Literatur

Setzen, 6! Schullektüre-Klassiker auf dem Prüfstand

Schullektüre-Klassiker

In den nächsten Tagen geht in vielen Bundesländern wieder die Schule los. Dies weckt auch bei mir alte Erinnerungen an die Schulzeit. Unvergessen die Stunden, in den man die kleinen gelben Reclam-Heftchen mit Notizen vollkritzelte oder sich in muffigen Klassenzimmern die Frage stellte, warum man eigentlich nochmal den Deutsch-LK gewählt hatte…

Der Deutsch-Unterricht an vielen Schulen ist leider nicht gerade dafür bekannt, bei den Schülern die Liebe zur Literatur zu wecken. Schade eigentlich, wo es doch so viele tolle Bücher gibt, die sich zu lesen lohnen. Nur leider landen sie in den seltensten Fällen auf dem Lehrplan. Oder der Lehrer ist einfach nicht offen, von diesem abzuweichen.

Ich hatte zwar größtenteils Glück mit meinen Lehrern, hatte aber auch immer wieder Phasen, in denen mir der Deutsch-Unterricht nicht besonders viel Spaß machte. Besonders einem gewissen Herrn E. bin ich bis heute dankbar. Ohne ihn hätte ich Autoren wie Nabokov, Dürrenmatt, Kafka und Ödon von Horvath vermutlich nie für mich entdeckt. Doch wie schaut es mit den Klassikern aus, die wohl so ziemlich jeder im Laufe seiner Schulzeit gelesen hat? Welche sind Euch in guter oder schlechter Erinnerung geblieben? Hier kommt meine kleine Liste voller “unvergesslicher” Schulbücher. Achtung, kann Spuren von Sarkasmus enthalten! 😉

Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werther

Story im Schnelldurchlauf: Junger Mann verliebt sich in eine leider schon vergebene schöne Frau, bringt sich letztendlich aus unerfüllter Liebe um. Zwischendurch wird viel rumgeheult und über die Natur philosophiert. Hachja…die Liebe!

Warum soll man das nochmal lesen? Goethe, Sturm & Drang…jaja. Schon klar, dass “Die Leiden des jungen Werther” in der deutschen Literatur einen Wendepunkt darstellte. Ich muss jedoch zugegeben, dass mich als Schülerin dieses Buch voller Emotionen, Dramatik und übertriebenen Gefühläußerungen bei der Lektüre oft in den Wahnsinn getrieben hat. Werthers Beziehung zu einer verheirateten Frau erscheint schon auf den ersten Seiten als ziemlich unmöglich. “Sieh’s ein, das wird nix”, will man ihm zurufen. Doch stattdessen: Seitenlange Passagen, in denen er sich selbst bemitleidet. “Ach Lotte!” Und wenn er sich selbst mit Bienchen und Blümchen vergleicht, will man einfach nur noch schallend loslachen. Durch das Studium und dadurch, dass ich dort noch mehr über die Hintergründe erfahren habe, habe ich unterdessen zwar meinen Frieden mit dem Werther geschlossen – zu meinen Lieblingsbüchern zählt Goethes Klassiker aber nach wie vor nicht.

Die Leiden des jungen Werther

Die Leiden des jungen Werther…oder auch: Die Leiden vieler Schüler.

Friedrich Schiller – Kabale und Liebe

Friedrich Schiller: Kabale und Liebe

Friedrich Schiller: Kabale und Liebe

Story im Schnelldurchlauf: Ein adeliger Mann verliebt sich in die Tochter eines Musikers, die damit leider so gar nicht auf der gleichen sozialen Stufe wie er steht. Viele gesellschaftliche Intrigen folgen, nach denen sich letztendlich das junge Paar vergiftet und schließlich gemeinsam in den Tod geht.

Warum soll man das nochmal lesen? Noch eine Liebesgeschichte, die aus den Lehrplänen deutscher Schulen kaum noch wegzudenken ist. Warum? Tja, vermutlich weil man Schülern die Ständegesellschaft deutlich machen und ihnen eine Zeit näherbringen will, in denen man sich seinen Ehemann noch nicht aussuchen konnte. Hochdramatisch, sprachlich sicher nicht uninteressant. Bleibt jedoch die Frage, inwieweit man die heutige Generation Z damit noch begeistern kann.

Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame

Story im Schnelldurchlauf: Die Milliardärin Claire Zachanassian kehrt in ihre alte Heimatstadt zurück, in der sie noch ein paar alte Rechnungen mit ihrem Ex offen hat. Sie bietet demjenigen 1 Milliarde, der ihn um die Ecke bringt. Nach und nach ändert dieses unmoralische Angebot das Verhalten der Bürger und offenbart ihre korrupte und menschenverachtende Seite…

Warum soll man das lesen? Menschliche Gier, Korruption, eine Satire auf den Kapitalismus und die Wohlstandsgesellschaft – man kann in Dürrenmatts Drama Der Besuch der alten Dame vieles herauslesen, was auch heute Gültigkeit hat. Dies macht es vermutlich auch so zeitlos. Ich muss sagen, dass Dürrenmatts Werk zweifelsohne zu meinen persönlichen Highlights des Deutsch-Unterrichts zählt. Unterhaltsam, aber dennoch tiefgründig. Mehr davon liebe Deutsch-Lehrer da draußen!

