Film

The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (2011)

Das war also mal George Clooney in einer ganz anderen Rolle! In dem für den Oscar nominierten „The Descendants“ erlebt man ihn mal als Hawaiihemd tragenden Familienvater, dessen Leben sich von einem Tag auf den anderen schlagartig ändert. Seine Frau verunglückt bei einem schweren Bootsunfall und liegt im Koma, aus dem sie vermutlich nicht mehr erwachen wird. Er erfährt erst jetzt von seiner Tochter, dass seine Frau schon eine ganze Weile eine Affäre hatte. Matt fällt aus allen Wolken – zwar hatte er die Entfremdung in ihrer Ehe schon lange gespürt, aber dass seine Frau ihn schon länger mit einem Anderen betrogen hat, das hatte er nicht geahnt. Kurzerhand macht er sich, mit tatkräftiger Unterstützung seiner beiden Töchter, auf die Suche nach seinem Konkurrenten…

„The Descendants“ kommt zum einen als lockerer leichter Feelgood-Familienfilm daher, hat aber in jedem Fall auch den Anspruch die tragischen Verwicklungen einer vom Schicksal gebeutelten Familie zu zeigen. Denn bereits am Anfang wird klar: Eigentlich stellt diese Familie überhaupt keine Einheit dar. Jeder lebt so vor sich hin ohne große Rücksicht auf andere zu nehmen. Matt jüngste Tochter Scottie (Amara Miller) hat in der Schule im Umgang mit Gleichaltrigen so ihre Schwierigkeiten. Die 17-jährige Alex (Shailene Woodley) lebt fernab der Familie in einem Internat und kämpft mit Alkohol- und Drogenproblemen. Matt selbst fühlt sich nur wenig mit seinen Kindern verbunden, sieht sich nur als zweitrangiger Elternteil. Dies ändert sich plötzlich durch die schwere Krankheit seiner Frau. Zum ersten Mal muss er sich auf die Macken seiner Kinder einlassen und wirklich Verantwortung übernehmen, anstatt sich wie bisher in seinem Anwaltsbüro zu verschanzen.

In einem zweiten Erzählstrang wird auf die lange Familienvorgeschichte eingegangen. Matts Familie lebt seit mehreren Generationen auf Hawaii und besitzt bedeutend viel Land, dessen Verkauf jedoch bereits beschlossene Sache ist. Nur an wen das Land verkauft wird, ist unklar. Matt als Familienhaupt muss, wie in seinen vielen privaten Angelegenheiten, also auch hier Verantwortung übernehmen und die richtige Entscheidung für alle Beteiligten treffen. Keine leichte Aufgabe! Diese Erzählebene gibt der ganzen Familiengeschichte zwar etwas mehr Tiefgang, gleichzeitig ist diese Konstruktion auch wieder sehr hollywood-like. Man hat es hier eben mit einem waschechten sehr amerikanischen Film zu tun, dessen Grundtenor folgender zu sein scheint: „Wir sind eine Familie! Gemeinsam bekommen wir das geschaukelt! Wir müssen nur zusammenhalten!“


Clooney hinter der Hecke. Unglaublich…komisch! 😀

Auch möchte sich der Film leider nicht festlegen, was er nun ist: Tragödie? Oder Komödie? Dies wird nicht recht entschieden. Für eine Tragödie wird sich eindeutig zu oft dem Mittel des schlichten Humors bedient. Die eingebundenen witzigen Szenen wirken teilweise etwas zu sehr gewollt und nicht gekonnt. Gerade Alexs bester Freund verkommt während des gesamten Films immer mehr zum Babysitter – denn irgendwer muss ja die kleine Tochter beschäftigen, während Daddy und große Schwester sich um die ernsten Angelegenheiten kümmern. Auch wird er immer mehr zum Clown, der in jeder Szene einen blöden Spruch reißen muss. Klar, es lockert die doch sehr ernste Handlung auf, lässt einen kurz auflachen – wirkt manchmal aber auch einfach deplatziert. Manchmal stellt sich sogar die Frage, ob der Humor nicht sogar unfreiwillig ist. Wenn George Clooney in geblümten Hemd und Badeschlappen durch sein Wohngebiet rennt (bzw. watschelt) oder hinter einer Gartenhecke mit misstrauischem Blick den Liebhaber seiner Frau beäugt, rutscht einem der eine oder andere Lacher heraus. Oops..sollte das jetzt eigentlich witzig sein? Warum lacht im Kino keiner mit mir? Ich fand es jedenfalls herrlich komisch!

In den ernsten Szenen wiederum fehlt dafür wieder ein klein wenig der Tiefgang. Zwar wird auf die lange Familienhistorie eingegangen, die Tatsache, dass die Familie über Generationen auf Hawaii lebt. Auch wird jede Figur mit ihren ganz individuellen Schwächen gezeigt. Teilweise jedoch werden diese persönlichen Konflikte, die die Figuren mit sich selbst ausstragen, nur am Rande erwähnt. Wie ernst ist etwa das Drogenproblem von Matts älterer Tochter? Was hat es mit der schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung auf sich? Vieles wird in der Schwebe gelassen, man will sich gerade ein bisschen berührt und nachdenklich fühlen – und zack! – wird alles Tiefsinnige wieder von einer kurzen witzigen Szene beiseite gewischt.

Dennoch handelt es sich bei „The Descendants“ keinesfalls um einen schlechten Film. Die Schauspieler leisten gute Arbeit, besonders die bisher noch relativ unbekannte Shailene Woodley begeistert als ältere Tochter, die im Laufe des Films deutlich reifer und erwachsener in ihrem Handeln wird. George Clooney zeigt, dass er auch mal eine andere Rolle spielen kann – auch wenn es manchmal zu (unfreiwillig) komischen Szenen führt. Man hat in jedem Fall seinen Spaß dieser doch sehr unharmonischen Familie beim Annähern zuzusehen. Im Grunde genommen besitzt der Film auch alles, was man für einen angenehmen Kinoabend braucht: ein bisschen Familie, ein paar Konflikte, die anfangs unlösbar erscheinen, sich dann aber doch noch zurechtbiegen. Dazu entspannte Hula-Hula Musik gepaart mit schönen Landschaftsaufnahmen, nicht zuletzt eine Prise Humor, ein bisschen Tragik! Und am Ende ist alles gut – was will man eigentlich mehr? Nicht überraschend, nicht sonderlich innovativ, aber angenehm anzusehen!

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  • Hach, St. Petersburg.. Ich vermisse es jetzt schon. 9 Tage waren nicht zu lang, auch wenn mich viele in meinem Umfeld ungläubig fragten, ob ich noch woanders hinfahre. Nein, ich hätte es selbst nicht gedacht, 9 Tage waren fast zu kurz, um diese vielfältige Stadt voller Kultur zu entdecken. So viele Stadtquartiere, Inseln zum Flanieren, coole moderne Cafés, freundliche Menschen. Hier hätte ich sogar gut und gerne noch mehr Zeit verbringen können. Ich komme wieder, vielleicht dann auch mal nach Moskau.
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