Film

Moonrise Kingdom (2012)

Die beiden sind schon ein komisches Paar, als sie sich auf dem großen Kornfeld das erste Mal so richtig gegenüber stehen. Der neunmalklug dreinblickende Pfadfinder Sam und die aus gutem Haus stammende Suzy haben die Schnauze voll von den Erwachsenen und kurzerhand beschlossen gemeinsam miteinander durchzubrennen. Weg von ihren Familien, die sie sowieso für hoffnungslose Fälle halten und hinter ihrem Rücken verstohlen in Erziehungsratgebern blättern!

Wes Anderson (The Royal Tenenbaums, Darjeeling Limited) zeigt in seiner neuen Komödie die erste Liebe zweier Zwölfjähriger. Liebevoll schildert er die zärtliche Annäherung der beiden Außenseiter, die keiner versteht – und die sich gerade deshalb gesucht und gefunden haben. Waisenkind Sam wird von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben, wegen seiner Andersartigkeit abgelehnt und landet schließlich in dem von Scout Master Warp (Edward Norton) geleiteten Pfadfindercamp, wo er jedoch auch von niemanden gemocht wird.  Auch Suzy lebt nur scheinbar in einer heilen Familie. Ihre Eltern (wunderbar gespielt von Bill Murray und Frances McDormand) leben schon lange nebeneinander her, schweigen sich über ihre Bedürfnisse aus und reden eigentlich wenn überhaupt nur über ihre Arbeit. Suzy hat keine Freunde, neigt manchmal zu starken Wutausbrüchen  und wird als schwarzes Schaf der Familie angesehen.

Diese beiden Sonderlinge treffen also eines Tages unverhofft aufeinander, schreiben sich von nun an Briefe und planen ihre gemeinsame Flucht. Gesagt, getan. Kein Wunder, dass die Erwachsenen völlig am Rad drehen und die Entflohenen wieder aufzufinden versuchen, allen voran der einfach gestrickte, aber liebenswürdige Insel Cop Captain Sharp (Bruce Willis) und Pfadfinderanführer Scout Master Warp. Eine spannende Verfolgungsjagd beginnt!

„Moonrise Kingdom“ ist ein Film, den man allein schon aufgrund seiner unglaublichen Detailverliebtheit,  seiner teils knallbunten aber immer gut ausbalancierten Bilder und nicht zuletzt wegen seines skurrilen Humors einfach liebhaben muss. Vor allem die Szenen mit den beiden jungen Verliebten (brilliant: Jared Gilman und Kara Hayward) sind einfach herzallerliebst und herrlich komisch. Zum Beispiel wenn der neunmalkluge Sam seiner neuen Freundin stolz seine umfangreichen Pfadfinder-Kenntnisse präsentiert! Aber auch wenn die Blödsinnigkeit der Erwachsenen, die ja eigentlich die Vernünftigen sein sollten, auf’s Korn genommen wird, macht das einfach viel Spaß!

Trotz dieser Leichtigkeit werden jedoch durchaus auch ernste Töne angeschlagen. Man bekommt beim Zugucken das Gefühl, dass die Erwachsenen mit ihrer Verbitterung und ständigen Beharren auf Vorschriften noch einiges von ihren Kindern lernen könnten. Und außerdem, mal ehrlich: Was ist das für eine Welt, in der erwachsene Menschen mit ihren Kindern über Megafone kommunizieren? Warum kann man Andersartigkeit nicht anerkennen und muss Kinder, die sich leicht verhaltensauffällig zeigen, gleich als psychisch gestört abstempeln? Nicht zuletzt ist daher „Moonrise Kingdom“ auch ein Plädoyer für mehr Individualität und dafür, Kinder einfach mal das sein zu lassen, was sie sind: Kinder!

Ab Donnerstag, 24.5. im Kino!

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    3 KOMMENTARE

  • […] (24.5.) kommt der Film bundesweit in die Kinos. Meine Rezension könnt ihr jetzt schon im Farbfilmblog […]

  • Chucky11 22. Mai 2012 Reply

    Ich fand den Film einfach super. Total liebenswert die beiden Protagonisten. Schaue ich mir wieder gerne an.

  • Maxi 22. Mai 2012 Reply

    Ein ganz wunderbarer Film. Bei einem Gespann wie Anderson-Murray-McDormand kann eigentlich sowieso wenig schiefgehen, und die hochkarätig besetzten Nebenrollen tun ihr Übriges. Eine wohltuende Abwechslung von der Massenware, die auch diesen Sommer wieder die Leinwände heimsuchen wird.

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