Film

Hitchcock (2012)

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1959. Alfred Hitchcock befindet sich mit seinem Kassenerfolg „Der unsichtbare Dritte“ auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Regisseur. Auf dem roten Teppich fragt ihn ein Journalist doch allen Ernstes: „Soll man nicht aufhören, wenn es am Schönsten ist?“ Doch Hitchcock denkt nicht ans Aufhören. Als ihm der Roman „Psycho“ von Robert Bloch in die Hände fällt, weiß er: Der ist es. Doch aus dem Lager der Filmproduzenten und Zensurbehörden Hollywoods weht ihm ein heftiger Gegenwind entgegen. Zu viel Gewalt! Zu viel Nacktheit! Und dann auch noch das Spülen einer Toilettenschüssel, was noch nie jemals in der Filmgeschichte gezeigt wurde! Unmöglich! Hitchcock nimmt’s mit Humor. „Vielleicht sollten wir lieber in Frankreich drehen und ein Bidet verwenden“, scherzt er angesichts der Forderung, die letztgenannte Szene aus dem Drehbuch zu streichen. Er ist wildentschlossen – und wenn er für den Dreh des Films seinen Swimmingpool verkaufen muss…

Seine Frau Alma, die stets im Schatten des großen Erfolgs ihres Ehemannes steht, sieht das Ganze nicht so gelassen. Sie leidet zunehmend darunter, nur wenig Anerkennung zu bekommen. Und das obwohl sie in bisher jedem Film ihres Mannes eine tragende Rolle gespielt hat, sei es beim Drehbuch, beim Schnitt oder dem bloßen emotionalen Rückhalt, den sie „Hitch“ bietet. „Ich feiere mit dir, wenn die Kritiken gut sind. Und ich weine mit dir, wenn sie schlecht sind. Und ich bin freundlich zu den Menschen, die durch mich hindurch sehen, als wäre ich unsichtbar, weil sie ja nur eines sehen: das große und glorreiche Genie Alfred Hitchcock“, wirft sie ihm an einer Stelle vor und lenkt das Augenmerk auf die Schattenseite wohl jeden großen Künstlers: Egomanie.

Was dem Biopic „Hitchcock“ Tiefe verleiht, ist leider auch eine der größten Schwächen des Films. Die wachsenden Eifersüchteleien zwischen den beiden Ehepartnern beginnen ab Mitte des Films überhand zu nehmen und man stellt sich phasenweise die Frage, was man nun eigentlich sieht: Einen Film über den Dreh von Hitchcocks wohl bekanntestem Film „Psycho“ oder das private Drama einer zerrütteten Ehe? So schwankt „Hitchcock“ immer zwischen diesen Polen hin und her und wirkt dadurch etwas unentschlossen. Gerade die Szenen, in denen Hitchcock als Mensch, als Filmemacher, der zwischen Kunst und Kommerz steht, beleuchtet wird, zählen zu den stärksten. Anthony Hopkins vermag es – nagut, wenn auch mit Fatsuit und sonstigen Masken-Spielereien – den großen Meister des Suspense auch von seiner menschlichen, zuweilen verletzlichen Seite zu zeigen. Auch Helen Mirren steht die Rolle der eifersüchtigen Ehefrau gut – nur scheint die Episode mit der vermeintlichen „Affäre“ zu einem Drehbuchautor etwas fehl am Platz, zumindest in einem Film, der sich als Hitchcock-Biopic bezeichnet. Scarlett Johansson als blonde Janet Leigh ist, adrett gekleidet in sorgsam gestalteten Kostümen der 50er und 60er Jahre, wie immer ein Augenschmaus und schafft es, auch einer Nebenrolle Glanz zu verleihen. „Hitchcock“ ist in jedem Fall, egal ob für eingefleischte Fans oder Neuentdecker des „Master of Suspense“, eine nette, kurzweilige Unterhaltung. Es gibt was zu lachen, zuweilen werden sympathische kleine Anekdoten vom „Psycho“-Dreh eingestreut. Dies alles ist angenehm anzusehen. Nicht mehr, und nicht weniger.

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    3 KOMMENTARE

  • […] “Psycho”. Aber leider auch nicht nur. Meine Meinung zu Film gibt es jedenfalls jetzt im Farbfilmblog zu lesen. Viel Spaß! Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mir […]

  • […] Lachmuskeln Cinema Forever: Spring Breakers – James Franco in Dauerschleife! Farbfilmblog: Hitchcock Abgehört: Die wichtigsten CDs der Woche MusikBlog: Kate Nash – Girl […]

  • KcnpXcp 20. März 2013 Reply

    Es liegt nahe mal einen Film über einen der größten Filmemacher aller Zeiten zu machen. Immerhin gibt es ja schon einen über den schlechtesten „Ed Wood“. Als eingefleischter Fan bin ich aber noch zurückhaltend.

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  • Sonntags ins Museum, kann man doch auch mal wieder machen. Vor allem, wenn es sich um so ein Schönes handelt. Und #Picasso geht eigentlich auch immer.
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  • #buchpassion Challenge, heute mal kurz und knackig. Mein Lieblingsautor? Truman Capote selbstverständlich! ;)
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  • Schon Tag 4 bei #buchpassion von @kaprizioesblog.
Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
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  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
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  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
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