Film

Nocturnal Animals (2016)

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Susan Morrow lebt ein Leben, von dem viele nur träumen können: Sie wohnt mit ihrem Mann in einem riesigen Anwesen mit Blick über Los Angeles, ist beruflich mit ihrer eigenen Kunstgalerie erfolgreich – und doch macht das Setting von Tom Fords neuestem Werk „Nocturnal Animals“ von Beginn an deutlich, dass hinter der luxuriösen Fassade einiges im Argen liegt. Der Ehebruch von Susans Mann ist da erst der Anfang, auch der leere, ausdruckslose Gesichtsausdruck von Susan spricht Bände. Eines Tages erhält sie ein Paket von ihrem Ex-Mann, der ihr sein aktuelles Romanmanuskript zu lesen gibt. Die Lektüre seines Romans „Nocturnal Animals“ wird für Susan zu einer Reise in die eigene Vergangenheit…

Nocturnal Animals – Vielschichtiges Psychodrama mit mehreren Erzählebenen

Tom Fords neuer Film wird anhand von drei Erzählebenen erzählt. In der bereits erwähnten ersten Ebene sehen wir das Leben von Susan, die von Vernissage zu Vernissage tingelt und trotz ihres Erfolgs keine rechte Freude empfinden kann. In dieser Kunstwelt sind jegliche Gefühle abgestumpft. Was alleine zählt, ist die schöne Oberfläche und ob man schon das aktuelle Smartphone-Modell hat. Style over substance.

In der zweiten Ebene taucht Susan schließlich in den Roman ihres Ex-Mannes Edward ein, der in ihr von Beginn an ein Gefühl des Unbehagens hervorruft. Was will ihr Edward mit dieser Romanhandlung voller Bosheit und Grauen sagen? Im Roman geht es um den Familienvater Tony Hastings, der mit seiner Frau und Tochter auf einer Urlaubsreise nach Texas mitten in der Nacht in der Wüste von drei unangenehmen Männer belästigt und bedrängt wird. Der Konflikt eskaliert, Tonys Frau und Tochter werden kurzerhand entführt, Tony selbst wird von den Gangstern hilflos in der Wüste zurückgelassen. Mühsam kämpft er sich durch die Einöde, findet schließlich endlich eine menschliche Seele. Gemeinsam mit einem Sheriff macht er sich auf die Suche nach seiner Familie…

Diese Hauptebene wird immer wieder von Susans Gedanken unterbrochen. Sie legt den Roman zur Seite und reflektiert über ihre gemeinsame Vergangenheit mit Edward, über ihre erste Begegnung, ihre zunächst erfüllende Beziehung, die jedoch nach einigen Jahren in der Trennung mündete. „Nocturnal Animals“ jongliert sehr kunstvoll zwischen den einzelnen Erzählebenen hin und her, verknüpft Vergangenes mit der Gegenwart. Regisseur und Modedesigner Tom Ford schont den Zuschauer nicht. Eindrucksvoll durchkomponierte Bilder voller Ästhetik wechseln sich mit Bildern voller grausamer Gewalt ab. Alle Schauspieler, allen voran Jake Gyllenhaal und Amy Adams, brillieren in ihren Rollen – Jake Gyllenhaal sogar in der Doppelrolle als verletzlicher Schriftsteller Edward und als verzweifelter Familienvater auf Verbrecherjagd.

Raum für eigene Interpretationen

„Nocturnal Animals“ ist kein Film, der jede Gefühlsregung oder Handlung der Figuren durchkaut und erklärt. Vielmehr muss man sich am Ende selbst zusammenreimen, was die Romanhandlung wohl mit der Realität zu tun hat, was der Dichter seiner Exfrau damit sagen möchte. Im Film bleibt einiges offen, was einen als Zuschauer durchaus unbefriedigt zurücklässt. Klar, es ist schön, wenn ein Film einen zum Nachdenken und zum Ziehen eigener Schlüsse einlädt, doch leider hat Tom Fords neuer Film längst nicht die gleiche Intensität wie sein Vorgängerwerk „A Single Man“, in dem er einen lebensmüden Literaturprofessor an seinem letzten Tag seines Lebens begleitete. Ich selbst habe mir „A Single Man“ vor ein paar Tagen zum wiederholten Mal angeschaut und muss sagen, dass ich mich in die dortige Hauptfigur viel besser einfühlen konnte. Die Figuren in „Nocturnal Animals“ erreichen längst nicht die Tiefe der Protagonisten in „A Single Man“. Gerade dass man so wenig über die Beziehung zwischen Susan und Edward erfährt und ihre Probleme nur oberflächlich abgehandelt werden, trägt nicht gerade dazu bei, mit den beiden Figuren mitzufühlen und ihr Handeln nachvollziehen zu können. Susan bleibt im Film eben doch eine frustrierte Künstlerin, die sich und ihre Träume verraten hat, während Literaturprofessor George im Laufe des Films einen Wandel erfährt und aus sich heraus die wahre Schönheit des Lebens erkennt.

Fazit: „A Single Man“ – definitiv ein starker Vorgängerfilm. Schwer das noch zu toppen. So ist „Nocturnal Animals“ zwar keineswegs ein schlechter Film – allein ästhetisch kann er es mit Fords Debütfilm aufnehmen – dennoch bleibt er längst nicht so sehr haften und hat mich anders als „A Single Man“ nicht so sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. Ich bin dennoch gespannt auf Tom Fords dritten Film – sollte es denn einen geben 😉

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    3 KOMMENTARE

  • Eva 31. Dezember 2016 Reply

    Mir hat der Film auch sehr gefallen, und ich denke noch viel über ihn nach, was wirklich eine Qualität darstellt, wie ich finde. Aber jetzt bin ich auch riesig neugierig auf „A single man“… Danke für diesen heißen Tipp!

    • Deborah 31. Dezember 2016 Reply

      Ja, das stimmt. Definitiv ein Film zum Nachdenken. Aber wie gesagt, „A Single Man“ war noch um einen Tick besser. Naja, ist Kritik auf hohem Niveau 😉 ich schau mir heute zum Jahresabschluss nochmal Toni Erdmann an.
      Guten Rutsch!

  • […] sehr interessanten und unter die Haut gehenden Film „Nocturnal Animals“ gesehen und in Deborahs Rezension von Tom Fords erster Regiearbeit gelesen habe, musste ich mir diesen Film einfach unbedingt […]

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  • Sonntags ins Museum, kann man doch auch mal wieder machen. Vor allem, wenn es sich um so ein Schönes handelt. Und #Picasso geht eigentlich auch immer.
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