Kunst & Fotografie

Ausstellungstipp: THE HAUS – Street Art im Abrissgebäude

The Haus - Berlin Art Bang

Sowas gibt es auch nur in Berlin! In einem ehemaligen Bürohaus in der City-West haben sich vor ein paar Monaten Streetartists aus ganz Europa zusammengetan und gemeinsam vermutlich das größte Street-Art-Projekt der Welt geschaffen. Ein Haus mit 101 Räumen voller kreativer Ideen, die nur darauf warten entdeckt zu werden. Ich hab mich zum Glück gleich früh am Morgen zum HAUS aufgemacht, denn die Warteschlangen sind seit Wochen nicht zu übersehen. Teilweise müssen Besucher hier bis zu 2 Stunden anstehen, da insgesamt nur ca. 100 Besucher gleichzeitig die Ausstellung besuchen können. Ich hatte mich gerade ans letzte Ende der Schlange angestellt, als mich plötzlich ein Mann mit französischem Akzent anspricht: “Isch ‘abe eine Karte für die Führung zuviel. Möchtest du mitkommen?” Na klar! Ich kann mein Glück kaum fassen. Denn auch die Karten für die Führungen durch das Haus sind streng limitiert. Auf der Homepage sind sie längst ausverkauft. Und der große Vorteil: Mit Führung kommt man direkt rein und muss nicht warten. Jackpot!

THE HAUS: 5 Etagen Kreativität pur

So ziehe ich also an der langen Schlange vorbei und finde mich schon gute 5 Minuten später im HAUS wieder. Der Graffiti-Künstler Icke ist unser Guide und führt uns mit viel Humor und typisch berlinerischer Lässigkeit durch die insgesamt 5 Etagen des Bürohauses. Ob Tape-Art, Graffiti oder Installationen mit ungewöhnlichen Materialien wie Moos oder alten Kabeln: Die Bandbreite an Stilen ist schier unendlich und ich vergesse zwischenzeitlich gänzlich, dass ich mich gerade in einem recht biederen Bürohaus befinde, das Mitte Juni abgerissen wird. Auch wenn an der Stelle des Hauses in wenigen Monaten Eigentumswohnungen entstehen sollen, ist es dennoch eine schöne Idee, ungenutzte Gebäude im Stadtraum für temporäre Kunstprojekte zu nutzen. Investoren und Künstler, die in Berlin ja nicht gerade ein freundschaftliches Verhältnis pflegen, geben sich die Hand, kooperieren miteinander. Das ist immerhin ein Anfang. Und wenn dabei ein so wunderbares Projekt wie THE HAUS entsteht, umso besser!

El Bocho

Berühmtes Streetart-Motiv von El Bocho. Zwar nicht aus THE HAUS, aber überall im Stadtraum von Berlin zu finden.

Der Gedanke, dass alle Kunstwerke endlich sind und im Juni der Abrissbirne zum Opfer fallen werden, gehört mit zum Konzept der Macher von THE HAUS. Build and destroy – so das Motto. Wie in der Street-Art üblich, ist die Zeit dieser Kunstwerke begrenzt. Sie sollen im Hier und Jetzt Menschen inspirieren und zum Nachdenken anregen.  Dazu gehört auch, dass im ganzen Haus striktes Fotografie-Verbot herrscht. Einerseits natürlich schade, weil ich meine visuellen Eindrücke hier nicht mit Euch teilen kann, andererseits eine sehr weise Entscheidung der Macher, denn auf diese Weise ist man als Besucher wirklich gezwungen, sich auf der Stelle mit den Kunstwerken auseinander zu setzen und nicht bloß einen Schnappschuss oder einer Selfie für später zu machen. Das Schlendern durch die 101 fantasievollen Räume ist ein außergewöhnliches und sehr intensives Erlebnis. Vor allem in Verbindung mit den sehr fundierten Erläuterungen unseres Guides lief mir das eine oder andere Mal ein kalter Schauer über den Rücken. Oft steckt hinter einem Werk eben doch noch viel mehr, als man auf den ersten Blick erahnen würde. Im Gedächtnis haften geblieben ist mir hierbei zum Beispiel vor allem die Installation von Herakut, die sich auf sehr eindrucksvolle Weise mit unserer heutigen politischen Lage beschäftigt sowie vor Populismus, Hasspredigern und Problemen in der Bildungspolitik warnt.

