Kunst & Fotografie

Ausstellungstipp: Germaine Krull – Fotografien

Germaine Krull
01_Selbstportrait mit Ikarette, um 1925
01_Self-portrait with Icarette, circa 1925
Silbergelatineabzug, 23,6 x 17,5 cm
Ankauf dank des Mäzenats von Yves Rocher, 2011. Frühere Sammlung Christian Bouqueret, Centre Pompidou, Paris. Musée national d'art moderne/Centre de creation, industrielle.
Gelatin silver print, 23.6 x 17.5 cm
Acquired with the support of Yves Rocher, 2011. Former collection Christian Bouqueret, Centre Pompidou, Paris. Musée national d'art mo-derne/Centre de creation, industrielle.
© Estate Germaine Krull, Museum Folkwang, Essen, Photo © Centre Pompidou, MNAM-CCI, Dist. RMN-Grand Palais / image Centre, Pompidou, MNAM-CCI

Was gibt es Schöneres als an einem blauen Montag in aller Ruhe ins Museum zu gehen? So machte ich mich an meinem freien Tag auf in den Martin-Gropius-Bau, wo derzeit die Retrospektive von Germaine Krull zu sehen ist. Germaine Krull zählt zu den einflussreichsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Vor allem in den 1920er und 30er Jahren sorgten sie mit ihren innovativen Fotoideen in der Kunstwelt für Furore. Ihr künstlerisches Schaffen lässt sich in dieser Zeit klar der Strömung des sog. Neuen Sehens zurechnen: Dies war eine ästhetische Bewegung, die festgefahrene Strukturen in Bezug auf Komposition, Beleuchtung bzw. Belichtung der Fotografie auflockern und stattdessen neue Sichtweisen auf die Wirklichkeit etablieren wollte.

Germaine Krull: Les Halles in der Nacht (in Freundschaft zu Van Ecke),© Estate Germaine Krull, Museum Folkwang, Essen

Germaine Krull: Les Halles in der Nacht (in Freundschaft zu Van Ecke),© Estate Germaine Krull, Museum Folkwang, Essen

In Germaine Krulls Werk merkt man diesen Anspruch vor allem in ihren Pariser Fotografien. Soll das der Eiffelturm sein? Soll dieses Foto die berühmten Markthallen Les Halles darstellen? Als Betrachter ist man immer wieder überrascht, wie Krull weltbekannte Sehenswürdigkeiten mit ihrer Kamera einfängt und ist beeindruckt, wie sie es schafft selbst banale und alltägliche Motive und Sujets durch aufregende Perspektiven ins rechte Bild zu rücken. In ihrer Pariser Zeit wurde sie vor allem durch ihre Fotografien von technischen Bauwerken und Industrieanlagen bekannt. Zugleich verstand sie sich selbst als Fotoreporterin, die den Alltag um sich herum mit scharfem Blick beobachtete und in eindrucksvollen Bildserien wie ihrer Clochards-Serie festhielt. In dieser dokumentierte sie das alltägliche Elend der Pariser Obdachlosen zwischen Nôtre Dame und Pont Neuf – und erntete mit diesem damals anstößigen Sujet sicher nicht nur Beifall.

Ob frühe Aktfotografie, Mode- und Werbefotografie oder ihre Werke aus ihrer Zeit als Kriegskorrespondentin – die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau wirft einen umfangreichen Blick in das Werk der Künstlerin und zeigt ein breites Spektrum an Themen. Germaine Krull, das wird einem bei diesem Streifzug durch ihre Werke immer klarer, war eine sehr starke und mutige Persönlichkeit. Dies beweist nicht nur ihr überaus kurviger Lebenslauf, der sie bis nach Indochina führte, sondern auch die Konsequenz, mit der sie sich in ihrer Fotokunst über engstirnige Konventionen und moralische Normen ihrer Zeit hinwegsetzte. Eine wirklich faszinierende Fotografin, vor der man nur den Hut ziehen kann.

Martin-Gropius-Bau Berlin
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
Mittwoch bis Montag: 10:00–19:00, Dienstag geschlossen
Noch bis zum 31. Januar 2016

||||| 0 Gefällt mir |||||

Tags:        

    4 KOMMENTARE

  • kutabu 14. November 2015 Reply

    Danke für den Tipp! Vielleicht schaffe ich es ja mal wieder nach Berlin…. Ich möchte auch in die Botticelli-Renaissance-Ausstellung…

    • sommerdiebe 14. November 2015 Reply

      Gerne 🙂
      Ja, die Botticelli-Ausstellung ist bestimmt auch ein echtes Highlight.

