Featured Literatur Rezensionen

Lesen 2020 – Mein persönlicher literarischer Jahresrückblick

Lesen 2020: Highlights und Buchtipps aus diesem Jahr

2020, was für ein komisches Jahr. Aber immerhin gab es zwischen Lockdown und Social Distancing genug Gelegenheiten zum Lesen. So kurz vorm Ende dieses eigenartigen Jahres wird es für mich Zeit, Bilanz zu ziehen: Was waren meine Lesehighlights? Welche Bücher haben dieses Jahr im positiven Sinne geprägt? Und welche guten “Lesevorsätze” möchte ich 2021 in die Tat umsetzen? Ich lade Euch hiermit ein, zusammen mit mir die interessantesten Lektüren Revue passieren zu lassen. Vielleicht ist für den einen oder anderen ja auch noch eine schöne Weihnachtsgeschenkidee für einen lieben Menschen dabei?! Auf geht’s!

Lesen 2020: Meine Top 3

1. Deborah Feldman – Unorthodox

Okay, ja. Ich geb’s ja zu: Netflix made me read it! Aber die gute Nachricht ist: Das Buch ist sogar noch um einiges besser als die Serie! In ihrem autobiographischen Werk “Unorthodox” erzählt Deborah Feldman von ihrem persönlichen Weg aus einer ultraorthodoxen Glaubensgemeinschaft, berichtet von ihrer Jugend sowie wie ihr als junge Frau immer mehr Zweifel an den strengen Dogmen kamen. Das ganz persönliche Schicksal der Autorin nimmt einen als Leser stark mit und ihr Buch ist definitiv ein echter “Pageturner”. Ich habe Literatur schon lange nicht mehr so verschlungen, daher hat “Unorthodox” eindeutig den ersten Platz in dieser Liste verdient.

Deborah Feldman schreibt in "Unorthodox" über ihren Ausstieg aus einer ultra-orthodoxen jüdischen Gemeinde in New York.

Deborah Feldman schreibt in “Unorthodox” über ihren Ausstieg aus einer ultra-orthodoxen jüdischen Gemeinde in New York.

2. Michel Houellebecq – Karte & Gebiet

Michel Houellebecq hat es bei meinem jährlichen Ranking schon öfter auf die ersten Plätze geschafft: Auch in diesem Jahr ist das wieder der Fall. Kaum war in Deutschland der erste Lockdown im Frühjahr da, griff ich zu “Karte und Gebiet” – und wurde nicht enttäuscht. Houellebecqs Roman “Karte und Gebiet” entführt uns in die Welt der zeitgenössischen Kunst und handelt von einem aufstrebenden Künstler, dem bereits in jungen Jahren der Durchbruch in der Kunstszene gelingt. “Karte und Gebiet” greift einige typisch Houllebecq’sche Themen wie den Wunsch nach Selbstverwirklichung sowie Einsamkeit und die Unfähigkeit, zu lieben, auf und beweist wieder mal Houellebecqs scharfe Beobachtungsgabe und seinen schonungslosen (und vorausschauenden) Blick für gesellschaftliche Entwicklungen. Lesestoff zum Nachdenken, auch in Zeiten wie diesen.

Michel Houellebecqs Gesellschaftsroman "Karte und Gebiet"

Michel Houellebecqs Gesellschaftsroman “Karte und Gebiet”

3. Han Kang – Die Vegetarierin

Muss ich noch viel zu Han Kang sagen? Alle, die meinen Blog schon eine Weile verfolgen, haben sicher mitbekommen, dass die koreanische Autorin in diesem Jahr mein Herz im Sturm erobert hat. Vor allem der Roman “Die Vegetarierin” hat mich durch seine zum einen zwar schlichte poetische Sprache, zum anderen aber auch seine tiefgründigen Gedanken hinter dem Offensichtlichen begeistert. Also, bitte zuerst meine Rezension zu “Die Vegetarierin” lesen und dann ab in den Buchladen mit Euch. Große Leseempfehlung!