Alles in allem handelt es sich bei THE HAUS um ein geniales Urban-Art-Projekt, das nicht ohne Grund seit Wochen Besucher aus aller Welt in seinen Bann zieht. THE HAUS ist wie Berlin: Ausgeflippt, etwas abgründig und voller kreativer Energie. Der Countdown bis zum Abriss läuft: Noch bis zum 31. Mai habt Ihr die Chance, Euch diese einzigartige Street-Art-Galerie anzusehen. Hin da!

THE HAUS – Berlin Art Bang
Nürnberger Str. 68/69
10787 Berlin
Di-So: 10-20 Uhr
Mo geschlossen
Noch bis zum 31. Mai 2017
Eintritt frei!

Am letzten Tag wird THE HAUS voraussichtlich 24h offen sein (so sagte es uns zumindest unser Guide)

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    3 KOMMENTARE

  • MoKoWo 12. Mai 2017 Reply

    Schön, das es sowas gibt!
    Die Ausstellung lohnt sich wirklich und ist der Hammer!

    Viele Grüße vom MoKoWo blog

    • Deborah 12. Mai 2017 Reply

      Seh ich auch so 🙂 Wäre toll, wenn solche Kunstprojekte in nächster Zeit öfter zustande kommen würden.
      LG, Deborah

  • […] 1Up ausgestellt, aber auch Newcomer gefördert und bekannter gemacht. Spätestens seit dem Projekt THE HAUS muss man sich in Berlin, was Street-Art anbelangt, eigentlich keine Sorgen um mangelnde […]

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  • Heute mal Frühlingsspaziergang durch Kreuzberg. Wer erkennt das Bauwerk? ;)
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  • Der Frühling ist da...und gibt jede Menge neue kreative Energie :) Mein neues liebstes Hobby (natürlich auf Balkonien) ist zeichnen und malen! 
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  • Echt beeindruckend - die neue Installation der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota im Lichthof des @gropiusbau in Berlin. Am besten live mit eigenen Augen anschauen.
Sehenswert außerdem die neue Ausstellung "Berlin Will Always Need You" mit Werken internationaler Berliner Künstler*innen, die ab heute eröffnet ist.
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  • Dandys und ihre feine Lebensart faszinieren mich ja schon seit meinem Studium. Seinerzeit befasste ich mich mit berühmten Vertretern des 19. Jahrhunderts wie Oscar Wilde, Huysmans und Baudelaire. Umso mehr habe ich mich über den tollen Bildband "I am Dandy" aus dem @gestalten Verlag gefreut, der sich mit modernen Dandys befasst. Die Fotos dieser exquisiten Gentlemen sind ein echter Augenschmaus. Die kurzen Porträts verraten mehr über das Leben dieser vielseitigen Persönlichkeiten. Tolle Entdeckung für jeden Liebhaber dieser Lebensform/-philosophie sowie jeden Ästheten.
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  • Von wegen: ein kleines bisschen Landleben gibt es auch in Marzahn ( dass ja ansonsten eher für Plattenbauten bekannt ist). Hier kann man sogar noch den alten Dorfkern von Alt-Marzahn besichtigen. Schöne Entdeckung, auch für mich als Berlinerin - und Traumwetter dazu :)
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  • Spaziergang an der Spree bei 13 Grad an einem der ersten Vorfrühlingstage in Berlin
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  • Ein 12-jähriger Junge trinkt.. Und keinen scheint es zu interessieren, bis auf eine einfühlsame Lehrerin. Dieser Roman ist wirklich keine leichte Kost, liest sich aber doch wahnsinnig schnell. Ich habe ihn in der ersten Januarwoche verschlungen. Meine Rezension findet ihr jetzt im Blog unter www.sommerdiebe.de
(Werbung für Smirnoff..naja eigentlich weniger ;))
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  • Mein erstes #Bookface mit dem wunderbaren Roman "Ein Leben mehr". Darüber hinaus habe ich in meinem Blog auf mein Lesejahr 2018 zurückgeblickt. Alles über Highlights, Lieblingsautoren und kleine Enttäuschungen könnt Ihr jetzt im Blog nachlesen: www.sommerdiebe.de
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