Literatur Rezensionen

Antoine de Saint-Exupéry: Nachtflug

In den späten 1920er Jahren wagen internationale Fluggesellschaften etwas Neuartiges und nicht gerade Ungefährliches: Erstmals schicken sie ihre Piloten auch nachts in die Lüfte, um so eine noch schnellere Auslieferung ihrer Fracht zu ermöglichen und nicht zuletzt um mit den recht etablierten Transportmitteln – den Eisenbahnen und Dampfern – in Konkurrenz treten zu können. Antoine de Saint-Exupérys Roman „Nachtflug“ spielt in dieser Zeit des doch sehr zweifelhaften Fortschritts, setzten Piloten doch Nacht für Nacht bei Flügen über Gebirge erneut ihr Leben auf‘s Spiel.

Der Pilot Fabien findet sich eines Nachts in einer überaus brenzligen Lage wider. Um ihn tobt das Gewitter, der Funkkontakt zum sicheren Boden ist gänzlich abgebrochen, eine Besserung der Wetterlage ist nicht in Sicht – und wäre das nicht genug, wird auch noch der Treibstoff knapp. Eine auswegslose Lage, doch er versucht in dieser Extremsituation wieder Herr des Geschehens zu werden. Ein dramatischer Kampf gegen die Natur entspinnt sich – ein Kampf, den er nur verlieren kann?

Der Leiter der Fluggesellschaft Rivière – ohne Frage der weitaus größte Pionier in diesem Roman – ist fest davon überzeugt, dass Innovationen Opfer erfordern. Als Einzelkämpfer versucht er die Gegner von Nachtflügen vehement mit seinen Argumenten von der guten Sache zu überzeugen: „Wenn man perfekte Lösungen von ihm forderte, die alle Gefahren ausschalten würden, erwiderte er: ‚Erst die Erfahrung schafft die Grundsätze, die Grundsätze gehen niemals der Erfahrung voraus.‘“ Fortschritt ist somit unwiderruflich an Verluste, seien es auch Menschenleben, gekettet.

Rivière fühlt sich durch diesen Pioniergeist, die er mit den Piloten teilt, zwar mit ihnen verbunden, doch zeigt er seine Sympathie nicht. Er vermeidet im Umgang mit seinen Piloten mit Absicht jegliche freundschaftlichen Gesten, verlangt stattdessen Höchstleistungen von ihnen ab. Teilweise verhängt er harte und ungerechte Strafen, wenn sich ein Flieger mit seinem Flugzeug – etwa durch äußere Bedingungen – verspätet hat. Zu viel Empathie mit den Ängsten der Flieger schade der guten Sache: „Wenn ich ihn anhöre, ihn bemitleide […], so wird er meinen, er käme aus wunder was für einem geheimnisvollen Abenteuer zurück; und Angst hat man nur vor dem Geheimnisvollen. Die Menschen müssen hinuntergestiegen sein in diesen dunklen Brunnen, und wenn man sie fragt, was ihnen begegnet ist, so müssen sie sagen können: nichts.“

Antoine de Saint-Exupéry zeigt die Gedankengänge und Zweifel, die selbst den Nachtflug-Vorkämpfer angesichts von Todesopfern manchmal überkommen, mit erstaunlicher Menschenkenntnis. Die Szenen, die über den Wolken spielen und den Piloten Fabien in einer Ausnahmesituation zeigen, sind mit einer beeindruckend poetischen und bildgewaltigen Sprache garniert und beweisen Exupérys großes Einfühlungsvermögen. Diese Schilderungen wirken nicht zuletzt auch sehr authentisch im Hinblick darauf, dass de Saint-Exupéry lange Zeit selbst als Pilot gearbeitet hat, und so den Kampf um Leben und Tod am eigenen Leib erfahren musste. 1944 stürzte er mit seinem Flugzeug ab, von ihm blieb keine Spur. „Nachtflug“ ist somit ein dokumentarisches, in jedem Fall aber sehr mitreißendes, poetisches und nachdenkliches Buch. Anders als so mancher Nachtflieger landet man als Leser nach 128 nervenaufreibenden Seiten wieder wohlbehalten auf dem sicheren Boden.