Surreal und berührend: Der Roman "Die Vegetarierin" der südkoreanischen Schriftstellerin Han Kang

Surreal und berührend: Der Roman “Die Vegetarierin” der südkoreanischen Schriftstellerin Han Kang

Lesen 2020: Die 3 besten Bücher gegen Fernweh (und den Corona-Blues)

1. Marion Poschmann – Die Kieferninseln

“Die Kieferninseln” habe ich zwar noch gelesen bevor mein Japan-Trip gecancellt wurde. Aber dieses Buch hat meine Vorfreude auf eine Reise in dieses faszinierende Land definitiv noch gesteigert. Der Roman handelt von einem spontan nach Japan geflohenen Deutschen, der dort einen jungen lebensmüden Japaner trifft und ihn ein paar Tage begleitet. Die Kieferninseln in der Bucht von Sendai sind das Ziel und Höhepunkt der Reise durchs Land. Ein poetisches, stimmungsvolles, in Teilen auch rätselhaftes Buch  – und eines Tages werde ich die Kieferninseln auch mit meinen eigenen Augen sehen, da bin ich mir sicher!

Literarische Reise zu den Kieferninsel in Japan

Literarische Reise zu den Kieferninsel in Japan

2. Angelika Schrobsdorff – Die Reise nach Sofia

Auch in die bulgarische Hauptstadt Sofia wollte ich in diesem Jahr reisen. Wir alle wissen, was da leider dazwischen gekommen ist. Mein Reiseführer wurde erstmal auf unbestimmte Zeit zurück ins Regal gestellt. Eine ganz tolle “Therapie”, um die ausgefallene Reise zu kompensieren, war hingegen Angelika Schrobsdorffs unglaublich unterhaltsames und sehr atmosphärisch geschriebenenes Buch “Die Reise nach Sofia”. Ein beunruhigender Flug in einem nicht ganz vertrauenswürdigen Flugzeug, die unplanmäßige Landung in einem winzigen Provinzflughafen am Schwarzen Meer: Wie die Passagiere aus Paris dennoch irgendwann nach Sofia gelangen, ist einfach ein großes Abenteuer und sehr amüsant zu lesen. Angelika Schrobsdorffs Humor hat mich definitiv gerettet. Das Buch ist vielleicht kein kompletter Ersatz für eine eigene Bulgarien-Reise – aber auf jeden Fall wunderbare Unterhaltung mit Liebe zum Detail.

Turbulent und humorvoll: Angelika Schrobsdorffs "Die Reise nach Sofia"

Turbulent und humorvoll: Angelika Schrobsdorffs “Die Reise nach Sofia”

3. Hiromi Kawakami – Strange Weather in Tokyo (Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß)

Wie sehr ich auch gerne selbst durch die nächtlichen Straßen Tokyos streifen würde, Hiromi Kawakami hat mir immerhin ein lebendiges Gefühl davon vermittelt. Ihr Roman “Strange Weather in Tokyo” erzählt sie eine berührende Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen mit deutlichem Altersunterschied. Autorin Hiromi Kawakami schildert die beiden Figuren auf sehr liebevolle Weise und wirft einen zärtlichen Blick in das Leben der beiden in Tokyo, das sich in diesem Fall hauptsächlich abends beim gemeinsamen Essen abspielt. “Strange Weather in Tokyo” erzählt auf sehr ruhige Weise von der Einsamkeit in der Mega-City Tokyo sowie der Annäherung zwischen zwei Menschen, die sich nach gesellschaftlichen Maßstäben überhaupt nicht lieben dürften. Hier geht’s zur Rezension, die ich nach der Lektüre verfasst hatte.

