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303 – Romantisches Roadmovie mit Tiefgang

303 - Film-Rezension

303 – Worum geht’s:

Die Studenten Jan (Anton Spieker) und Jule (Mala Emde) treffen sich zufällig auf einem Rastplatz bei Berlin. Da Jan gerade von seiner Mitfahrgelegenheit sitzengelassen wurde, fragt er Jule spontan, ob sie ihn mit ihrem Oldtimer-Wohnmobil (Typus 303) zunächst mit nach Köln mitnehmen kann. Von dort möchte er weiter nach Spanien reisen, um endlich seinen leiblichen Vater zu besuchen und kennenzulernen. Jule ist zwar emotional gerade nicht ganz auf der Höhe (sie hat erfahren, dass sie schwanger ist und möchte dies ihrem Freund in Portugal beichten), lässt ihn aber kurzentschlossen bei sich einsteigen. So begeben sich beide zunächst auf einen aufregenden Roadtrip nach Köln – und dann schließlich doch quer durch Europa. Auf ihrer Fahrt durch malerische Landschaften in Belgien, Frankreich, Spanien und Portugal kommen sie immer mehr ins Reden und Philosophieren über das Leben, die Liebe, den Tod, zwischenmenschliche Beziehungen und vieles mehr. Ihre Gespräche werden mit jedem Kilometer persönlicher und schon bald fällt es beiden sehr schwer, sich nicht ineinander zu verlieben…

Zum Trailer von 303:

303 – So war’s:

303 ist ein echter Rede-Film. Wie sein berühmtes Vorbild – Richard Linklaters romantischer Dialogfilm Before Sunrise mit Julie Delpy und Ethan Hawke – beobachtet Regisseur Hans Weingartner hier zwei Menschen dabei, wie sie sich erst gegenseitig beschnuppern, mitunter heftig diskutieren und sich schließlich immer näher kommen. Einen „Anti-Tinder-Film“ nennt Weingartner sein Werk selbst – und macht damit deutlich, dass es selbst in unserer schnelllebigen Zeit in Sachen Liebe auch noch anders gehen kann. Slow- statt Speed-Dating steht hier auf dem Programm. Dazu kommt, dass die beiden Hauptfiguren eigentlich völlig gegensätzlich sind – Jan ist der Pessimist, der an den Egoismus im Menschen glaubt, Jule hingegen beharrt fest darauf, dass in jedem von uns viel Gutes steckt und die Menschen nur durch Kooperation nicht durch Konkurrenz etwas erreichen können. Vielleicht macht es aber gerade wegen dieser offensichtlichen Gegensätzlichkeit so große Freude den intelligenten Gesprächen der beiden zu folgen. Selbst wenn wir als Zuschauer wie in einem herkömmlichen Liebesfilm Zeuge werden, wie sich Jan und Jule langsam aber sicher ineinander verlieben, kommt der Film dabei ohne jeglichen Kitsch aus. Bis zum ersten Kuss lässt uns Hans Weingartner ganz schön zappeln und spielt damit eindeutig mit den Erwartungen der Zuschauer.

Die Dialoge sind sehr realitätsnah und wirken nicht im Geringsten aufgesetzt. Dabei könnte dies bei den doch sehr theorielastigen Gesprächsthemen aus den Bereichen Politik und Gesellschaft bis hin zu Fragen nach modernen Beziehungsmodellen wie der Polygamie schnell passieren. Stattdessen wirken die Dialoge so, als würden sie im selben Momenten von den Figuren selber formuliert werden. Leichtfüßig und doch gleichzeitig tiefsinnig – meiner Meinung gelingt es dem Roadmovie 303 perfekt, diese Balance zu halten. Wen außerdem angesichts der traumhaften schönen Drehorte nicht das Fernweh packt und die Lust überkommt, selbst einen Trip mit einem alten Bus zu unternehmen – dem ist auch nicht mehr zu helfen. Für mich ein sehr gelungener Sommerfilm, der viel rüberbringt, trotz seiner Thematik nie seicht ist und mit seiner relativ großen Lauflänge von über 2 Stunden nie langweilt.

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    2 KOMMENTARE

  • Samuel 20. Juli 2018 Reply

    Hi,

    ich fand den Film insgesamt auch sehr gelungen. Auch wenn manchen Passagen für meinen Geschmack etwas zu lang waren. Immer wieder sieht man den 303 fahren und dazu klimpert eine Gitarre. :o) Die Dialoge sind sehr authentisch, wohl auch weil sie aus dem Tagebuch des Regisseurs stammen und durch Mala Emde und Anton Spieker sehr überzeugend gespielt werden. Insgesamt ein schöner europäischer Road-Movie mit positivem Grundton.

    • Deborah 20. Juli 2018 Reply

      Hallo Samuel,
      danke für deinen Kommentar. Freut mich, dass dir der Film auch gut gefallen hat. Ich hatte seltsamerweise gar nicht so das Gefühl, dass der Film (zu) lang war. Gerade die langen Einstellungen von den Fahrten durch die schöne Landschaft geben dem Film meiner Meinung nach viel Atmosphäre. Höchstens zum Ende hin hätte es etwas gestraffter sein können. Für mich aber insgesamt ein runder Sommer-Film 🙂

      Liebe Grüße
      Deborah

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