Film

To Rome with Love (2012)

Nach London, Barcelona und Paris ist Woody Allen also endlich in der italienischen Hauptstadt angekommen. In seinem neuen Film To Rome With Love widmet er sich in vier abwechslungsreichen Episoden den Liebeswirren grundverschiedener Paare. Die eigentliche Hauptrolle spielt allerdings wie schon in seinen vorherigen Filmen in jedem Fall die hektische Metropole Rom: hupende Autos, malerische Gassen mit allerlei Straßencafés, Touristenströme, die die Sehenswürdigkeiten wie Kolosseum und Fontana di Trevi abarbeiten. Und mittendrin: Woody Allens Protagonisten, die in ganz unterschiedliche Situationen verstrickt sind. Nicht alle Episoden sind gleich lang – manche spielen an einem Tag, andere ziehen sich über Woche oder gar Monate hin.

Da sind zum Beispiel ein junger Italiener und eine New Yorkerin, die sich eines Tages zufällig begegnen und ineinander verlieben. Viele Monate später (der genaue Zeitraum wird nur angedeutet) wollen die beiden heiraten. Ihre Eltern sollen sich endlich kennenlernen. Woody Allen und Judy Davis mimen die doch sehr neurotischen amerikanischen Eltern – er ein bekannter Opernregisseur, sie eine Psychiaterin – die die Familie ihres neuen Schwiegersohns mit äußerst kritischen Blicken beäugen. Verdient er denn auch genug, ist er für die Tochter gut genug? Auch auf der anderen Seite gibt es Vorbehalte, die sich nicht so leicht legen lassen – allein schon durch sprachliche und kulturelle Missverständnisse… In dieser Episode setzt Woody Allen jede Menge scharfzüngige Dialoge ein, die man von ihm ja schon gewohnt ist. Die Komik liegt im Absurden. Zu den besten und witzigsten Szenen dieser Episode (oder gar des ganzen Films) zählen sicher die, in denen bewiesen wird, dass wahres Gesangstalent erst unter der Dusche zum Vorschein kommt… einfach nur zum Ablachen!

Hilfe, Paparazzi! Roberto Benighi auf der Flucht

Auch die Episode um Roberto Benigni gehört zu den gelungeren Geschichten, die in To Rome With Love erzählt werden. Er spielt einen einfachen Büroangestellten, der von einen Tag auf den anderen Berühmtheit erlangt, von Paparazzi und neugierigen Journalisten umringt wird – und sein eigenes Glück darüber nicht fassen kann. Doch das Leben in der Öffentlichkeit hat auch so seine Schattenseiten. In dieser Geschichte läuft Roberto Benighi wie immer zu Höchstleistungen auf, wenn er sich etwa wild gestikulierend gegen allzu indiskrete Boulevardjournalisten zu wehren versucht und sich in immer rasanter werdendem italienischem Sprachtempo um Kopf und Kragen redet. Mediensatire und intelligenter Slapstick machen diese Episode zu einer sehr amüsanten und in jedem Fall sehenswerten.

Anders sieht es mit der doch eher mau geratenen Episode um ein junges Ehepaar aus, die im ganzen Film ohne Zweifel zu einer der schwächsten gehört: Die frischverheirateten Antonio und Milly sind in Rom, wo sie Antonios Familie kennenlernen wollen. Milly möchte vorher dringend zum Friseur, verirrt sich aber in der Stadt. Antonio lernt derweil eine Prostituierte kennen (gespielt von Penélope Cruz) und ist durch eine unglückliche Verwicklung gezwungen, diese seinen Verwandten als seine neue Frau vorzustellen. Milly trifft derweil auf einen ihrer absoluten Lieblingsschauspieler und lässt sich von diesem verführen. Diese Episode fällt deshalb ab, weil sie stellenweise sehr vorhersehbar und einfach zu sehr überspitzt wird. Die Figuren bleiben ziemlich flach, ebenso wie die Dialoge. Auch mit ein Grund, warum diese Geschichte im gesamten Film am wenigsten im Gedächtnis haften bleibt.

Auch die Dreiecksgeschichte, in die sich Jesse Eisenberg, Ellen Page und Greta Gerwig verwickeln, kann leider nur wenig überzeugen. Den Kern der Story –  junger Mann verliebt sich in beste Freundin seiner Freundin – ist im Kino einfach schon so oft da gewesen. Ellen Pages Darstellung der männermordenden Femme fatale, die genau weiß, wie man einen Mann um den Finger wickelt, ist zwar durchaus gelungen. Jedoch nimmt man Jesse Eisenberg sein plötzliches Entbrennen für diese pseudointellektuelle Schönheit, die stets mit leeren Worthülsen und Halbwissen um sich schmeißt, nicht wirklich ab. Da kann selbst Alec Baldwin, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht, nicht mehr viel ausrichten.

Insgesamt hat Woody Allen mit To Rome With Love in jedem Fall eine sehr leicht verdauliche Kost abgeliefert. Schönes Rom, ein bisschen Liebe da, ein paar Konflikte dort. Stellenweise gibt es was zu lachen. Das war’s aber leider auch schon. Ein paar gute Szenen machen noch lange keinen richtig guten Film. Somit keine unbedingte Anguck-Empfehlung, aber wenn dann unbedingt (!) Original mit Untertitel! Zum einen hat Woody Allen nun eine neue deutsche Synchronstimme, die einen als eingefleischter Woody-Gucker vermutlich eher irritiert.  Zum anderen ist das tolle römische Flair, die unglaubliche Leidenschaft der italienischen Sprache sicher noch einer der Hauptgründe, warum man sich Woody Allens Film ansehen sollte. Zu schade, wenn das durch die deutsche Synchronisation verloren gehen würde.

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    3 KOMMENTARE

  • […] Reisevorbereitung unbedingt angucken musste. Ob der Film mich vom Hocker reißen konnte oder nicht, lest ihr jedenfalls im Farbfilmblog. Meine Vorfreude auf Italien wurde auf jeden Fall schon mal nicht gemindert. Ich freue mich auf […]

  • […] Fünf Filmfreunde: R.I.P Michael Clarke Duncan kino blog: Der kleine Rabe Socke Farbfilmblog: To Rome with Love Abgehört: Die wichtigsten CDs der Woche (04.09.2012) buecher.de: Musiktipp: Xavas – Schau nicht […]

  • […] vermutlich eh noch länger laufen,  ist aber vielleicht auch nicht sooo lohnenswert, wie ich dem Bericht einer Blog-Kollegin entnehmen konnte. Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. Veröffentlicht in […]

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