” (1975) oder „Der Sanfte mit den schnellen Beinen” (1978) sind nur einige Beispiele für Filme, die an den Erfolg des „großen Blonden” anknüpfen wollten.

Der Dialog:

Toulouse und sein Vertrauter Perrache fahren mit dem Auto.
Perrache:
Alles was in seiner Wohnung gesprochen wird, wird abgehört. Von einem Blumenlieferwagen den Milan ständig um seinen Wohnblock kreisen lässt. Dass der Blonde nur ein Köder ist wird er bald spitz kriegen nehme ich an. Denn er ist ja nicht dumm.
Toulouse: Milan wird überhaupt nichts merken. Denn er hat sich ja die Falle selbst gebaut. Wir haben nur ein Stückchen Käse im Keller ausgelegt und Milan baut sich selbst die Mausefalle drumherum.
Perrache: Und was ist mit unserem Käse? Was wird daraus?
Toulouse (guckt verwundert): Im Moment kann ich nicht ganz folgen…
Perrache: Was ist, wenn Milan den Blonden umlegen lässt?
Toulouse: Das wäre eine ganz große Dummheit…

Diverse reichlich nutzlose Fakten:

Regie: Yves Robert
Länge: 90 Minuten
Filmmusik: Das Titelthema – eine eingängige Panflötenmelodie – stammt vom rumänischen Komponisten Vladimir Cosma
Remake: Kam 1985 unter dem Titel „Der große Blonde mit dem roten Schuh” in die Kinos. Die Hauptrolle des „Blonden” übernahm der junge Tom Hanks.
DVD: Der Film ist bei UFA erschienen, allerdings in nicht-restaurierter Fassung. Vor- und Abspann fehlen, was den Beginn des „großen Blonden” etwas abrupt wirken lässt. Bestellen kann man den Film zum Beispiel hier.

Lukas

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