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Lesen 2013 – Mein persönlicher literarischer Jahresrückblick

lesen-haeppchen

Klar, gerade in den letzten Tagen, die das Jahr 2013 nun noch zu bieten hat, wimmelt es in der Blogosphäre ja eigentlich nur so vor Jahresrückblicken. Aber anstatt nun einfach einen der vielen vorgefertigten Steckbriefe auszufüllen, hab ich jetzt mal einen eigenen Fragenkatalog entwickelt, um nochmal über mein Lesejahr 2013 zu resümieren. Viel Spaß beim Lesen meiner Antworten, vielleicht ist für den einen oder anderen ja auch noch eine kleine literarische Empfehlung mit dabei. Einen guten Rutsch ins neue Jahr und bleibt mir treu! Im nächsten Jahr schreib ich dann auch wieder mehr (meine Rückkehr nach Deutschland naht!)

Meine persönlichen Lese-Favoriten dieses Jahr (Top 3)

Hermann Hesse - Narziß und Goldmund1. Hermann Hesse – Narziss und Goldmund

Wow! Was für ein Buch! Nicht nur die beeindruckend bildreiche Sprache zog mich sofort in ihren Bann, auch die Geschichte von zwei grundverschiedenen, aber doch tief miteinander verbundenen Freunden ließ mich nicht mehr los. Nicht nur, weil ich mich zum Zeitpunkt der Lektüre schon in Italien befand, sondern auch so wurde mir bewusst: ich liebe Deutschland und seine Dichter und Denker!

Max Frisch - Mein Name sei Gantenbein2. Max Frisch – Mein Name sei Gantenbein

Auch Max Frisch bewies mit „Mein Name sei Gantenbein“ ein weiteres Mal, das er es in meiner „Lieblingsliteraten“-Rangliste irgendwann nochmal nach ganz oben schaffen könnte. In diesem komplexen Roman greift er ein weiteres Mal sehr kunstvoll sein Lieblingsthema, Identität und die Art und Weise, wie jeder selbst unbewusst laufend an seiner eigenen Persönlichkeit und Wirkung auf andere herumbastelt, auf. Nicht unbedingt leicht zugänglich, aber auf jeden Fall eine echte Leseempfehlung für nachdenkliche Menschen.

Erich Kästner - Fabian3. Erich Kästner – Fabian

Von „Fabian“ erfuhr ich eher zufällig durch eine Vorlesung eines von mir sehr geschätzten Professors. Vorher hatte ich mich noch gar nicht mit dem Werk Erich Kästners auseinandergesetzt, wollte dies dann allerdings schnell nachholen. Und es hat sich gelohnt! Kästner hat mit „Fabian“ einen fulminanten Großstadtroman geschrieben, der nicht nur jede Menge Zynismus und schwarzen Humor enthält, sondern auch ein anschauliches Porträt der resignativen Atmosphäre in den 1930er Jahren liefert.

Bestes verfilmtes Buch

great-gatsbyOhne Frage: Die Verfilmung von F. S. Scott Fitzgeralds großem Roman „The Great Gatsby“ des Regisseurs Baz Luhrmann zählte sicher zu den besten Literaturadaptionen in diesem Jahr. Auch wenn Luhrmann sehr eigenwillig mit der literarischen Vorlage umgeht (Einsatz moderner Musik, opulente Bilder etc.) ist ihm die Übertragung in das filmische Medium dennoch gut gelungen. Mich brachte der Film sogar dazu, ein weiteres Mal zum Roman zu greifen und meine schon Jahre zurückliegende Lektüre noch einmal aufzufrischen.

hitchcock-truffautBestes Filmbuch

Ich lese in der Regel ja wenig Sachbücher, aber Francois Truffauts „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ hatte es auf jeden Fall in sich. Ich begeistere mich ja schon länger für die Filme Alfred Hitchcocks, allerdings weiß ich dank dieses Interview-Buches jetzt endlich noch mehr über die zahlreichen Tricks, Kniffe und wenig bekannten Anekdoten des Filmemachers. Dass der große Master of Suspense sich in den Gesprächen mit Truffaut immer weiter öffnet, eigene Fehler und Enttäuschungen eingesteht und sich auch mal als durchaus selbstkritischen Menschen zeigt, machen ihn und seine filmischen Werke nur noch sympathischer.

Lieblingsbuchcover

Die Filmerzählerin

Hernán Rivera Letelier – Die Filmerzählerin

Es war Liebe auf den ersten Blick. Beim Stöbern in meinem Lieblingsbuchladen stieß ich zufällig auf dieses schmale Buch. Das Cover gefiel mir sofort und machte mich neugierig: Lebensfreude, bei gleichzeitiger Kargheit des Raumes, durch den das Mädchen springt – interessanter Kontrast. Der Inhalt des Romans enttäuschte mich dann zum Glück auch nicht. Ein lesenwertes Buch über die Liebe zum Kino und die Kunst, sich auch nach Schicksalsschlägen seine Stärke zu bewahren.