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  • Die kleinen Dinge und eigenen Interessen schätzen zu lernen...
Hätte ich auch nicht gedacht, dass das 2020 ganz oben auf der Agenda stehen würde. So bin ich gerade froh, dass ich zum Glück einige eher introvertierte Hobbies pflege. Auf Konzerte, Kunstgalerien, Museen, Theater, Oper, Ballett, Lesungen, Reisen etc. freue ich mich dennoch riesig - wenn wir das hoffentlich alles mal hinter uns gelassen haben... 🙌
Wie holt ihr euch in diesen Zeiten Kunst & Kultur in Eure eigenen vier Wände?
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  • Let's go back to Iceland! Bei der ganzen Aufregung rund um das Coronavirus tut ein kleiner Rückblick auf vergangene schöne Reisen echt gut. Tolle Idee von  @isipeazy, unter dem Hashtag #quarantänereisen von Reiseerlebnissen zu berichten. Denn niemand weiß, wann es möglich sein wird, wieder uneingeschränkt auf Reisen zu gehen...das wird auch mir immer mehr schmerzlich bewusst.😯 Solange können wir Reiseliebhaber doch in der Quarantäne bei Laune halten 👍

Aber zurück zu Island: Hier war ich im deutschen Hitzesommer 2018 mit Jeep & Dachzelt unterwegs. Was für ein Abenteuer! 😁 (denn ausgerechnet in diesem Jahr erlebte Island den kältesten Sommer seit langem 🥶). Doch wir ließen uns die Stimmung nicht vermiesen. Es ging einmal rum um die Insel, mit kleineren Abstechern zu den Westfjorden (nichts für Reisekranke 🙄 aber dennoch wahnsinnig schön) und in den wilden Osten Islands.
Für mich war das definitiv eine der aufregendsten und verrücktesten Reisen seit langem, bei der ich unvergessliche Erfahrungen gemacht habe und zugleich mich teilweise auch aus meiner Komfortzone bewegt habe (Stichwort Wetter 😅) Aber sind das nicht die besten Reisen? Ich würde es jederzeit wieder tun! 🚙🇮🇸 #reisen #gotravel #corona #quarantäne #travelgram #latergram #iceland #roadtrip #island #ontheroad #reisegeschichten #reisesehnsucht #fernweh
  • Malen im Museum ausdrücklich erlaubt - das ließ ich mir im japanischen Museum @mangghamuseum in Krakau nicht zweimal sagen.
Mehr über meinen Kulturtrip nach Polen, lest ihr im Blog 😎 #linkinbio
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  • Mein Posen-Reisebericht ist fertig! Die gemütliche Stadt im Westen Polens hat mir sehr gut gefallen. Ob trendige Cafés, Kunst & Kultur oder Naherholung - es lohnt sich, hierhin zu reisen. Mehr über meine Erlebnisse könnt ihr jetzt im Blog nachlesen. #linkinbio

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  • Ich war erst wenige Stunden in Kraków und dann habe ich gleich so ein Traum-Café gefunden: urige Ohrensessel, leckeren Kuchen und Kaffee... Und Bücherregale überall. ❤️ Das @massolitbooks ist eine echte Empfehlung für jeden Büchernerd. Das Stöbern (viele englischsprachige Literatur), Tagträumen und sogar (in meinem Fall) warten auf den Liebsten macht hier richtig Freude. Also, wenn ihr mal in Kraków seid, unbedingt vorbeischauen. Ein paar Häuser weiter ist dann noch die dazugehörige Bäckerei @massolitbakery 🍰🥐
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  • So schön bunt hier 🤓😊 Der Marktplatz ist definitiv einer der schönsten Orte in Breslau. Toll war auch die Stimmung zur großen offiziellen Silvesterfeier #wroclawrespect, die mit einem imposanten Feuerwerk über der Altstadt endete. 🎉
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  • Welcome to the Roaring Twenties! Ich wünsche Euch allen ein frohes Neues. Selbst habe ich die Zeit zwischen den Jahren genutzt, um Kunst, Kultur und Stadtleben in Krakau, Breslau und Posen zu genießen. 🏰🎨🎭
Das Gemälde stammt aus dem Nationalmuseum von Poznan.
Meine Reise durch Polen hat mir wieder mal gezeigt, dass dieses wunderbare und vielfältige (Nachbar)Land einfach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt wie es verdient hätte. Werde hier und vielleicht auch im Blog bald mehr darüber berichten ✏️📸
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  • Schon wieder Zeit für 'nen Jahresrückblick? 🙄 Das Jahr 2019 ist wirklich im Nu vergangen und so gut wie vorbei. Mit all seinen Höhen und Tiefen.
Hier also meine Insta-Highlights - komprimiert in 9 Fotos: Mein Jahr war voller Bücher, schönen Reisen (u.a. nach Athen und Schottland), spannender Architektur und aufregenden Kunstausstellungen und -events. Weiter so! Bin gespannt, was 2020 bringt. 🎉
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