Film

Balduin, der Ferienschreck (1966)

Louis de Funes - Balduin, der Ferienschreck

In mehr als einem Dutzend „Balduin“-Filmen hetzte Louis de Funès als chronischer Choleriker gleichen Namens durch die Szenerie. Die Komödien wurden seit Beginn der 1950er Jahre in zunehmend schnellerer Folge gedreht, allein in den 1960er Jahren spielte de Funès in mehr als zwanzig Filmen mit. Das sind mehr als zwei Produktionen pro Jahr. Filmblog-Redakteur Konstantin hat sich die Produktion Balduin, der Ferienschreck auf DVD angeschaut. Ist der Film heute noch lustig?

Die Story in sechs Sätzen: Louis de Funes, die wandelnde Katastrophe, schlägt wieder zu: Er leitet eine Ferienschule in Frankreich. Sein Sohn Philipe, Goldmedaillenträger im Faulenzen, bekommt für sein Englisch eine schlechte Note und soll daher auf Anweisung des Vaters nach Schottland geschickt werden. Doch statt ihm schickt der schlaue Filius seinen Freund Stephane. Balduin wird alsbald nach Schottland gerufen, da sein scheinbarer Sohn krank wird und deckt den Schwindel auf. Um Peinlichkeiten aus dem Weg zu gehen, bedrängt er Stephane, weiterhin seinen Sohn zu spielen. Dieser und das ansässige Schottenmädchen Shirley haben aber andere Pläne und reisen durch ganz Europa. Natürlich immer verfolgt von Balduin. Am Ende lernen sich Shirley und Philipe kennen und lieben, Stephane geht leer aus.

Wie war’s: Zielsicher beschifft Louis de Funes in diesem Schottisch- Französischen Ferienabenteuer alle Ecken und Kanten des europäischen Humors. Zahlreiche Wortspiele warten neben Running Gags (beim dritten Mal wird’s allerdings langweilig) und Situationskomik auf Lacher. Funes‘ einzigartige Mimik und viel Liebe zum Detail machen aus einer an und für sich altbackenen Verwechslungskomödie einen 1A-Streifen mit vielen Überraschungen.

Der Film ist verglichen mit anderen Werken des Franzosen sehr actionreich, nur am Anfang überwiegen noch die Dialoge. Auch viele verschiedene Schauplätze sorgen für Abwechslung. Verglichen etwa mit „Der Querkopf“, wo die gesamte Handlung in einer Stadt angelegt ist, hat „Balduin der Ferienschreck“ also einen deutlichen Vorteil.

Zur Filmmusik lässt sich weniger Gutes sagen: Schmierige Streichermusik erfreut das Ohr nicht gerade, ist in diesem Film von 1967 aber passend untergebracht. Weitere Schwächen werden bei der Betrachtung sichtbar: Wird da nicht das eine oder andere Mal krampfhaft versucht lustig zu sein? Wie man im unten angehängten Dialog sieht, lockt das was in den sechziger Jahren womöglich ungeheuer lustig wirkte, heute nur noch ein paar Lächler hervor.

Nun diese schwachen Witze und der Hang zu Wiederholungen, getarnt als Running Gags, sind verzeihbar. Alles in allem ein solider Komikstreifen, den man mehr als einmal sehen und lustig finden kann. Im Selbsttest klappte es bereits drei Mal.

Der Dialog:

Schotte: Darf ich ihnen Feuer geben?
Balduin: Ja, Feuern sie mir eine !
Dann (rauchend): Vielen, aber herzlichen Dank!

Fakten zum Film:
Alternativer Titel: Der Brausekopf mit den Sausebeinen
Regie: Jean Girault
Schauspieler: Louis de Funès, Ferdy Mayne, Martine Kelly, François Leccia, Olivier de Funès (Ja, es handelt sich um den Sohn von de Funés)
IMDB: 6.5 von 10 Sternen

Konstantin

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    7 KOMMENTARE

  • Markus 26. Dezember 2009 Reply

    Ach ja, der gute, alte Louis de Funes. Als Kind in den 80er Jahren liebte ich seine Filme, die auch recht häufig im DDR-Fernsehen zu sehen waren. Dann kam die Wende und mir wurde erstmal bewusst, wie sehr ein Charakter von seiner Stimme geprägt ist. Die westdeutsche Synchronisation war ganz anders, ungewohnt, aus meiner Sicht auch nicht so witzig. Aber die ostdeutschen Synchronisationen verschwanden trotzdem. Nach vielen Jahren hab ich mich dann mal wieder an ein paar Balduinklassiker herangetraut. De Funes ist schon großartig, aber die Filme selbst treffen meinen Humor nur noch sehr selten.

  • Franz 26. Dezember 2009 Reply

    Ja, auch ich bin mit den Filmen von Louis de Funes groß geworden.
    Der große französische Hektiker und Choleriker mit den immer selben, aber doch immer wieder auch lustigen Grimassen. (Mehrere Filme hintereinander würde ich mir nicht anschauen.)
    Dazu das französische Flair der Filme, wo es oft darum geht, raffiniert zu sein, sich mehr oder weniger charmant durch zu setzen….

