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Verbotene Liebe: Romeo und Julia im Staatsballett Berlin

Das berühmteste Liebespaar der Welt kennt jeder. Selbst, wer sich noch nicht ausführlich mit dem literarischen Werk Shakespeares beschäftigt hat, könnte den Plot von “Romeo und Julia” grob nacherzählen. Sergej Prokofieff komponierte in den 1930er Jahren das Ballett zum bekannten Drama und ist mit seiner Komposition längst in die Musikgeschichte eingegangen. Unzählige Choreographen ließen sich von seiner Partitur inspirieren. Unter ihnen auch John Cranko, der seine Adaption 1958 erstmals in der Mailänder Scala uraufführte. Das Staatsballett Berlin stützt sich in seiner Arbeit auf seine Fassung, die bis heute zu den meistgespielten Adaptionen zählt.

Doch was macht John Crankos Fassung so besonders? Im Programmheft steht sehr malerisch, er habe sich mit seinen Tänzern “stets auf die Suche nach der Darstellung wahrer Gefühle gemacht.” Außerdem sei für seine Adaption charakteristisch, dass er den Figuren viel Leben einhauche und jedem einzelnen von ihnen eine ganz eigene Persönlichkeit gebe. Mit diesem Vorwissen im Kopf mache ich mich auf dem Weg in den prachtvollen Saal der Deutschen Oper, um mir mein eigenes Bild von der Ballett-Inszenierung von “Romeo und Julia” zu machen.

“Romeo und Julia” – Verbotene Liebe trifft auf prunkvolle Kostüme

Die Capulets und die Montagues – zwei Familien, die sich nicht ausstehen können. Der tiefe Zwist zwischen den verfeindeten Lagern deutet sich bereits in der ersten Szene an. Auf dem Marktplatz von Verona treffen beide Familien aufeinander und können nur im letzten Moment noch voneinander getrennt werden. Eine letzte Warnung durch den Herzog von Verona bleibt – so ahnt der Zuschauer – ohne große Wirkung.

Die beiden Hauptfiguren Romeo und Julia, letztendlich Leidtragende des Konflikts, begegnen sich erst ein paar Szenen später auf einem großen Ball, den die Familie Capulet ausrichtet und auf dem auch ihre junge hübsche Tochter Julia in die Gesellschaft eingeführt werden soll. Julia ist gerade ins heiratsfähige Alter gekommen. In ihrem leichten weißen Sommerkleid wirkt sie kindlich, mädchenhaft und verletztlich. Bei jeder Gelegenheit, die sich bietet, hängt sie sich an den Rockzipfel ihrer fürsorglichen Amme, die sie besser versteht und ihr näher steht als jede andere Person aus ihrer Familie.

Romeo selbst entbrennt sofort in Liebe, als er die junge schöne Frau entdeckt. Die beiden Liebenden nähern sich vorsichtig an und tanzen dann leidenschaftlich – aber heimlich – vor dem prachtvollen Anwesen der Capulets. Julia, am heutigen Abend gespielt von Elisa Carrillo Cabrera, schwebt geradezu über die Bühne. Auch wenn ihr Partner (Mikhail Kaniskin) sie in die Lüfte hebt, wirkt sie wie eine feine weiße Feder. Leicht und zerbrechlich.

Romeo und Julia - Staatsballett Berlin

Romeo und Julia – Staatsballett Berlin

Highlights des Abends: Die orchestrale Begleitung und das grandiose Bühnenbild

Die Inszenierung des Staatsballetts bietet abseits der berührenden Liebesgeschichte jedoch auch jede Menge für das Auge und die Ohren. Besonders prunkvoll wird es in der Szene, bevor der große Ball stattfindet. Die Festgäste und Ritter bringen sich in Stellung für das prächtige Fest. Die Kleider der Frauen glänzen nur so vor Gold und feinen Verzierungen. Dazu spielt das Orchester den imposanten “Tanz der Ritter“, der einem durch Mark und Bein geht und selbst später nicht mehr so schnell wieder loslassen wird. Tanz, Bühnenbild und Musik gehen hier eine wunderbare Einheit ein – alles ist vollkommen aufeinander abgestimmt. Definitiv war diese Szene mein persönliches Highlight des ganzen Abends!

Ob der bunte Karneval in der Mitte des Stücks, bei dem Gaukler, Clowns und Artisten ihre Kunststücke aufführen oder die Lilien-Mädchen, die am Hochzeitstag von Julia in ihrem Zimmer tanzen und zu spät merken, dass Julia (schein)tot ist. Überhaupt glänzt die Inszenierung gerade in diesen kleinen Szenen und bietet damit zudem ein angenehmes leichtfüßiges Gegengewicht zu der tragischen Geschichte von Romeo und Julia. Mit einer Spielzeit von 180 Minuten gehört “Romeo und Julia” sicher nicht zu den kürzesten Ballettstücken, dennoch kommt nie Langeweile auf und es wird genug Abwechslung geboten.

Neugierig auf “Romeo und Julia” geworden? Dann solltet Ihr Euch beeilen: Das Ballett wird am 30.06.2019 vorerst zum letzten Mal aufgeführt. Hier geht’s zu den Karten.
Ich danke dem Staatsballett Berlin herzlich für die Einladung.

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