Film

The Salesman (2016)

The Salesman

The Salesman – worum geht’s?

Teheran: Ein junges Ehepaar muss fluchtartig die vertraute Wohnung verlassen, da das ganze Wohnhaus einzustürzen droht. In ihrer Not sind Emad und Rana sehr dankbar, dass ihnen ein guter Freund aus der Theatergruppe, in der sie beide die Hauptrollen des Arthur Miller Stücks Tod eines Handlungsreisenden spielen, spontan eine neue Bleibe anbietet. Die neue Wohnung mag etwas schäbig sein, nicht so geräumig – dennoch überlegen sie nicht lange und ziehen mit ihrem ganzen Hab und Gut ein. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass die vorherige Mieterin einen sehr zweifelhaften Ruf hat – viele Nachbarn vermuten, dass sie als Prostituierte regelmäßig Männer in ihrer Wohnung empfing. Eines Abends wird Rana von einem Unbekannten überfallen und im Badezimmer schwer verletzt. Von einem Tag auf den anderen ist in der Beziehung der jungen Eheleute nichts mehr wie es war…

The Salesman – so war’s:

Das iranische Drama The Salesman von Regisseur Asghar Farhadi (Nadar und Simin) kreist um den Themenkomplex Schuld und Strafe und zeigt eindrücklich, wie ein einziges einschneidendes Ereignis – in diesem Fall ein sexueller Missbrauch – das Beziehungsgefüge von zwei sich nahestehenden Menschen verändern kann. Gerade zu Beginn macht sich eine bedrückende Atmosphäre breit: Keine Wohnung zu haben zählt wohl sicher zu den Urängsten vieler Menschen. Dann auch noch in einer vermeintlich sicheren neuen Bleibe abends beim Duschen von einem fremden Mann überwältigt zu werden – das wusste schon Hitchcock – ist einfach der Horror. Wer war der Angreifer? Was war sein Motiv? War er wirklich ein Freier der früheren Mieterin, der sich einfach in der Tür geirrt hat? All diese Fragen belasten den bisher recht unbeschwert wirkenden Alltag von Emad und Rana. Gleichzeitig zeigt The Salesman auf den unterschiedlichsten Ebenen – manchmal als kleine Bemerkung einer Figur am Rande, manchmal als intertextueller Bezug (das Stück von Arthur Miller) – wie es um die iranische Gesellschaft, ihre moralischen Normen und Werte und nicht zuletzt um die sozialen Rollen von Mann und Frau bestellt ist. Diese Hinweise sind eher subtilerer Natur – Regisseur Asghar Farhadi lässt bewusst (oder unbewusst) viele Leerstellen, die der Zuschauer selbst mit eigenen Interpretationen füllen muss. Bewusst wahrscheinlich in erster Linie aufgrund der strengen Zensur, der viele Filme, Bücher und andere künstlerische Werke im Iran unterliegen. Da darf man als Regisseur so manche Kritik oder bittere Wahrheit sicher nicht so offen aussprechen, wie das in der westlichen Welt möglich wäre. Der Film lässt den Zuschauer mit einigen Fragen zurück. Eine der größten ist sicher die nach der Ehre – und wie weit jeder gehen sollte, um sie zu bewahren. Eine andere ist sicher, inwieweit das doch in der Filmhandlung sehr präsente Theaterstück Tod eines Handlungsreisenden etwas über die Hauptfiguren aussagt – und sogar das Ende des Films vorausdeutet.

Fazit: Ein durchaus vielschichtiges Drama – und definitiv ein würdiger Konkurrent von Toni Erdmann um den Auslandsoscar. (Auch wenn ich persönlich meine Stimme dann doch zweiterem geben würde ;))

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