Film

The Big Eden (2011)

Playboy, Legende des Nachtlebens, peinlichster Berliner: die Etiketten, mit denen der Nachtclubbetreiber Rolf Eden mit den Jahren versehen wurde, sind vielfältig. Peter Dörfler (Der Panzerknacker, Achterbahn) versucht nun mit seinem neuen Dokumentarfilm einen Blick hinter die Fassade dieses außergewöhnlichen Lebemanns zu werfen, vielleicht sogar die eine oder andere Legende, die sich um den 81-jährigen Frauenversteher rankt, aufzudecken.

Lebensnah und mit einem scharfen Blick für die Details wird einem Rolf Edens Alltag präsentiert. Ob Katerfrühstück mit Berliner Kartoffelsalat am Vormittag, Sektempfänge mit oberflächlichem Small-Talk oder Haarstyling-Sessions bei Promi-Friseur Udo Walz – immer wird Eden gezeigt, wie er leibt und lebt. Stets einen kessen Spruch auf den Lippen  – und vor allem extrem selbstverliebt („Ja, ich liebe mich selbst im Fernsehen zu sehen!“) – wie es sich für einen echten Multimillionär und Playboy, der in der Vergangenheit reihenweise Frauenherzen zum Schmelzen brachte, eben gehört.

Aber auch seine Weggefährten, Ex-Geliebten und Nachwuchs (insgesamt sieben  Kinder von sieben verschiedenen Frauen) kommen zu Wort. Teils wird da vom Leder gezogen, was das Zeug hält, teils aber auch trocken konstatiert: „Naja, ich wusste ja, worauf ich mich einlasse.“ oder „Rolf ist eben irgendwo in der Pubertät stecken geblieben.“

Gleichzeitg geht der Film ausführlich auf den Erfolgsweg des mächtigen Geschäftsmanns ein. Mit einem geringen Startkapital baute er in Berlin mehrere Kultdiskotheken auf, in denen sich schon bald Prominente wie Ella Fitzgerald, Louis Armstrong, Liza Minelli, Klaus Kinski und die Rolling Stones die Klinke in die Hand gaben. Mit Striptease-Shows und ersten Misswahlen mischte er das bisher doch sehr prüde Westberliner Nachtleben ordentlich auf – mit überragendem Erfolg!

Regisseur Peter Dörfler schafft es, einen in den Bann dieses faszinierenden Selfmade-Millionärs zu ziehen. Natürlich trägt auch Edens eigenes Charisma deutlich dazu bei, dass dieser Dokumentarfilm so unterhaltsam ist. Zwar fragt man sich bei teils, wie viel Ernst und wie viel Wille zur Provokation in manchen Aussagen von ihm stecken („Ach, Prostituierte sein ist doch ein toller Job. Vergnügen und Geld in einem.“) Aber vielleicht macht das ja auch gerade den Reiz aus – dass man nie so recht weiß, ob man gerade die Kunstfigur oder den Mensch Rolf Eden zu Gesicht bekommt. Peter Dörflers Film zeigt mit viel Witz die zahlreichen Facetten dieser zwei Rolf Edens, gibt (ehrenwerterweise) den egozentrischen Protagonisten aber auch nie der Lächerlichkeit preis. So entsteht ein lustiges, aber auch sehr menschliches und liebenswertes Porträt eines vielschichtigen Medienstars. Sehr sehenswerter Doku-Film, auch wenn man bisher (wie ich) vorher kaum was über den größten deutschen Playboy wusste.

Wer jetzt neugierig geworden ist und einen kleinen Einblick in das Machotum Rolf Edens haben möchte, dem kann ich bereits den Filmtrailer sehr empfehlen. Interessanter letzter Wille, den Eden da hat, kann man da wohl nur sagen…

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    1 KOMMENTAR

  • […] Eden. Was dieser Mann so für Sprüche raushaut, ist teilweise einfach nur unglaublich komisch. Meine Rezension lest ihr wieder immer im Farbfilmblog. Viel Spaß beim […]

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