Hiromi Kawakami: Strange Weather in Tokyo

Hiromi Kawakami: Strange Weather in Tokyo

Lesen 2020: Bestes Sachbuch

Die Klimakrise kommt nicht irgendwann in ferner Zukunft. Sie ist längst da! “Vom Ende der Klimakrise” von Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer hat eine klare Botschaft. Wir alle sind in Pflicht und vor allem die Politik muss endlich handeln – nicht irgendwann in fünf oder zehn Jahren. Sofort! Ihr Buch erzählt die beunruhigende Geschichte des Klimawandels, die leider auch eine Geschichte ist, in der wichtige Maßnahmen leider immer wieder verschoben und versäumt sowie die gravierenden Folgen unter den Tisch gekehrt wurden. Eine aufrüttelnde Lektüre, die das Thema umfassend beleuchtet und tief betroffen stimmt. Die Uhr tickt immer lauter…

Lieblingsbuchcover

Hab ich schon mal erwähnt, dass Rot meine Lieblingsfarbe ist? Die Neuausgabe des Berlin Verlags von Margaret Atwoods Klassiker “Der Report der Magd” ist einfach ein Traum! Selbst, wenn ich das Buch nur aus der Bibliothek ausgeliehen habe: Ich habe extra darauf geachtet, dass ich dieses Schmuckstück in den Händen halten kann. Abgesehen von der wunderschönen Optik ist natürlich Atwoods dystopisch-düsterer Roman auch ein echtes Lesehighlight. Die Handlung spielt in einer fernen Zukunft, in der eine theokratische Diktatur regiert, die ihre Bürgerinnen und Bürger mit strengen Regeln, eingeschränktem Bewegungsspielraum in der Öffentlichkeit und Kontrollen durch Polizei und Geheimagenten in Schach hält. Wer sich traut, sich diese Dystopie in diesen seltsamen Zeiten zu Gemüte zu führen: Tut es!

Bezaubert durch geniale Buchgestaltung, aber auch durch seine "inneren Werte:Margaret Atwood - Der Report der Magd

Bezaubert durch geniale Buchgestaltung, aber auch durch seine “inneren Werte: Margaret Atwood – Der Report der Magd

Mein liebster Klassiker

Hermann Hesse: Narziss und GoldmundAuch Hermann Hesses “Narziss und Goldmund” kam in diesem Jahr wieder dran. Ich habe den Roman zwar schon 2013 gelesen, muss aber sagen, dass ich das Buch und die Handlung diesmal komischerweise ganz anders empfunden habe. Liegt das an neu zugewonnener Lebenserfahrung? Für mich war es auf jeden Fall sehr überraschend, dass sich ein Buch für einen selbst im Laufe der Jahre so verändern kann. Und ein bisschen hat es seltsamerweise auch das bestätigt, was schon ein Zeitgenosse von Hermann Hesse einmal gesagt hat: dass es sich bei “Narziss und Goldmund” nämlich um „kein Zeit-, sondern ein Lebensbuch” handele. Ob es mein “Lebensbuch” wird? Es bleibt spannend…

Und 2021…?

Zu “Der Report der Magd” ist 2019 eine Fortsetzung erschienen (“Die Zeuginnen”). Die liegt hier schon als Taschenbuch bereit und würde ich bald sehr gerne lesen. Je nachdem, wie sich die Lage rund um Corona entwickelt, werde ich außerdem wahrscheinlich weiterhin Bücher “aus fernen Ländern” lesen: Gerne würde ich noch mehr Literatur aus Japan und aus Korea (weitere AutorInnen neben Han Kang) kennenlernen. Ansonsten lasse ich das neue Jahr einfach mal auf mich zukommen. Genügend Lesestoff gibt es bestimmt.

So, jetzt seid ihr aber dran! Wie war Euer Lesejahr 2020? Welche Bücher und Autoren haben bei Euch einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Ich freue mich über Eure Tipps und Anmerkungen.

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    1 KOMMENTAR

  • Carmen 12. Dezember 2020 Reply

    Danke für die inspirierenden Tips und frohe Weihnachten.

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