Schöne denkwürdige Worte über das Schreiben:

„Wenn ich schrieb, musste ich nach dem Schreiben immer etwas lesen, um meine Gedanken von der Geschichte abzulenken, an der ich gerade arbeitete. Wenn du ständig darüber nachdachtest, ging es für dein Schreiben verloren, bevor du am nächsten Tag weitermachen konntest. Ich habe bereits gelernt, den Brunnen meines Schreibens nie zu erschöpfen, sondern stets aufzuhören, wenn im tiefen Teil des Brunnens noch etwas übrig war, und ihn über Nacht von Quellen, die ihn speisten, wieder füllen zu lassen.“ (Ernest Hemingway – Paris, Ein Fest fürs Leben)

Größte Überraschung

berlin-alexMit Alfred Döblin modernem Klassiker „Berlin Alexanderplatz“ hatte ich wirklich ja schon zur Genüge gekämpft. Bereits zweimal hatte ich es mit der Lektüre versucht – nie war ich über die gefürchtete Seite 30 hinausgekommen. Doch dann wurde in der Uni ein Seminar angeboten – und ich fasste mir schließlich doch ein Herz. Vielleicht schaffte es ja mein Lieblingsprofessor (siehe oben, siehe „Fabian“) endlich mir diesen großen Roman der 1920er Jahre näherzubringen. Und tatsächlich: nach anfänglichen Leseschwierigkeiten ging es plötzlich doch leichter als gedacht. Ich habe den Roman jetzt endlich zu Ende geschafft (und muss sagen, ich bin immer noch ein wenig stolz). Zu meinen Lieblingsbüchern wird „Berlin Alexanderplatz“ vielleicht in diesem Leben nicht mehr avancieren, aber ich habe jetzt durchaus eingesehen, warum diesem Werk eine so große Bedeutung in der Literaturgeschichte zugewiesen wird. Und als ich dann in meiner Hausarbeit einen Vergleich zwischen Döblins Roman und Rainer Werner Fassbinders Drehbuch zu seiner 14-teiligen Fernsehadaption anstellte – ja, da begann mir die ganze Sache plötzlich richtig Spaß zu machen!

Größte Enttäuschung

Ein Garten auf dem MondGut, Enttäuschung ist vielleicht etwas hart gesagt, da dies ja in der Regel voraussetzt, das man irgendwas erwartet hat, aber ich finde es immer schade, wenn mich ein Buch so wenig reizt, das mir der Gedanke kommt, die Lektüre abzubrechen. Bernd Breitbachs „Ein Garten auf dem Mond“ war leider so ein Fall. Mit der Hauptfigur konnte ich so gar nichts anfangen, auch die endlosen Schilderungen von zahlreichen Liebesbeziehungen und Affären derselbigen begannen mit der Zeit eintönig zu werden. Aber ich wollte das Buch rezensieren, also zog ich es durch! Schade drum, diese Lektüre war wohl leider nichts für mich.

Buch, das eine zweite Chance verdient hätte

pigafettaZum Geburtstag bekommen, angefangen zu lesen, doch so sehr mich die Sprache von Felicitas Hoppes Roman „Pigafetta“ auch positiv überraschte, so richtig warm wurde ich mit dem Buch leider nicht. Es kam wie es leider oft kommt im Leben eines Lesers, es kam ein anderes Buch dazwischen, „Pigafetta“ fristete, zugeklappt mit eingeschobenem Lesezeichen, weiter sein Dasein auf dem Nachttisch. Dieses kleine Stück Literatur verdient eine neue Chance, weil ich im Prinzip schon denke, dass es mir gefallen könnte. Vielleicht war der richtige, ruhige Moment, um dieses Buch zu genießen, einfach noch nicht da.

3 Autoren, die ich auch 2014 im Auge behalten werde

hemingway

Ernest Hemingway las ich in diesem Jahr gleich zweimal („Paris, ein Fest fürs Leben“, „Fiesta“) und wird sicher weiter auf meiner Favoriten-Liste stehen. Es verbleiben von Hemingway auf jeden Fall noch so einige Werke, die man noch lesen sollte.

Hermann Hesse hatte mit seinen Werken „Siddhartha“ und „Unterm Rad“ zwar auch schon vor einigen Jahren mein Interesse geweckt, dennoch hat mich die großartige Lektüre von „Narziss und Goldmund“ in diesem Jahr ohne Frage noch neugieriger auf seine weiteren Bücher gemacht.

italo_Calvino

Ach, Italo Calvino! Wenn doch die Sprachbarriere nicht wäre! Ich habe mir ja hier in Sizilien sein Werk „Se una notte d’inverno un viaggiatore“ auf Italienisch gekauft, auch scheinen sich allgemein in jedem Buchladen, den ich betrete, seine Werke zu stapeln und sich mir quasi aufzudrängen – aber ich fürchte: mein Italienisch ist leider noch nicht soweit, um seine Literatur wirklich in voller Gänze genießen zu können. Klar, das Gröbste verstehe ich…aber tut man einem Autor nicht unrecht, wenn man manchmal 1 Seite lang gar nichts versteht und einfach weiterblättert?! Ich jedenfalls denke, lieber Italo Calvino, deine Zeit kommt noch! Du bist einer der ersten italienischen Autoren, die ich lesen werde, wenn meine Sprachkenntnisse soweit sind!