      LG
      Deborah

  • uNTERWEGSiNsACHENkUNST 14. November 2015 Reply

    danke für deinen einblick liebe deborah – meine erste begegnung mit den fotografien von germaine krull war 2011 in der pinakothek der moderne in münchen, aus der stiftung ann und jürgen wilde – war auch ganz angetan. herzliche grüße, daniela

    • sommerdiebe 14. November 2015 Reply

      Sehr gerne. Danke für den Kommentar. 🙂
      Ich bin Krull schon letztes Jahr in einem Fotografie-Seminar begegnet. War zum Thema „Paris im Fotobuch“. Schon da hat sie mich fasziniert.
      LG Deborah

what do you think?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Instagram

  • Was für ein inspirierender #Instawalk vorhin im Deutschen Historischen Museum. Hier ist jetzt eine Ausstellung zur Russischen Revolution 1917 angelaufen. Ein paar ausgewählte Blogger/Instagrammer/ Twitterer ..whatever..durften heute an einer exklusiven Kuratorenführung teilnehmen. Danke für die Einladung, @dhmberlin, hat Spaß gemacht! :) .
.
#dhmrevolution #russland #russischerevolution #1917 #history #geschichte #museum #berlinkultur #kultur #russia #art #culture #berlinstagram #dhm #dhmberlin #kulturblog #architektur #architecture #pei #peibau #archigram #berlin365
  • #Charlottenburg hat einfach die schönsten Kinos. Hier war ich gestern im altehrwürdigen #CinemaParis, das sich in seinem Programm vor allem auf französischen #Arthouse konzentriert. Ich hab mir Hanekes neuen Film "Happy End" angesehen... Schwer verdaulich, bedrückend, also definitiv ein Film, der nachwirkt. Mehr dazu bald im Blog.
.
.
#berlin #kultur #kudamm #cinema #filmfilmfilm #haneke #frenchfilms #frenchcinema #movie #movienerd #chic #fastwieinparis #frankreich #frankophil #berlinstagram #culture #schönekinosäle #imlovingit #filmlover #artcinema #programmkino
  • Hände hoch: Wer beobachtet auch gerne Menschen? ✋ 😉 Vicki Baum hat genau dies für ihren Roman #MenschenimHotel gemacht und beschreibt, welche Persönlichkeiten in einem mondänen Hotel im Berlin der 1920er Jahre aufeinandertreffen. Unterhaltsam, pointiert, humorvoll, aber auch mit Tiefgang erweckt Baums Roman auch heute noch die ganz besondere Atmosphäre der "Goldenen Zwanziger" zum Leben. Meine Rezension lest Ihr im Blog -> #linkinbio
.
.
#Zwanzigerjahre #vickibaum #Berlin #berlinroman #Roman #lesen #buch #bookstagram #goodoldtimes #Retro #20s #1920s #roaringtwenties #weimarerrepublik #Großstadt #novel #booknerd #bookaddict #Buchtipp #read
  • Sonntags ins Museum, kann man doch auch mal wieder machen. Vor allem, wenn es sich um so ein Schönes handelt. Und #Picasso geht eigentlich auch immer.
#picassomuseum #heinzberggruen #berlin #kultur #museum #kunst @staatlichemuseenzuberlin #charlottenburg #art #architecture #archigram #immuseum #surrealismus #kubismus #architektur #architecturelovers #kulturblog #sunday #visitberlin #berlin365 #berlinstagram #artgallery #artlover #artgeek
  • #buchpassion Challenge, heute mal kurz und knackig. Mein Lieblingsautor? Truman Capote selbstverständlich! ;)
.
.
.
#ilovehim #lieblingsautor #sommerdiebe #kaltblütig #anderestimmenandereräume #unddannerstseinekurzgeschichten #inlovewithliterature #booknerd #igreads #bookstagram #bookaddict #trumancapote #americanwriter #goodlooking #verysmart #dandy #blackandwhite @kaprizioesblog
  • Schon Tag 4 bei #buchpassion von @kaprizioesblog.
Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
.
.
.
#bookstagram #booksyoushouldread #frankreich #politik #buch #lesen #houellebecq #booknerd #bookaddict #booksthatmakeyouthink #buchtipp #read
  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
#bookstagram #shelfie #buchregal #bücher #billy #colourful #books #igreads #lesen #bücherliebe #literaturliebe #literature #booknerd #bookshelf #myhome #bloggerlife
  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
#bookstagram #sylviaplath #femalewriters #literature #lesen #booknerd #books #americanliterature #bookaddict #bücher #bookblogger #igreads @kaprizioesblog #buchliebe #literaturliebe
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de