  • Wimmer 26. Dezember 2009 Reply

    Nicht der größte Louis de Funes Film, aber mit Sicherheit einer seiner großen. Zeitlose Familienunterhaltung wie man sie heute leider nicht mehr kennt. Ein Film den man sich mit seinen Kindern und Enkeln gerne immer wieder anschaut.
    Danke an den großen Louis de Funes

  • Ralf 26. Dezember 2009 Reply

    Louis de Funes-Filme kann man sich immer wieder anschauen. Über die Qualität lässt sich streiten. Vielleicht sind es einfach Kindheitserinnerungen, die dem Filmgenuss dann einen positiven Antrich verleihen. Ein verregneter Sonntag und ein Louis de Funes-Film passen hervorragend zusammen. Sollte man sich öfter mal gönnen 😉

  • Carsten 26. Dezember 2009 Reply

    Ach ja, der gute alte Louis de Funes.
    Mir persönlich gefielen vorallem seine Gendarm-Filme und die außerirdischen Kohlköpfe am besten.

    Ich geb da Ralf ganz recht: Louis de Funes-Filme sollte man sich öfters mal wieder gönnen 🙂

  • Dirk 26. Dezember 2009 Reply

    Ja… Nein… Oh!

  • pc uncut games 26. Dezember 2009 Reply

    Der Film ist wirklich gut geworden und man kann sich den Film öfters ansehen ohne das er gleich langweilig wird.

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  • #buchpassion Challenge, heute mal kurz und knackig. Mein Lieblingsautor? Truman Capote selbstverständlich! ;)
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  • Schon Tag 4 bei #buchpassion von @kaprizioesblog.
Welches Buch sollte jeder gelesen haben?
Mit "Jeder soll"-Formulierungen bin ich sonst eher vorsichtig. Die Geschmäcker sind einfach zu verschieden.
Ich lege Euch dennoch heute Michel Houellebecqs  vieldiskutiertes Werk #Unterwerfung ans Herz. Mit der Schilderung von instabilen politischen Systemen, Themen wie Islamhass & Populismus und einem einsamen Helden auf der Suche nach Sinn passt dieser visionäre Roman erschreckend gut in unsere heutige Zeit. Tiefgründig & vielschichtig. Mich hat der Roman noch lange nachdenklich gestimmt.
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  • Tag 3 der #buchpassion Challenge:
-> Mein Bücherregal
Ich oute mich mal gleich als Ästhetin: Ja, ich sortiere meine Bücher (teilweise) nach Farbe bzw.  nach Verlag. Sieht einfach gut aus. ;) Und auch sonst bin ich ein visueller Mensch. Oft merke ich mir die Farbe und das Cover eines Buches. Würde mich jetzt also z.b. spontan jemand nach Hemingways Roman "Fiesta" fragen, wüsste ich sofort, dass ich in der "Rot-Sektion" schauen müsste. Naja, jeder hat so seine kleine Macke ;)
Muss jedoch auch zugeben, dass das Farbkonzept nicht überall in meinem Regal durchgesetzt wird. Ab Regalbrett 3 sortiere ich z.T. nach Autoren, Themen, Epochen oder wie es eben gerade so passt. Klarer Fall, dass Bücher von Truman Capote natürlich nebeneinander stehen müssen. In einem anderen Regal hab ich noch Sachbücher zum Thema Literaturwissenschaft, Film, Kunst, Reisen, Essen & Kultur. That's it! Bei meinem letzten Umzug sind nicht alle Bücher mitgekommen, aber es gibt ja auch noch Bibliotheken.
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  • Tag 2 der Instagram-Challenge #buchpassion ➡️ Dieses Buch hat mich verändert
Über diese Frage musste ich eine ganze Weile nachdenken. Letztendlich kehrten meine Gedanken aber doch immer zu einem Buch zurück: Sylvia Plaths "Glasglocke". Zum ersten Mal hab ich das Buch gelesen, als ich 16 war - und schon damals hatte es eine Sog-Wirkung auf mich. Es ist  eines von wenigen Büchern, bei dem ich nur die ersten Sätze lesen muss,  und ich bin förmlich gefangen in der Erzählwelt, die Plath so  anschaulich beschreibt. Die junge Protagonistin, die eigentlich gerade erst ins Erwachsenenleben startet und versucht ihren eigenen Weg zu finden, hadert mit sich selbst und den gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit (1950er). Wie möchte ich leben? Soll ich wirklich an der künstlerischen Laufbahn festhalten?  Der Ehrgeiz und die starken Selbstzweifel, die  immer wieder in depressiven Verstimmungen resultieren, beginnen die  Protagonistin förmlich aufzufressen. Als Leser muss man hilflos mit  ansehen, wie sie unter ihrer Glasglocke nach Luft ringt, wie sie sich  selbst zerstört.
„Die Glasglocke“ ist durch die Handlung harter 
Tobak – keine Frage! Vielleicht berührt das Buch auch gerade durch seine
 Authentizität und weil man ahnt, dass die Autorin das Geschilderte 
selbst durchgemacht hat. 
Für mich nach wie vor ein prägendes Buch - keine leichte Kost, aber definitiv ein Roman zum immer wieder Lesen. Aufwühlend, authentisch, zeitlos: So muss große Literatur sein.
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