Bücher, die auf meiner Leseliste für 2014 stehen

tschechow-dramen  meister-margarita  116-chinesen

Lesen, lesen, lesen! Natürlich gibts es immer noch jede Menge Bücher, die ich unbedingt bald lesen will. Zuhause in meinem deutschen Regal warten auf jeden Fall Anton Tschechows gesammelte Dramen auf mich (dicker Wälzer, hat nicht in den Reisekoffer gepasst) und auch Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“ steht ganz sicher auf der Lese-Liste. Ansonsten gab es zu Weihnachten noch einen Roman von Thomas Heams-Ogus („116 Chinesen oder so“), das sich um ein dunkles Kapitel der italienischen Geschichte dreht: den Faschismus. Mir wird also in nächster Zeit bestimmt nicht langweilig werden. Und das ist doch schon mal eine beruhigende Aussicht für das Jahr 2014.

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    4 KOMMENTARE

  • saetzeundschaetze1 29. Dezember 2013 Reply

    Eine wunderbare Auswahl. Mich freut es, dass Berlin Alexanderplatz auch hier zu Ehren kommt – ein wichtiger Roman für die deutsche Literatur!

  • literallywriting 29. Dezember 2013 Reply

    Ganz tolles Format für einen Jahresrückblick! Macht Spass aufs Lesen!

  • nshiraz 29. Dezember 2013 Reply

    ich hoffe, du konntest einiges von deiner leseliste realisieren – den bulgakov habe ich selbst erst kürzlich rezensiert – ein Meisterwerk. generell hast du einen wunderbaren Geschmack. unabhängig von unserem ähnlichen design gefällt mir dein blog sehr! liebe grüße von urwort.com

  • […] Jahr neigt sich dem Ende zu, Weihnachten steht vor der Tür. Wie schon 2013 und 2014 möchte ich auch in diesem Jahr in meinem Blog auf mein persönliches Lesejahr […]

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  • Okay, alles klar: Bücherflohmärkte sind verdammt gefährlich! :D
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  • Der neue Hotspot für kreative Street Art. Rund um die Bülowstraße toben sich schon länger Künstler an den Häuserfassaden aus. Gestern hat hier außerdem das weltweit erste Museum für #Streetart @urbannationberlin geöffnet. Unter der U-Bahn-Hochbahn zwischen #Nollendorfplatz und #Bülowstrasse könnt Ihr heute außerdem auf der #artmeile tolle (vergängliche) Meisterwerke bewundern. Hin da!
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  • Herbstzeit! Kennt Ihr auch dieses plötzliche Bedürfnis, die eigenen 4 Wände gemütlicher zu machen? Ich war soeben bei Ikea und hab mich endlich mit einer schicken Bilderleiste ausgestattet. Die Zitate/Literaten/Künstler in den Rahmen werden sicher mal wechseln, aber den Anfang machen der große Dandy #OscarWilde und die inspirierende Modeikone #CocoChanel. :) Wie macht Ihr Euer Zuhause fit für den Herbst?
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  • Im Lieblingskino. Mal sehen, ob mich "Western" mehr überzeugen kann als "Tulpenfieber". ;)
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  • Prag war die absolut richtige Wahl für einen spontanen Städtetrip. Jetzt erstmal wieder zuhause ankommen, Eindrücke sacken lassen (und die rund 400 Fotos sichten und sortieren ;)) #prag #goldenestadt #prague #citytrip #sightseeing #travelgram #latergram #instatravel #travel #traveller #backpacking #rucksackreise #charlesbridge #romantic #travelblogger #cityofkafka #kultur #literatur #bookstagram #igtravel #czech #fotoreise #unterwegs #deborahontheroad
  • Der Sommer ist fast vorbei. Schnell nochmal auf die Liegewiese - natürlich mit Buch!

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  • Danke an @snu_snu fürs Taggen (#openbooks). Meine momentane Balkonlektüre: Joseph Brodskys #Venedig-Reiseerinnerungen "Ufer der Verlorenen". Hab ich aus dem Müll (!) gefischt.. Wer macht denn sowas? Liest sich schön, wenn der Autor auch einen sehr ausschweifenden blumigen Stil hat. Allerdings interessante Venedig-Impressionen. Bekomme große Lust mal im Winter in die Lagunenstadt zu reisen. Dann soll die Stadt laut Brodsky besonders eindrucksvoll sein. (Und schön menschenleer) Ob das heute noch so ist? Das Buch ist immerhin von 1989. ;)
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