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Literatur in 300 Wörtern (59): Deborah Feldman – Unorthodox

Deborah Feldman schreibt in "Unorthodox" über ihren Ausstieg aus einer ultra-orthodoxen jüdischen Gemeinde in New York.

Inhalt von “Unorthodox” in 3 Sätzen:

Deborah Feldman ist in einer ultraorthodoxen Gemeinde im New Yorker Stadtteil Williamsburgh aufgewachsen. In ihrem autobiographischen Werk “Unorthodox” hat sie ihren persönlichen Weg aus der Sekte verarbeitet. Auf sehr persönliche und berührende Weise erzählt sie von ihrer unglücklichen arrangierten Ehe, der Geburt ihres Sohnes sowie ihren ersten Schritten in Richtung Freiheit und Emazipation.

Lieblingszitat:

“Nach außen bleibe ich koscher und kleide mich sittsam, gebe vor, mich ganz und gar darum zu sorgen, eine unterwürfige chassidische Frau zu sein. Innerlich sehne ich mich danach, aus jeglicher Form auszubrechen, jegliche Barriere niederzureißen, die je errichtet wurde, um mich davon abzuhalten zu sehen, zu wissen, Erfahrungen zu machen. Mein Leben ist eine Übung im Verheimlichen, wobei das größte Geheimnis mein wahres Ich ist.”

Mit verbotenen Büchern in englischer Sprache fängt es an, mit heimlichen Kinobesuchen geht es weiter bis sie schließlich ein Universitätsstudium absolviert – obwohl das in ihren Kreisen Frauen nicht erlaubt ist. Schon in der Kindheit und Jugend wachsen Deborahs Zweifel an den strengen Dogmen der chassidischen Gemeinde. Je älter sie wird, desto mehr beginnt sie die vielen Regeln und Vorschriften zu hinterfragen. Als sie schließlich in das “heiratsfähige” Alter kommt und eine Ehe mit einem nahezu unbekannten Mann eingehen muss, wird ihr Wunsch, die Gemeinschaft zu verlassen, immer stärker.

Deborah Feldman lässt ihre Leser an ihren intimsten Gedanken teilhaben und entführt sie in eine fremde Welt mit völlig eigenen Gesetzen. In ihrem Buch zeigt sie auf, wie es ihr nach und nach gelingt, sich von den Fesseln ihrer streng-gläubigen Gemeinschaft zu befreien, um sich selbst und vor allem ihrem Sohn ein freies, unabhängiges Leben zu ermöglichen. Ein radikaler und mutiger Schritt, der ihr nicht leichtfällt, da sie alles bisher Vertraute mit einem Schlag zurücklassen und ihr Leben völlig neu ausrichten muss. Beeindruckende Frau, vor den man nur seinen Hut ziehen kann!

Wem wird “Unorthodox” gefallen?

Zunächst einmal allen, die die gleichnamige Netflix-Serie lieben. Deborah Feldmans Buch ist sogar noch viel besser und intensiver, denn es ist um einiges tiefgründiger und vielschichtiger als es eine Serie je sein könnte. Mag die Serie auch eine gelungene Umsetzung sein, so bringen filmische Adaptionen ja dennoch immer viele Kürzungen und Umdeutungen mit sich. Das ganz persönliche Schicksal der Autorin nimmt einen als Leser stark mit und ihr Buch ist definitiv ein echter “Pageturner”. Einmal angefangen möchte man dieses Buch so schnell nicht mehr aus der Hand legen. Somit kann ich definitiv nur eine große Lese-Empfehlung aussprechen!

Wer dann nach der Lektüre von “Unorthodox” noch tiefer in den Kosmos von Deborah Feldman eintauchen möchte, der kann gleich mit ihrem Nachfolgebuch “Überbitten” weitermachen. Hier erzählt sie von ihrer Suche nach ihren Wurzeln und einer neuen Identität, die sich als gar nicht so leicht herausstellt wie erhofft. Hier bin ich derzeit noch mittendrin in der Lektüre, vielleicht folgt dazu bald eine ausführlichere Rezension.

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    3 KOMMENTARE

  • […] chassidischen Gemeinde wieder. Die Geschichte orientiert sich dabei grob an dem 2012 erschienenen gleichnamigen Buch von Deborah Feldman, in dem sie von ihren Erinnerungen und Erfahrungen in ihrer Kindheit und Jugend berichtet. Der […]

  • Johanna 19. Juni 2020 Reply

    Ich bin gerade durch den Blog von Marion (Schiefgelesen) auf deine Seite aufmerksam geworden und bin ganz angetan von deinem Schreibstil und den Themen, über die Du schreibst. Großes Kompliment. 🙂
    Unorthodox habe ich bislang nur als Serie begeistert gesehen und bis eben gerade keine Notwendigkeit gesehen, die literarische Vorlage dazu zu lesen. Doch natürlich hast du recht, dass selbst Serien natürlich auch immer noch stark verkürzen und komprimieren müssen. Ebenso spannend finde ich aber, dass es sogar schon ein zweites Buch von Deborah Feldman gibt – das war mir bis eben gerade nicht bewusst, danke für die Anregung. 🙂

    • Deborah 19. Juni 2020 Reply

      Liebe Johanna,
      Danke für deinen Kommentar. Freut mich sehr, dass dir mein Blog gefällt. Mir ging es mit “Unorthodox” am Anfang ähnlich, die Serie hat mich aber definitiv neugierig aufs Buch gemacht. Und meine Erwartungen wurden übertroffen!
      Das zweite Buch ist jedoch ganz anders und allein schon durch seine größere Seitenzahl längst nicht so schnell zu lesen wie sein Vorgänger. Mir gefällt es jedoch gut, es erzählt davon, wie Feldman sich auf die Suche nach ihren Vorfahren macht und sich mit ihrer (jüdischen) Identität auseinandersetzt. Keine leichte Kost, aber sehr lesenswert.
      Nun dir auch eine schöne Lektüre.
      Viele Gruse
      Deborah

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