Film

Moderne Zeiten (1936)

Schnell, schneller! Noch schneller! Schon zu Beginn von Charlie Chaplins Stummfilmklassiker Moderne Zeiten werden die Tücken der modernen Industriegesellschaft vorgeführt. In einer Fabrik ackern die Fließbandarbeiter in einem Wahnsinnstempo. Nur einer sticht heraus, weil er nicht mithalten kann und einfach zu langsam ist – der Tramp Charlie. Der Fabrikdirektor überwacht mit Kameras und Bildschirmen die Tätigkeit seiner Mitarbeiter  (George Orwell lässt grüßen!) und ermahnt sie stets das Tempo doch mal anzuziehen. Vergeblich! Wir sehen den sehr schmächtigen und in seinem viel zu weitem Anzug überaus linkisch wirkenden Charlie immer wieder mit Kollegen zusammenstoßen, bei dem Versuch ebenso effektiv und flink zu arbeiten wie sie. Als ein Vertreter in der Fabrik eine neuartige Erfindung vorstellen will, kommt der langsame Charlie als geeignetes Versuchskaninchen also gerade richtig! Diese eigenartige Maschine – eine Essmaschine! – soll die Arbeit in der Fabrik noch effizienter gestalten, denn mit ihr können die Mitarbeiter gleichzeitig essen und arbeiten. Schon wenige Momente später sehen wir Charlie – eingespannt in der Maschine – beim Verzehr von Maiskolben, Sahnetörtchen und anderen Leckereien. Wenn nur die Technik nicht auch ihre Tücken hätte…

Charlie Chaplins Moderne Zeiten behandelt, unterlegt mit zahlreichen überaus unterhaltsamen Slapstick-Einlagen, ein Thema, das bis heute aktuell ist. Er zeigt den Menschen in einer Welt, die immer mehr von Technik und Fortschritt bestimmt ist. In dieser Welt muss alles, mag es auch so etwas Banales wie die Nahrungsaufnahme sein, immer noch schneller gehen. Zeit ist Geld. Unwiderruflich fühlt man sich als heutiger Zuschauer trotz des Alters des Films (1936!) an die eigene Lebenswirklichkeit erinnert, leben wir doch heute auch in einer Leistungsgesellschaft, in der Karriere, Erfolg und finanzielle Sicherheit einen sehr hohen Stellenwert haben. Im Zweifel kommt das Individuum mit seinem ganz profanen Bedürfnis, sich selbst zu verwirklichen und glücklich zu werden, dabei zu kurz –und wird wie in Moderne Zeiten im wahrsten Sinne des Wortes vom System verschlungen.

Trotz dieser herben Gesellschaftskritik, mit der Chaplin in erster Linie auch auf die damalige Weltwirtschaftskrise und die daraus resultierenden Probleme aufmerksam machte, ist und bleibt Chaplins Film grenzenlos optimistisch. Die Hauptfigur schlägt sich so gut es geht durch – und lässt sich auch nach großen Rückschlägen einfach nicht unterkriegen! Chaplin beweist bei der Verkörperung seiner Figur erneut sein enormes Schauspieltalent – allein schon seine Mimik und Gestik ist unschlagbar. Mit Moderne Zeiten hat er es ohne Frage geschafft, Gegensätzliches wunderbar in Einklang zu bringen: Sozialkritik, die Geschichte eines kleines Mannes, der sich durchkämpft und nicht zuletzt wird dies gekrönt mit einem sehr liebenswerten Humor, der einem stellenweise Lachtränen in die Augen treibt. Ein überaus sehenswerter Stummfilmklassiker, den man sich als Cineast nicht entgehen lassen sollte!

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