Jetzt bin ich aber auf Eure Kommentare gespannt: Welches Buch habt ihr verflucht, welches habt Ihr geliebt? Welcher Klassiker sollte Eurer Meinung nach unbedingt in der Schule gelesen werden?

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    5 KOMMENTARE

  • Sonja 30. August 2017 Reply

    Was ich so gar nicht mochte: Der zerbrochene Krug. Antigone. Faust.
    Was ich sehr mochte: Böll „Ansichten eines Clowns“. Christian Morgenstern – Gedichte. Storm Novellen. Stifter und noch ein paar wenige.
    Gruß von Sonja

    • Deborah 30. August 2017 Reply

      Danke, liebe Sonja, für diese Einblicke. Bei “Antigone” kann ich auch gut mitfühlen. Hat mir ebenso keinen großen Spaß gemacht. Aber am besten immer an die Bücher denken, die einem gefallen haben, oder?

      LG
      Deborah

  • Eva 30. August 2017 Reply

    Liebe Deborah! Spannendes Thema – vielen Dank für den amüsanten Beitrag.
    Antigone fand ich eigentlich ganz gut… Auch Faust und Kabale und Liebe (liest man wg. Beispiel für Bürgerliches Trauerspiel, wahlweise auch Emilia Galotti) fand ich gut, außerdem Büchner, Kafka, Brecht und vieles mehr. Fontane hingegen fand ich so langweilig, dass ich mich lange nicht nochmal drangetraut habe. Am Ende war er dann ein wichtiger Teil meiner Masterarbeit in AVL. So kann’s gehen.
    Aber dass viele Klassiker den Schülern durch den Unterricht vergrätzt werden ist schon ein Thema, das mich immer wieder ärgert. Vielleicht kann ich dem ja als Lese- und Literaturpädagogin, die ich gerade werden möchte, etwas entgegensetzen…
    LG
    Eva

    • Deborah 30. August 2017 Reply

      Liebe Eva,
      vielen Dank für deine Einblicke. Ist doch schön, dass dich im Deutsch-Unterricht auch bestimmte Autoren begeistern konnten. Du hast völlig Recht: Es ist sehr schade, dass viele Schüler durch die sehr strikten Lehrpläne die Lust am Lesen verlieren. Mir ging es zeitweise manchmal auch so, dennoch hab ich zum Glück privat immer viel gelesen und später dann Literatur studiert. Ich wünsche Dir viel Erfolg, dass Du Deine Schüler für die schöne Literatur begeistern kannst 🙂

      Beste Grüße
      Deborah

  • […] Fontanes erzählerisches Werk gilt ohne Frage als kanonisch und wird heute oft im Schulunterricht behandelt. Vor allem “Effi Briest” und eben auch “Irrungen, Wirrungen” werden als […]

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  • Mein erstes #Bookface mit dem wunderbaren Roman "Ein Leben mehr". Darüber hinaus habe ich in meinem Blog auf mein Lesejahr 2018 zurückgeblickt. Alles über Highlights, Lieblingsautoren und kleine Enttäuschungen könnt Ihr jetzt im Blog nachlesen: www.sommerdiebe.de
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  • Das war also mein Instagram-Jahr. Ich war hier zwar dieses Jahr weniger aktiv bzw. hab ich lieber die Story-Funktion genutzt. Dennoch ist wieder eine bunte Auswahl bei #bestnine2018 herausgekommen. Japanische Lektüre, beeindruckende Reiseziele (u.a. Island und St. Petersburg), schicke Street Art und Architektur in Berlin... Und nicht zuletzt hab ich meiner ehemaligen Unistadt Marburg einen Besuch abgestattet. Schöne Erinnerungen. Mal sehen, was 2019 bringt.
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  • Heute neuen Lieblingsort gefunden, das Café & Antiquariat Morgenstern in Berlin-Steglitz. Habe eine gute Tat getan und ein paar Bücher gespendet. Ein bisschen Ausmisten ab und an befreit wirklich ;) Zum Dank bekam ich einen Kaffee spendiert. Toller Ort, den ich leider viel zu spät entdeckt habe, dabei wohne ich doch echt schon 'ne Weile in der Gegend... :)
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  • Hach, St. Petersburg.. Ich vermisse es jetzt schon. 9 Tage waren nicht zu lang, auch wenn mich viele in meinem Umfeld ungläubig fragten, ob ich noch woanders hinfahre. Nein, ich hätte es selbst nicht gedacht, 9 Tage waren fast zu kurz, um diese vielfältige Stadt voller Kultur zu entdecken. So viele Stadtquartiere, Inseln zum Flanieren, coole moderne Cafés, freundliche Menschen. Hier hätte ich sogar gut und gerne noch mehr Zeit verbringen können. Ich komme wieder, vielleicht dann auch mal nach Moskau.
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