Film

Frankenstein im 21. Jahrhundert – Almodóvars „Die Haut, in der ich wohne“

Dr. Frankenstein (Antonio Banderas) und sein Versuchsobjekt (Elena Anaya)

Uff. Was der spanische Regisseur Pedro Almodóvar einem mit seinem neuen Film „Die Haut, in der ich wohne“ cineastisch serviert, ist auf jeden Fall keine leichte Kost. Typisch Almodóvar eben, könnte man auch sagen. Diesmal hat er sich an das Thriller- bzw. Horrorgenre gewagt. Der Inhalt kurz zusammengefasst:

Der angesehene Schönheitschirurg Dr. Ledgard (brilliant gespielt von Antonio Banderas) ist besessen von der Idee, den menschlichen Fortschritt voranzutreiben und eine Haut zu entwickeln, die unzerstörbar ist. Seine eigene Frau hat sich vor Jahren bei einem Autounfall schwere Brandverletzungen zugezogen. Nahezu traumatische Folgen hat ihr darauffolgender Suizid auf ihn gehabt. Um seine naturwissenschaftlichen Experimente durchzuführen hält er auf seinem einsamen Anwesen eine junge Frau namens Vera (Elena Anaya) als sein Versuchskaninchen fest…

Mehr darf man an dieser Stelle über den Plot eigentlich nicht verraten, wenn man sich von dem raffinierten Twist noch einigermaßen überraschen lassen will. Ich hab mich leider wieder vorab über den Film informiert (ich sollte das in Zukunft wirklich lassen! ;)), sodass ich schon relativ früh absehen konnte, worauf es hinauslaufen würde.

Was „Die Haut, in der ich wohne“ auf jeden Fall zu einem faszinierenden Werk macht, ist nicht nur die ausgeklügelte Verbindung zwischen Ästhetik und Perversion. Denn oft sind die abstoßenden Szenen in gewisser Hinsicht gleichzeitig ästhetisch. Der moralische Zeigefinger wird nicht erhoben. Auch nicht, wenn der moderne Dr. Frankenstein an seinem hilflosen Opfer herumwerkelt und immer perfidere Techniken zur Überwachung seines Versuchsobjekts entwickelt. Man ertappt sich plötzlich dabei, dass man sogar beginnt sich in diesen kaltherzigen, nach Perfektion strebenden Schönheitschirurgen einzufühlen. Hinter seiner harten Fassade ist er eben auch nur ein gebrochener Mann, der versucht über sein Trauma hinwegzukommen.

Gleichzeitig spricht Almodóvar mit seinem Werk auch durchaus aktuelle gesellschaftliche Themen an: So wird etwa die moderne Schönheitschirurgie, die es möglich macht, einen Körper beliebig zu formen und zu perfektionieren, hinterfragt. Wie viel Körperkult ist in Ordnung? Wann fängt der Drang nach Vollkommenheit an, abnormal zu werden? Ist es wirklich richtig, dass der menschliche Fortschritt mittlerweile derartige Züge trägt – und sich sogar über Ethik und Moral hinwegsetzt?

Auch auf die Figuren bezogen lässt der Film bewusst viel Interpretationspielraum, so wird bis zum Schluss die wahre Natur der Beziehung zwischen Arzt und Versuchskaninchen, Peiniger und Opfer zweifelhaft gelassen. Fühlen die beiden sich innerlich vielleicht doch zueinander hingezogen? Oder ist die gezeigte Zuneigung letztendlich doch nur Mittel zum Zweck?

Somit ist Pedro Almodóvar wieder einmal ein vielschichtiges, ästhetisches, aber auch morbides Werk gelungen. Auf jeden Fall nichts für schwache Nerven, denn Grausamkeiten werden gnadenlos gezeigt. So war dann auch die vermehrte Reaktion des Kinopublikums um mich herum. Während des Films war immer wieder eines ganz deutlich zu vernehmen: ein tiefes Seufzen!

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