Literatur

Literatur in 300 Wörtern (10): Graham Greene – Am Abgrund des Lebens (Brighton Rock)

Kaum zu glauben, aber dies ist tatsächlich schon die 10. Folge meiner Literatur-Reihe. Nach der typischen Uni/Schule-Fontane-Lektüre wird es heute wieder etwas trivialer. Gelesen habe ich neulich Graham Greenes Klassiker “Am Abgrund des Lebens”, der erst 2010 u.a. mit Sam Riley und Helen Mirren verfilmt wurde (allerdings erschien der Film unter dem Originaltitel “Brighton Rock”). Auch wenn ich den Film nicht gesehen habe, war der Titel und der Handlungsort sicher einer der Hauptgründe für den Kauf dieses Buches. Ich war vor vielen Jahren einen Sommer lang im wunderschönen Brighton und genoß den einmaligen Charme dieses quirligen und sympathischen Seebades. Mit einem Buch zurück an den geliebten Ort reisen, warum nicht? Doch ich sollte die düstere Kehrseite der schönen Küstenstadt kennen lernen…Meine Lektüreeindrücke lest ihr jetzt hier!

Am Abgrund des Lebens (Brighton Rock)Inhalt in 3 Sätzen: Der junge Gangsterboss Pinkie sitzt in der Klemme. Nach einem Mord an einem Mitglied der örtlichen verfeindeten Bande gibt es eindeutig zu viele Personen, die einfach zu viel wissen! Um die zwei Zeuginnen, die resolute Ida und die naive Rose, mundtot zu machen, muss er zu außergewöhnlichen Mitteln greifen…

Lieblingszitat:

“Er fragte sich, wie lange es nötig sein würde, sie mit der romantischen Geste oder der Nummer des Liebenden auf andere Gedanken zu bringen – wie viele Wochen und Monate – die Möglichkeit von Jahren auch nur zu erwägen, war er außerstande. Eines Tages würde er wieder frei sein. Er streckte ihr die Hände hin, als wäre sie der Kriminalbeamte mit den Handschellen, und sagte: ‚Morgen kümmern wir uns um alles – besuchen deinen Vater –, man braucht schließlich nur zwei Tage‘, die Muskeln seines Mundes versagten ihm bei dem Gedanken fast den Dienst, ‚um zu heiraten.‘”

Mitte der 1930er Jahre kämpfen zwei Gangsterbanden um die Vormachtstellung im englischen Seebad Brighton – und gehen dabei durchaus auch mal über Leichen. Pinkie, gerade mal 17 Jahre alt, hat sich nach dem Tod des vorigen Chefs seiner Bande nach oben gekämpft. Von Anfang an wird er als kaltblütiger Charakter, der ohne Skrupel für seine Ziele kämpft, dargestellt. Selbst die schüchterne Kellnerin Rose, die sich für ihn als tickende Zeitbombe herausstellt, weiß er bald durch einen perfiden Plan zu bändigen: er macht ihr kurzerhand einen Heiratsantrag – in dem Wissen, dass eine verheiratete Frau zu damaligen Zeit vor Gericht keine Aussage gegen ihren Ehemann machen darf.

Anfangs fiel es mir schwer, mich richtig in die Lektüre des Romans zu vertiefen: zu viele Gauner, die man nicht recht zuordnen konnte und Geschehnisse, die ohne Erläuterung blieben. Spätestens ab Mitte des Romans packten mich die Machtspielchen der eiskalten Hauptfigur Pinkie aber doch noch. Die Schlinge um seinen Hals schien immer enger zu werden, würde er jemals wieder herauskommen? Ich ertappte mich plötzlich dabei mit einem hartherzigen Ekel zu sympathisieren.

Leider ist die Figurengestaltung nicht im gesamten Roman so gut gelungen. Gerade Rose, das gute Gegenstück zu ihrem grausamen Ehemann in spe, ist vielleicht doch etwas zu blass geblieben. Ebenso ist Idas Motivation, den Mörder eines Mannes, den sie gerade mal eine halbe Stunde kannte, über mehrere Monate zu verfolgen, nicht ganz überzeugend. Im Großen und Ganzen überzeugen jedoch im Umkehrschluss wieder die faszinierenden Schilderungen des Gangstermilieus, die diese Schwächen wieder aufwiegen.

Dieses Buch ist interessant für Leser, die es spannend und nervenaufreibend mögen. Graham Greene hat hier eine beachtlich genaue Milieustudie der düsteren Unterwelt Brightons abgeliefert: trotz kleinerer Schwächen handelt es sich bei “Am Abgrund des Lebens” um einen kurzweiligen lesenswerten Kriminalroman.

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  • Hach, St. Petersburg.. Ich vermisse es jetzt schon. 9 Tage waren nicht zu lang, auch wenn mich viele in meinem Umfeld ungläubig fragten, ob ich noch woanders hinfahre. Nein, ich hätte es selbst nicht gedacht, 9 Tage waren fast zu kurz, um diese vielfältige Stadt voller Kultur zu entdecken. So viele Stadtquartiere, Inseln zum Flanieren, coole moderne Cafés, freundliche Menschen. Hier hätte ich sogar gut und gerne noch mehr Zeit verbringen können. Ich komme wieder, vielleicht dann auch mal nach Moskau.
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