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Theater: Drei Schwestern im Deutschen Theater Berlin

Drei Schwestern - Deutsches Theater Berlin, © Arno Declair

“Nach Moskau, nach Moskau!” So schallt es bei der neuen Inszenierung des Tschechow-Klassikers “Drei Schwestern” unzählige Male von der Bühne in den Zuschauerraum des Deutsches Theaters. Die drei Schwestern Olga, Mascha und Irina leben seit dem Tode ihres Vaters gemeinsam mit ihrem Bruder Andrej fernab von der Hauptstadt und fristen ihr Dasein in einem kleinen Provinzkaff, in dem sie allesamt kein für sie erfüllendes Leben verwirklichen können. Die Sehnsucht, eines Tages in ihre Heimatstadt zurückzukehren, der Wunsch, nochmal von vorne anfangen zu können: für die Hauptfiguren bleibt diese Hoffnung unerfüllt. Stattdessen ziehen die Tage dahin. Es wird viel über das Leben philosophiert, über den Ausbruch aus dem öden Alltag auf dem Lande sinniert. Letztendlich suhlen sich alle Figuren jedoch in Lethargie und Selbstmitleid anstatt aktiv etwas an ihrem Leben zu verändern.

Die Trostlosigkeit der russischen Provinz: Drei Schwestern auf der Suche nach dem Glück

Karin Henkels Inszenierung setzt auf ein recht schlichtes Bühnenbild, das jedoch ununterbrochen die empfundene Trostlosigkeit der Lebenssituation aller Figuren unterstreicht. Die Figuren bewegen sich hauptsächlich in einem kleinen spärlich möblierten Haus im Stil eines Wohncontainers, das von Zeit zu Zeit auf die Seite kippt und sie dazu nötigt auf einer schiefen Ebene zu agieren. Hinzu kommen flackernde Filmprojektionen in Schwarzweiß, die dem ganzen Setting etwas Albtraumartiges verleihen. Zusätzlich hat sie eine originelle Idee umgesetzt: Alle Tschechow-Schwestern werden von männlichen Darstellern gespielt und übernehmen dabei sogar Doppelrollen. Stark überzeichnet mit glänzenden Masken verkörpern sie zum einen die Schwestern, auf der anderen Seite ist ihnen jeweils eine weitere männliche Rolle (ihr jeweiliger Verehrer/Ehemann) zugeordnet. Benjamin Lillie spielt sowohl den verliebten und sehr bemühten Tusenbach, der um die Hand der hübschen Schwester Irina anhält. Zugleich zeigt er in der Rolle der jüngsten Schwester Irina, wie sehr ein Mensch von einer Hoffnung angetrieben werden kann. Vor allem in Irinas Kopf nimmt ein Umzug nach Moskau besonders viel Raum ein. Sie erhofft sich, auf diesem Wege endlich ihre große Liebe und eine sinnvolle Erwerbstätigkeit zu finden, die ihr zu Erfüllung und Lebensglück verhilft. Angela Winkler ist schließlich die einzige weibliche Darstellerin auf der Bühne. Sie verkörpert die Irina-Figur in einem späteren Stadium, als sich ihre Träume längst als Illusionen herausgestellt haben und sich ihr Verehrer Tusenbach das Leben genommen hat: aus Verzweiflung, weil sie keine Liebe für ihn empfinden kann.

Drei Schwestern - Deutsches Theater Berlin, © Arno Declair

Das Bühnenbild von “Drei Schwestern”, Deutsches Theater Berlin, © Arno Declair

Michael Goldberg mimt zum einen den langweiligen und stets die gleichen leeren Phrasen wiederholenden Ehemann von Mascha sowie sie selbst, die mittlerweile vollkommen desillusioniert ist und ihren Mann lediglich für einen geschwätzigen Besserwisser hält. Dann bleibt schließlich noch die älteste Schwester Olga (Bernd Moss), die sich stets über ihr anstrengendes Leben als Lehrerin an der örtlichen Schule beschwert, im leider bereits verheirateten Oberstleutnant Werschinin jedoch einen Leidensgenossen und Seelenverwandten findet. Im ersten Moment wirkt das Besetzen der weiblichen Rollen durch männliche Schauspieler sehr skurril, stellt sich bei der näheren Betrachtung des Stücks als durchaus intelligenter Kniff heraus, der dem Stück eine interessante und ungewöhnliche Wirkung verleiht. Der stetige Wechsel zwischen den Rollen verhilft dem dialoglastigen Tschechow-Klassiker zu viel Dynamik und angenehmer Abwechslung.

Der Sinn des Lebens: Nachdenkliche und melancholische Untertöne

Denn thematisch ist “Drei Schwestern” keine leicht verdauliche Kost. Die Figuren wirken teilweise wie Geister aus vergangener Zeit, die in ihrer trostlosen Umgebung gefangen sind und stets verlorenen Träumen hinterherhängen. Glück und ein erfülltes Leben wünscht sich hier jeder auf der Bühne, doch allesamt verharren in Melancholie, Resignation und Lethargie. Was ist der Sinn des Lebens? Ist es überhaupt im Hier und Jetzt möglich, glücklich zu werden? Warum müssen wir uns in unserem Dasein so quälen? Die Figuren beantworten diese gewichtigen Fragen auf ganz unterschiedliche Weise. Die Antworten schweben durch den Raum, bahnen sich ihren Weg in die Köpfe der Zuschauer, wo hoffentlich jeder nach dem Theaterbesuch seine ganz persönliche Gedanken und Antworten zu diesem ewig diskutierten philosophischen Diskurs entwickeln wird.

Drei Schwestern nach Anton Tschechow
Regie: Karin Henkel
Deutsches Theater Berlin
Nächste Termine: 1. März, 19. März, 28. März 2019
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    2 KOMMENTARE

  • Günther 15. Februar 2019 Reply

    Wirklich sehr schön zum nachdenken… gerade der letzte Teil mit „Der Sinn des Lebens“ hat mir sehr gefallen.

    • Deborah 15. Februar 2019 Reply

      Lieber Günther,
      danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass dir meine Rezension gefällt.

      Beste Grüße
      Deborah

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  • Spaziergang an der Spree bei 13 Grad an einem der ersten Vorfrühlingstage in Berlin
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